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Das Leben von Simone de Beauvoir

Illustration der Intellektuellen Simone de Beauvoir
Wissen und Bildung
© Illustration erstellt mit KI
von Melanie Herber | lernando-Redaktion

Schriftstellerin, Philosophin, Feministin, Existenzialistin: Der Name Simone de Beauvoir steht bis heute für selbstbestimmtes Denken und Handeln. Sie gilt als eine der bedeutendsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Im April 2026 jährt sich der Todestag der französischen Philosophin und Schriftstellerin zum 40. Mal. Ihre Gedanken und Ideen bleiben bestehen.

Lesedauer:
4 min

Das Leben der Simone de Beauvoir

Geboren am 9. Januar 1908 in Paris, ist Simone de Beauvoir die ältere von zwei Schwestern in einer bürgerlichen Familie. Schon als junges Mädchen liest und schreibt sie viel. Ihre Schulausbildung absolviert sie am katholischen Mädcheninstitut Cours Désir, die Erziehung ist streng. Später distanziert sie sich bewusst von der Kirche – diese Abkehr vom Glauben ist ein Schock für ihre Eltern.

1926 beginnt die 18-Jährige ihr Philosophiestudium an der Pariser Sorbonne. Bereits ein Jahr später schreibt sie ihre Diplomarbeit und bereitet sich nebenbei auf die agrégation, die Lehrerlaubnis, an der Sorbonne und der Ecole Normale Supérieure (ENS) vor. Im Jahr 1929 besteht sie die agrégation als Zweitbeste. Über ihr Studium lernt sie Jean-Paul Sartre kennen. Der Denker wird später ihre wohl wichtigste intellektuelle Bezugsperson.

In den folgenden Jahren nimmt sie immer wieder Aufträge als Lehrerin an. Während des zweiten Weltkrieges bleibt sie in Paris und schließt unter anderem Freundschaft mit Albert Camus und Pablo Picasso. Ab 1943 widmet sie sich der Schriftstellerei: Sie veröffentlicht ihren ersten Roman „Sie kam und blieb“. Es folgen philosophisches Essays, Dramen und Romane. 1949 wird ihr Buch „Das andere Geschlecht“ veröffentlicht – später wird dies zu ihrem bekanntesten Werk. Die darin formulierte These „Man kommt nicht als Frau zur Welt, sondern wird dazu gemacht" dient bis heute als Grundlage feministischer Diskussion.

De Beauvoir widmet sich weiter politischen und gesellschaftskritischen Themen und bezieht zum Beispiel Stellung gegen den Algerienkrieg. Sie arbeitet eng mit Sartre, Camus und anderen Existenzialisten zusammen und integrierte die entwickelten Ideen in Ethik, Politik und Feminismus. Ihre lebenslange, unkonventionelle Verbindung mit Sartre beeinflusste ihr Denken zu Freiheit, Verantwortung und gesellschaftlichen Rollen.

Die Unterdrückung von Frauen, Verantwortung und zwischenmenschliche Beziehungen sind kontinuierlicher Teil ihres Denkens und Handelns. 1971 unterschreibt die Autorin das französische Manifest zur Abtreibung. Zusammen mit anderen prominenten Frauen bekennt sie „J'ai avorté" – Ich habe abgetrieben. Noch heute ist eine zentrale These der feministischen Bewegung „My body, my choice. Mein Körper, meine Entscheidung.". De Beauvoir betrachtete die strukturelle Abwertung von Frauen nicht als biologisch begründet, sondern als gesellschaftlich konstruiert. Sie kritisierte den Mythos des „ewig Weiblichen“ und forderte eine grundlegende soziale und kulturelle Gleichstellung. Sie betonte immer wieder Freiheit, Verantwortung und die „Ambiguität“ menschlicher Existenz – die Spannung zwischen individueller Freiheit und sozialen Bedingungen.

Am 14. April 1986 stirbt sie in Paris und wird neben Sartre auf dem Friedhof Montparnasse beerdigt.

