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Inklusion – gescheitert?

Mädchen liegt auf Tisch und zeichnet
Wissen und Bildung
© philidor - Fotolia.de
von Ulrike Lindner

Vor einigen Jahren mit großem Tamtam an bundesdeutschen Schulen eingeführt, ist von der Inklusion heute noch wenig zu hören. Wenn es das Thema in die Nachrichten schafft, dann meistens mit einem nachdenklichen Unterton. Im Alltag zeigen sich vielerorts vor allem die Schwierigkeiten des Gedankens, der in der UN-Behindertenkonvention von 2006 formuliert worden war. Danach sollen gesunde und behinderte, begabte und entwicklungsverzögerte, lernschwache und verhaltensauffällige Kinder gemeinsam unterrichtet werden.

Lesedauer:
2 min

Inklusion in der Praxis: Chancen und Herausforderungen

Wie so oft zeigen sich die Probleme der Inklusion erst im Alltag. Grundsätzlich sind viele Pädagogen und Eltern darin einig, dass alle Kinder davon profitieren, wenn sie gemeinsam mit unterschiedlichen Leistungsniveaus lernen. In der Praxis jedoch scheitert dieser Ansatz häufig. Ein zentrales Problem ist die finanzielle Ausstattung: Fehlende Mittel erschweren die Umsetzung an vielen Stellen.


Fehlende Ausstattung macht vielen zu schaffen

Besonders kritisch wird es, wenn nicht ausreichend Fachkräfte zur Betreuung von Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine durchgängige Doppelbesetzung in Inklusionsklassen – eine Forderung, die derzeit meist nicht umgesetzt wird. Sonderpädagogen kommen oft nur stundenweise in die Klassen, um Kinder mit Förderbedarf zu unterstützen.

Erziehungswissenschaftler betonen, dass neben der Personaldichte auch gut gemischte Klassen, eine angemessene räumliche Ausstattung, die Ausbildung und kontinuierliche Fortbildung der Lehrkräfte sowie passende pädagogische Konzepte entscheidend für den Erfolg der Inklusion sind. Auch hier gibt es deutlichen Nachholbedarf:

  • Viele Pädagogen fühlen sich überfordert und schlecht vorbereitet

  • Eine Umfrage des Allensbacher Meinungsforschungs-Instituts aus 2013 zeigte, dass drei von vier Lehrkräften sich nicht ausreichend ausgebildet sehen, um Inklusion umzusetzen

  • Viele Lehrkräfte fühlen sich von der Politik allein gelassen


Nachholbedarf bei der Inklusion

Auch Förderschulen mit hochqualifizierten Lehrkräften stehen vor Herausforderungen. Durch die Priorisierung der Inklusion werden Ressourcen anders verteilt:

  • Lehrer werden abgezogen und an Regelschulen eingesetzt

  • Förderschulen werden teilweise geschlossen, ihre Schülerinnen und Schüler in Regelschulen integriert

Fast alle Regelschulen weisen noch erheblichen Nachholbedarf auf, wenn die Inklusion erfolgreich sein soll. Fachleute sind sich einig: Ausreichende Ressourcen sind unerlässlich.

Ob das Modell Inklusion langfristig den gewünschten Erfolg bringt, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen – die Zeitspanne ist zu kurz. Dennoch gilt: Der Prozess ist in Gang gesetzt und lässt sich nicht mehr aufhalten. Trotz aller Schwierigkeiten sehen viele Bildungsforscher, Erziehungswissenschaftler, Politiker und Eltern die Entwicklung insgesamt positiv.


Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

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