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Lese-Rechtschreib-Schwäche - erkennen und fördern

Zwei Kinder und Lehrer beim Schreiben
Wissen und Bildung
© Christian Schwier - Fotolia.de
von Dr. Birgit Ebbert

Laut Klassifizierung der WHO (World Health Organization) über Krankheiten und ähnliche Beeinträchtigungen ist die Lese-Rechtschreib-Schwäche eine Entwicklungsstörung, bei der die Lese- und Rechtschreibfähigkeiten nicht altersgemäß ausgeprägt sind. Diese Störung betrifft je nach Studie und Statistik zwischen 5 und 10 % der Kinder eines Jahrgangs.

Lesedauer:
7 min

LRS – eine Lernschwäche mit Langzeitwirkung

Die Lese‑Rechtschreib‑Schwäche (LRS) ist laut WHO eine Entwicklungsstörung, bei der Lese‑ und Rechtschreibfähigkeiten deutlich unter dem altersgemäßen Niveau liegen. Je nach Studie sind 5–10 % eines Jahrgangs betroffen.

Die Ursachen sind vielfältig:

  • genetische Faktoren
  • verzögerte Hör‑ und Sprachentwicklung
  • Umwelt‑ und Lernerfahrungen
  • fehlende Anregungen

Für das Kind ist nicht entscheidend, warum LRS entsteht – sondern dass sie erkannt und ernst genommen wird. Kapitel 2 beschreibt typische Anzeichen, Kapitel 3 zeigt praktische Hilfen für Schule und Eltern.

Weil Unterstützung von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich gehandhabt wird (z. B. unterschiedliche Regeln zum Übergang aufs Gymnasium), müssen Eltern sich gut informieren und für ihr Kind eintreten.

Wichtig: LRS endet nicht mit dem Schulabschluss. Kapitel 4 beschreibt Hilfen für Erwachsene, Kapitel 5 liefert weiterführende Links und Literatur.


LRS erkennen – typische Anzeichen

Es ist nicht leicht, zwischen „vorübergehenden Problemen“ und einer echten Lese‑Rechtschreib‑Störung zu unterscheiden.
Bei folgenden Symptomen über längere Zeit sollte ein LRS‑Test in Betracht gezogen werden:

  • Schwierigkeiten beim Zusammenziehen von Lauten („m‑a“ statt „ma“)
  • fehlende Wahrnehmung der Wortstruktur (keine Silbentrennung, keine Reimwörter)
  • fehlende Wortgrenzen beim Schreiben
  • Auslassen von Buchstaben („Bsn“ statt „Besen“)
  • Verwechslung spiegelbildlicher Buchstaben (b–d, p–q, a–e, E–3)
  • kein Fortschritt trotz zusätzlicher Übung / Förderunterricht
  • Vermeidung von Lesen und Schreiben auch im Freizeitkontext
  • nach 1,5–2 Jahren Schule:
    • kein altersgerechtes Lesen
    • keine lautgerechte Schreibung
  • einfache Rechtschreibregeln werden nicht umgesetzt („Sp“ statt „Schp“)

Eine Diagnostik sollte sorgfältig erfolgen – nicht jede Einrichtung testet umfassend genug. Eltern dürfen und sollten nachfragen, welche Tests angewendet wurden.

Gängige Testverfahren

  • BAKO
  • DERET
  • DRT
  • ELFE
  • HSP
  • SLRT
  • MRA
  • RST
  • SLS
  • WRT (Weingarten / Westermann)
  • ZLT / ZLVT

Lernschwache Schülerinnen und Schüler begleiten

LRS betrifft nicht nur den Deutschunterricht:
Fehler tauchen überall auf – in E-Mails, Liebesbriefen, Notizen, Präsentationen. Das belastet das Selbstwertgefühl enorm.

Wichtig ist deshalb:

1. Stärken hervorheben

LRS-Kinder brauchen Erfolgserlebnisse – bewusst und regelmäßig.

2. Den Teufelskreis durchbrechen

Negative Erwartungen („Ich kann das sowieso nicht“) verstärken das Problem.

3. Sensibler Umgang mit Fehlern

Hilfreich sind u. a.:

  • Fehler nach Kategorien ordnen → Fortschritte sichtbar machen
  • richtige Wörter zählen statt Fehler zählen
  • in Aufsätzen Rechtschreibung nicht bewerten
  • Entwicklung dokumentieren: Vergleiche des Kindes „mit sich selbst“

4. Nachteilsausgleich

Je nach Bundesland kann der Ausgleich umfassen:

  • Aussetzen der Rechtschreibnote
  • Nichtbewertung der Rechtschreibung in anderen Fächern
  • mehr Zeit für Klassenarbeiten
  • Nutzung von Wörterbuch oder PC

Weil jedes Bundesland eigene Regeln hat, lohnt sich für Eltern ein Blick in die lokalen Erlasse.

5. Außerunterrichtliche Förderung

LRS ist komplex. Schulischer Förderunterricht reicht oft nicht aus.
Hilfreich sind:

  • Lerntherapie
  • individuelle Förderung
  • ggf. Unterstützung über § 35a SGB VIII (Jugendamt)

Eine gute Abstimmung zwischen Lehrkraft, Eltern und Therapeut ist entscheidend.


LRS im Erwachsenenleben

Lese‑Rechtschreib‑Schwierigkeiten verschwinden nicht von allein – sie begleiten viele Menschen auch im Erwachsenenalter.
Sie dürfen jedoch nicht zur Blockade bei der Berufswahl werden.

Hilfsmittel im Alltag:

  • Vorlesefunktionen (Screenreader)
  • Webseiten mit Text‑Vorlese‑Option
  • Rechtschreibprüfung am Computer
  • Autotext / Textbausteine für schwierige Wörter
  • Nachteilsausgleiche im Studium (z. B. Schreiben am PC, Zeitverlängerung)

Universitäten haben unterschiedliche Regelungen – Anlaufstelle:
Beratungsstelle für Studierende mit Behinderungen / Beeinträchtigungen.

Links & Literatur

Links

Literatur

  • Birgit Ebbert:
    Susa, Timo und die Buchstabenverschwörung. Kinderroman zum Thema LRS.
    Arena 2013
  • Birgit Ebbert::
    Rechtschreibförderung bei LRS. Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I.
    Care-Line 2010
  • Marcus Hasselhorn, Wolfgang Schneider, Harald Marx (Hrsg.)::
    Dieagnostik von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Tests und Trends.
    Hogrefe 2000
  • Andreas Mayer::
    Gezielte Förderung bei Lese- und Rechtschreibstörungen.
    Reinhardt 2010
  • Gerd Schulte-Körne::
    Elternratgeber Legasthenie. Frühzeitig erkennen. Optimal fördern.
    Gezielt therapieren.
    Knaur 2014
  • Waldemar von Suchodoletz (Hrsg.)::
    Therapie bei Lese-Rechtschreib-Störung (LRS).
    Traditionelle und alternative Behandlungsmethoden im Überblick.
    Kohlhammer 2003
  • Günther Thomé::
    Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) und Legasthenie:
    Eine grundlegende Einführung.
    Beltz 2004

Zuletzt geändert am 13.02.2026

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Themen:
LRS
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Schwäche
Schule
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.

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