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Wenn Kinder bloggen

ein Kind sitzt vor dem Laptop
Freizeit und Erholung
© junpinzon - Fotolia.de
von Dr. Birgit Ebbert

Heute ist es mit BaukÀsten und frei zugÀnglichen Plattformen leicht möglich, eine eigene PrÀsentation ins Internet zu stellen. Besonders beliebt und millionenfach verbreitet sind dabei Blogs. Kein Wunder, dass auch Kinder neugierig werden und es schon die ersten Blogs von Kindern und Blogprojekte mit Kindern gab.

Lesedauer:
7 min

Weblogs – ein modernes Kommunikationsmedium fĂŒr Kinder und Jugendliche

Webseiten zu erstellen war in den Anfangsjahren des Internets kompliziert und teuer. Heute geht es dank Baukastensystemen und kostenlosen Plattformen schnell und einfach. Besonders beliebt: Blogs (Weblogs) – ursprĂŒnglich Online‑TagebĂŒcher Einzelner, inzwischen Kommunikationsplattformen fĂŒr Unternehmen, Vereine, Fachcommunities und Privatpersonen.

Schon 2011 gab es weltweit ĂŒber 170 Millionen Blogs. Und auch heute stĂ¶ĂŸt jede Internetrecherche fast zwangslĂ€ufig auf einen passenden Blog.
Rund 8 % der Internetnutzer besuchen wöchentlich Blogs – Ă€hnlich viele wie Foto‑Communities oder Online‑Auktionen nutzen.

Kein Wunder, dass auch Kinder neugierig werden. Erste Kinderblogs und gemeinsame Blogprojekte entstanden schon frĂŒh, und heute gehören Blogs, Vlogs und Podcasts zum digitalen Alltag vieler Heranwachsender.

Warum sollten Kinder Blogs kennen?

Es geht nicht darum, dass jedes Kind einen Blog fĂŒhren muss. Wichtig ist:

1. Medienkritik & Einordnung

Kinder sollen erkennen:

  • Blogs spiegeln Meinungen einzelner Personen wider
  • Inhalte mĂŒssen kritisch geprĂŒft werden
  • wie bei allen Medien handelt es sich um gefilterte Wirklichkeit

Diese medienpÀdagogische Kompetenz ist heute wichtiger denn je.

2. Partizipation & Ausdruck

Blogs ermöglichen:

  • eigene Erfahrungen öffentlich zu teilen
  • besondere Interessen zu zeigen
  • Teilhabe an Diskussionen
  • Sichtbarkeit fĂŒr Themen, die anderswo wenig Beachtung finden
  • Austausch mit Gleichaltrigen oder anderen Interessierten

Kinderblogs sind noch nicht weit verbreitet – aber Smartphones, YouTube und Social‑Media‑KanĂ€le fördern generell das BedĂŒrfnis, Inhalte zu erstellen und Erfahrungen zu teilen.

Wie, wo und warum Kinder zu Hause bloggen

Es gibt keinen offiziellen Index fĂŒr Kinderblogs – man muss sie entdecken. Einige Beispiele:

Jompa

Blog ĂŒber seinen Alltag und seinen Kater „Church“
https://jompablogger.wordpress.com
→ Initiiert und begleitet durch den Vater, der selbst Blogger ist.

Mirjam

https://mirjammarx.twoday.net
→ Wollte bloggen, nachdem sie bei einem Blogger etwas veröffentlichen durfte.
→ Schrieb eine Weile aktiv, bis das Interesse nachließ.

Janis (in der Rubrik des Elternblogs)

https://www.family4travel.de – Rubrik „Janis erzĂ€hlt euch was“
→ Idee entstand wĂ€hrend einer Europareise der Familie.

Nordisch Blau

https://www.nordischblau.de
→ Kinder berichten ĂŒber Erlebnisse wĂ€hrend eines Finnland‑Auslandsaufenthalts.

Erkenntnis:
Kinderblogs funktionieren meist gut, wenn sie begleitet werden und es eine Verbindung zur Erwachsenenwelt gibt.

Blogprojekte in Schulen und Institutionen

Eine Referendarin erstellte in einer AG einen Kinderblog – anfĂ€nglich mit großer Begeisterung. Doch ohne ihre fortlaufende Betreuung erlosch das Projekt.
Diese Erfahrungen decken sich mit frĂŒhen Projekten:

1. Zoom Kindermuseum Wien – „Zoomblox“

→ Kinder konnten eigene Blogs erstellen.
→ Probleme: fehlende E‑Mail‑Adressen, geringe Ausdauer, hoher Betreuungsaufwand.
→ Projekt wurde 2010 eingestellt.

2. Studio im Netz – „Kinderspuren im Internet“

http://sin-net.de/projekte/kinderspuren-im-internet/
→ pĂ€dagogisch begleitet, 105 Kinder erstellten eigene Seiten.
→ BeitrĂ€ge konnten eingeschickt werden.
→ Auch hier ließ das Interesse ohne neuen Input nach.

Schulen mit festen Kinderblogs

Astrid‑Lindgren‑Schule Kempen:
https://www.astrid-lindgren-schule-kempen.de/kinderblog
→ Kinder berichten ĂŒber Schulereignisse – produktorientierter Unterricht, Medienbildung & Motivation greifen ineinander.

Erfahrungen zeigen: Kinder brauchen

  • Begleitung
  • Impulse
  • Feedback
  • eine klare Plattformstruktur

Praktische Umsetzung fĂŒr Schulen

Viele Schulwebsites basieren bereits auf einem Content‑Management‑System, mit dem ein Kinderblog leicht integriert werden kann.
Alternativ:

Primolo – Webseitengenerator fĂŒr Kinder

https://www.primolo.de/
→ ermöglicht einfache, sichere Blog‑Erstellung fĂŒr Projekte oder Klassen.

Rechtliches

  • Verantwortlichkeiten klĂ€ren
  • Impressum erforderlich (außer rein privat)
  • Datenschutz beachten
  • Bilderrechte klĂ€ren (keine fremden Bilder ohne Erlaubnis)

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Zuletzt geÀndert am 13.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-PĂ€dagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tĂ€tig. Neben KinderbĂŒchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und BĂŒcher ĂŒber kreatives Arbeiten mit Papier.

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