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Sexting: FĂĽr immer nackt im Internet

Vier Teenager betrachten Inhalte auf einem Smartphone
Entwicklung und Erziehung
© ViewApart - Fotolia.de
von Bettina Levecke

Es ist ein Spiel mit den Reizen und die Suche nach Anerkennung: Viele Jugendliche verschicken per Smartphone Nacktbilder von sich selbst. Doch nicht immer bleiben die Bilder auch vertraulich beim Empfänger. Einmal losgelassen, können die freizĂĽgigen Bilder bis ins Erwachsenenalter fĂĽr Probleme sorgen.

Sexting unter Jugendlichen – Risiken, Folgen und wichtige Schutzmaßnahmen

Ein tragischer Fall aus den USA

Die 13‑jährige Hope aus Florida verliebte sich in einen Jungen aus ihrer Schule. Um ihm zu imponieren, schickte sie ihm ein Foto ihrer nackten Brust. Der Junge reagierte zwar nicht darauf, löschte das Bild aber auch nicht. Als ein anderes Mädchen zufällig an sein Handy gelangte, fand sie das Foto und leitete es weiter. Innerhalb weniger Tage verbreitete sich das Bild an vielen Schulen der Umgebung.
Hope wurde verspottet, beschimpft, bekam Ärger zu Hause und wurde zeitweise vom Unterricht ausgeschlossen. Der Druck wurde für sie so groß, dass sie 2009 keinen Ausweg mehr sah und sich das Leben nahm.


Sexting – kein neues Phänomen, aber heute gefährlicher

Erotische Bilder auszutauschen ist nicht neu. Schon früher haben Paare Fotos geteilt – allerdings auf Film-Negativen, die ausschließlich in privater Hand waren.
Heute entstehen Bilder digital, werden per Smartphone verschickt und können mit einem Klick weltweit weitergegeben werden.

Wichtig:
Wer Bilder über Dienste wie WhatsApp verschickt, gibt oft – ohne es zu bemerken – auch Nutzungsrechte an die Plattform weiter. Kinder und Jugendliche verlieren damit einen Teil der Kontrolle über ihre eigenen Fotos.


Digitale Bilder bleiben oft „für immer“ online

Olivia Förster vom Verein Blickwechsel e.V. berichtet, dass Sexting selbst in Grundschulen Thema ist.
In Workshops erzählen bereits Viertklässler von entsprechenden Erfahrungen: Ein Junge schickte z. B. ein Bild seines Penis an die WhatsApp‑Klasse. Anschließend musste geklärt werden, warum er das tat, ob es ein Spaß war oder der Versuch, Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die Schweizer James‑Studie zeigt:
Rund 6 % der Kinder und Jugendlichen haben bereits erotische Bilder von sich verschickt.


Warum Kinder leichtsinnig handeln

Kinder und Jugendliche wachsen selbstverständlich mit Smartphones auf.
Bilder teilen fühlt sich normal an – und oft als Zeichen von Vertrauen oder Liebe.
Doch vielen ist nicht bewusst:

  • dass Beziehungen zerbrechen können
  • dass Bilder gegen sie verwendet werden können
  • dass Erpressung möglich ist
  • dass Inhalte jahrelang im Internet bleiben
  • dass Nacktbilder die Zukunft schädigen können (z. B. bei Bewerbungen)

Kriminalexperten warnen: Ein einziges Bild kann noch Jahre später auftauchen – bei einem Arbeitgeber, beim Sportverein oder im Freundeskreis.


Wie Eltern vorbeugen können

Eltern sollten ihre Kinder frühzeitig informieren – idealerweise bereits beim ersten Smartphone.
Verbote wirken selten, aber klare Empfehlungen helfen sehr.

5 wichtige Tipps gegen Sexting-Risiken

  1. Nur Bilder verschicken, zu denen man wirklich stehen kann.
    Vor dem Abschicken überlegen: Finde ich mich so wirklich schön?

  2. Gesicht und erkennbare Merkmale vermeiden.
    Keine Tattoos, Muttermale oder ZimmerhintergrĂĽnde zeigen.

  3. Geräte sichern.
    Passwortschutz einrichten, Handy nie offen liegen lassen.

  4. Rat einholen.
    Vor dem Verschicken eine vertraute Person fragen und eine Nacht darĂĽber schlafen.

  5. Niemals unter Druck setzen lassen.
    „Wenn du mich liebst, schick mir ein Bild“ ist keine Liebe.
    Wer droht, ist kein Freund.


Was tun im Notfall?

Schritt 1: Beweise sichern

Screenshots machen:

  • Wer hat das Bild geschickt?
  • Wer hat es weitergeleitet?
  • Wann ist was passiert?

Unerlaubtes Weiterleiten privater Bilder ist verboten und anzeigepflichtig.

Bei Darstellungen von Kindern unter 14 Jahren handelt es sich um strafbare Inhalte, die nicht weitergegeben werden dĂĽrfen.

Schritt 2: Kontakt zu anderen Eltern aufnehmen

Schnelles Handeln kann zumindest verhindern, dass Bilder weiter verbreitet werden.

Schritt 3: Schule einbeziehen

Klassenlehrer oder Schulsozialarbeiter können helfen, klassenweit Maßnahmen abzustimmen.

Schritt 4: Polizei einschalten

Bei strafbarem Verhalten unbedingt Anzeige erstatten.

Aber wichtig:
Selbst nach allen Maßnahmen bleibt ein Restrisiko, dass Bilder wieder auftauchen – digitale Inhalte lassen sich nie hundertprozentig entfernen.


Mehr Infos zum Thema bieten die Internetseiten

Zuletzt geändert am 13.02.2026

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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Bettina Levecke

Bettina Levecke ist freie Journalistin aus der Nähe von Bremen. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesundheit, Familie und Nachhaltigkeit.

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