Simone de Beauvoir und die Freiheit

Simone de Beauvoires Leben war vor allem eins: unkonventionell. Ihre Entscheidung für ein Leben jenseits vorgefertigter Schablonen macht sie für viele Frauen bis heute zur Leitfigur. Wissbegierig taucht sie als junge Frau in das Pariser Leben ein. Bei ihren zahlreichen Gesprächen in Cafés und Nachtbars zusammen mit Sartre und anderen Denker:innen und Künstler:innen geht es um nichts weniger als das Leben des Einzelnen.

Der Begriff Existentialismus formt sich und wird zum Leitgedanken einer ganzen Gruppe junger Intellektueller. Hinter dieser philosophischen Ströumung steckt die Idee, des Menschen im Mittelpunkt als freies und selbstbestimmtes Individuum. Fernab von gesellschaftlichen Erwartungen, Religion oder Tradition kann das eigene Leben gestaltet werden. Diese Freiheit wird allerdings als Verpflichtung gesehen, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.

In diesem Sinne gestaltet de Beauvoir ihre eigenen Regeln für ihr Leben: Beziehungen frei von Zwängen, starre Rollenbilder aufbrechen, keine Ehe, keine Kinder, den Fokus auf ihr Schreiben und ihren Aktivismus. Ihre intellektuelle und emotionale Verbindung mit Sartre blieb zwischen all dem über 50 Jahre erhalten.

Ein feministisches Manifest: Das andere Geschlecht

1949 veröffentlicht de Beauvoir ihr bis heute immer wieder zitiertes und viel diskutiertes Buch „Das andere Geschlecht“.

Anfangs hat es mich überhaupt nicht dazu gedrängt, mich jemals besonders mit Problemen des Feminismus zu beschäftigen. Für mich ist es ein Buch, das ich ohne Abneigung, ohne Feindseligkeit geschrieben habe, ich habe bloß versucht, etwas richtigzustellen. Versucht, ein wenig zu systematisieren, versucht, in dem Ganzen etwas Wahres, den wahren Kern, freizulegen, und ebenso wollte ich einen existentialistischen Standpunkt einnehmen, eine singuläre Perspektive auf eine Gesamtheit von Tatsachen. Es ging überhaupt nicht darum, etwas Neues oder Außergewöhnliches oder Erstaunliches zu tun, sondern vielmehr um Richtigkeit.

Die Kernaussage ihres Werks: Der Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht nicht in naturbedingten Gegebenheiten. Der Unterschied zwischen Mann und Frau sei kulturell geformt. Auf fast 900 Seiten untersucht de Beauvoir die Rolle der Frau in der Biologie, in der Geschichte, in der Religion, der Sexualität und der Psychologie.

Drei Jahre arbeitet die Schriftstellerin und Philosophin an diesem Werk. Bis heute hat das 1949 erschienene, sprachlich dicht gewebte Buch kaum an Aktualität eingebüßt. Immerhin steht jede Generation erneut vor der Herausforderung, ihr Leben zu gestalten, und ohne echte Gleichberechtigungen behalten feministische Forderungen ihre aktuelle Dringlichkeit.

„Das andere Geschlecht" liefert theoretische Grundlagen für die bis heute geführten Diskussionen über Feminismus. Es gibt vielen heutigen Wissenschaftler:innen, Autor:innen und Feminist:innen Anreize, über Geschlecht, Freiheit und Selbstwirksamkeit zu diskutieren und Simone de Beauvoirs Ideen aus dem 20. Jahrhundert in die Forderungen und Kontexte des 21. Jahrhunderts zu transferieren.

 

Quellen und Filmtipp

Quellen:


Filmtipp:

  • Der Liebespakt: Simone de Beauvoir und Sartre (Regie: Ilan Duran Cohen)
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Melanie Herber

Melanie Herber hat Medienwissenschaften, Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation in Leipzig und Würzburg studiert. Ihr beruflicher Werdegang ist von verschiedenen Etappen in der Bildungswelt geprägt: Hochschulkommunikation, Bildungsministerium, Bildungsmedienverlag. Sie ist Teil der Redaktion von lernando aus dem Hause Westermann.

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