Astrid Lindgren
Astrid Lindgren
Fröhliche, mutige, trotzige, aber auch traurige und nachdenkliche Kinderfiguren sind es, die Astrid Lindgren in ihren weltbekannten Kinderbüchern erschaffen hat. Pippi Langstrumpf, Karlsson vom Dach oder Michel aus Lönneberga haben die Herzen von unzähligen kleinen und großen Lesenden erobert. Noch immer sind die Geschichten der schwedischen Autorin ein fester Bestandteil in den Kinderzimmern.
Der Ursprung von Pippi Langstrumpf
Im Winter 1941 musste Astrid Lindgrens Tochter Karin wegen einer Lungenentzündung im Bett bleiben. Auf ihren Wunsch hin erzählte Astrid Lindgren die Geschichte einer selbstbewussten Seemannstochter mit roten Haaren und Sommersprossen. So entstand die erste Version von Pippi Langstrumpf, die gemeinsam mit einem Pferd und einem Affen in der gemütlichen Villa Kunterbunt lebt.
In den 1950er Jahren erschien die Geschichte erstmals im Oetinger Verlag in Deutschland. Lindgren ahnte damals noch nicht, dass ihre Bücher einmal zu Klassikern der Kinderliteratur werden würden.
Nach „Pippi Langstrumpf“ schrieb sie zahlreiche weitere Kinderbücher. Insgesamt verfasste sie über 90 Werke, die in mehr als 90 Sprachen übersetzt wurden und Kinder weltweit begeistern.
Aus ihrem Leben
Astrid Anna Emilia Ericson wurde am 14. November 1907 auf Näs bei Vimmerby in Schweden geboren. Zusammen mit ihren drei Geschwistern wuchs sie auf einem Bauernhof auf, in dem Kindern viele Freiheiten gewährt wurden.
Mit 18 Jahren wurde Lindgren schwanger, was in den 1920er Jahren einen Skandal bedeutete. Sie zog nach Stockholm, um ihr Kind allein großzuziehen, und begann eine Ausbildung zur Sekretärin. Im Dezember 1926 brachte sie ihren Sohn Lars zur Welt. Zunächst lebte er bei Pflegeeltern, bis sie ihn später wieder zu sich holte. 1928 lernte sie Sture Lindgren kennen, drei Jahre später heirateten sie. Die gemeinsame Tochter Karin wurde 1934 geboren.
Schriftstellerischer Werdegang
Ab 1933 veröffentlichte Lindgren erste Manuskripte anonym in einer Stockholmer Tageszeitung. 1945 gewann ihr Manuskript „Pippi Langstrumpf“ den ersten Preis beim Verlag Rabén & Sjögren. Sie erhielt eine Anstellung als Lektorin im Verlag und widmete sich zunehmend der Schriftstellerei.
Zu ihren bekanntesten Werken zählen:
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„Michel aus Lönneberga“
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„Karlsson vom Dach“
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„Die Gebrüder Löwenherz“
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„Lotta aus der Krachmacherstraße“
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„Ronja Räubertochter“
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„Mio, mein Mio“
Auszeichnungen:
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1956: Sonderpreis der Stiftung des Deutschen Jugendbuchpreises für „Mio, mein Mio“
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1978: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (erste Kinderbuchautorin)
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1979: Wilhelm-Hauff-Preis für „Die Brüder Löwenherz“
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1989: Albert-Schweitzer-Medaille in Washington
Die Jury des Friedenspreises lobte sie für Fantasiereichtum und Lebensvertrauen, das ihre Werke Kindern weltweit vermitteln.
Motivation für das Schreiben
Astrid Lindgren erklärte:
Ich schreibe die Bücher, um mich selbst zu amüsieren und mich in meine eigene Kindheit hineinzuversetzen.
Diese Intention ist in der Echtheit und Authentizität ihrer Werke zu spüren. Wie kaum eine andere Autorin schafft es Lindgren, Kinder beim Lesen in ihre Welt zu holen. So wie sie sich selbst mit ihren Geschichten zurück in ihre Kindheit begibt, folgen ihr junge Lesende immer wieder aufs Neue und mit großer Freude auf diesem Abenteuer. Ihre Bücher verwandeln noch heute jedes Kinderzimmer im Handumdrehen in einen malerischen Hof in Schweden.
Trotz idyllischer Kindheit war ihr Leben nicht frei von Herausforderungen. So musste sie mit den Alkoholproblemen ihres Mannes Sture umgehen und letztendlich die Erkrankung und den Tod ihres Sohnes Lars verarbeiten – er starb 1986 an einem Gehirntumor. Auch die gesellschaftlichen Missstände und die Ungerechtigkeit in der Welt haben Lindgren schon immer gestört und stark geprägt. Sie engagierte sich zeitlebens für gewaltfreie Erziehung, gegen Rassismus und gegen Atomkraft.
Lebensende und Vermächtnis
Astrid Lindgren starb am 28. Januar 2002 in Stockholm im Alter von 94 Jahren. Ihr literarisches und gesellschaftliches Erbe inspiriert bis heute Kinder und Erwachsene weltweit. In Schweden ziert ihr Portrait die 20-Kronen-Banknote.
Quellen:
- Gottschalk, Maren: Jenseits von Bullerbü. Die Lebensgeschichte der Astrid Lindgren. Gulliver. 2006
- Lindgren, Astrid: Das entschwundene Land. Erinnerungen. DTV. 2003
- www.astrid-lindgren.de
Melanie Herber hat Medienwissenschaften, Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation in Leipzig und Würzburg studiert. Ihr beruflicher Werdegang ist von verschiedenen Etappen in der Bildungswelt geprägt: Hochschulkommunikation, Bildungsministerium, Bildungsmedienverlag. Sie ist Teil der Redaktion von lernando aus dem Hause Westermann.