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Möglichkeiten nach der Schule

Gruppe Jugendlicher schaut in die Kamera
Wissen und Bildung
© damircudic - iStockphoto.com
von Hildegard Dierks

Was will und kann ich einmal werden? Diese Frage nach der beruflichen Zukunft ist für manchen Jugendlichen eine bohrende Frage, die Probleme aufwirft. Work & Travel, Freiwilligendienste oder Au-Pair Aufenthalte stehen hoch im Kurs bei jungen Menschen nach dem Schulabschluss. Es entsteht der Eindruck, dass junge Menschen sich eine Zeit der Nachreifung nehmen nach einer eilig absolvierten Schulzeit.

Lesedauer:
6 min

Berufliche Zukunft: Wenn Jugendliche sich fragen „Was will und kann ich werden?“

Die Frage nach der eigenen beruflichen Zukunft beschäftigt viele Jugendliche – oft intensiver, als Erwachsene wahrnehmen. Schul- und Betriebspraktika, Beratung durch die Agentur für Arbeit sowie Aktionstage wie Girls’ Day oder Boys’ Day sollen Orientierung geben. Nach dem Abschluss entscheiden sich viele für Work & Travel, Freiwilligendienste oder Au‑Pair‑Aufenthalte. Für manche wirkt diese Zeit wie eine bewusste Phase der Nachreifung nach einer rasanten Schulzeit.

Warum fällt die Orientierung so schwer?

Fehlende Klarheit trotz guter Noten

Viele Jugendliche haben keine oder nur vage Vorstellungen davon, welche Ausbildung, welches Studium oder welcher Beruf zu ihnen passt. Das betrifft sowohl eher orientierungslose Schüler*innen als auch sehr reflektierte junge Menschen.

Gründe für Unsicherheiten

  • Entscheidungen müssen auf Basis weniger Erfahrung getroffen werden
  • Praktika geben oft keinen verlässlichen Eindruck, da sie nicht immer gut vorbereitet oder begleitet werden
  • Berufe verändern sich rasant, neue Berufsfelder entstehen
  • Eltern können seltener als früher Orientierung geben, weil traditionelle Berufswege sich stark gewandelt haben

Viele Jugendliche gelangen nach einem Praktikum zu der Erkenntnis: „Dieser Beruf ist nichts für mich“ – doch Alternativen sind oft unklar.

Neue Erwartungen an den Beruf

Neben Einkommen und Prestige zählen heute weitere Aspekte:

  • Work-Life-Balance
  • Lebensqualität am Wohnort
  • attraktive Studien- und Ausbildungsregionen
  • Wunsch nach vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten

Metropolen wirken deutlich reizvoller als ländliche Regionen – selbst wenn dort interessante Ausbildungen angeboten werden.

Jugendliche mit Migrationshintergrund: Besondere Herausforderungen

In großen Städten hat inzwischen etwa ein Drittel aller Schüler*innen einen Migrationshintergrund – Tendenz steigend. Immer mehr von ihnen erreichen das Abitur und beginnen ein Studium. Dennoch zeigt sich:

Schwierigkeiten beim Zugang zur dualen Ausbildung

Jugendliche mit erkennbarem Migrationshintergrund:

  • erhalten seltener Einladungen zu Vorstellungsgesprächen
  • stoßen auf tief verankerte Vorurteile
  • werden aufgrund vermeintlicher Sprachdefizite unterschätzt

Dabei gibt es zahlreiche kostenlose Nachschulungsangebote der Agentur für Arbeit, wenn Sprachprobleme auftreten. Diese Möglichkeiten sind vielen Arbeitgebern nicht ausreichend bekannt.

Risiko sozialer Ausgrenzung

Manche Jugendliche benötigen zusätzliche seelische Unterstützung, um nicht in problematische Milieus abzurutschen.
Schulen allein können diese Aufgabe nicht tragen – auch Familie, soziale Dienste und Vereine sind gefragt.

„Schluss mit der Unübersichtlichkeit“: Wege nach der Schule

Ein Dschungel an Möglichkeiten

Zwischen Schulabschluss und Ausbildung/Studium gibt es ein breites Spektrum an Übergangsformaten:

  • Freiwilliges Soziales/Ökologisches Jahr
  • Auslandsprojekte
  • Au‑Pair
  • Praktika, Volontariate
  • Berufsvorbereitungsmaßnahmen

Diese Vielfalt überfordert viele Jugendliche – und oft auch Eltern oder Lehrkräfte. Nicht jede Maßnahme ist sinnvoll, nicht jede führt zu einer Win‑Win‑Situation. Probleme im Ausland oder in Freiwilligendiensten werden selten offen angesprochen.

Der Ruf nach klarer Begleitung

Lehrkräfte, Eltern und Beratungsstellen müssen jungen Menschen helfen, nicht in Orientierungslosigkeit zu geraten.
Wichtig ist:

  • frühzeitige Berufsorientierung
  • klare Begleitung über längere Zeit
  • realistische Alternativen zur Studienwahl aufzuzeigen
  • Stärkung der beruflichen Ausbildung

Konzept einer Ausbildungsplatzgarantie

Die Bertelsmann Stiftung, neun Bundesländer und die Bundesagentur für Arbeit haben ein Reformmodell entwickelt, das den Übergang zwischen Schule und Beruf transparent machen soll.

Kernideen

  • staatlich garantierter Ausbildungsplatz für alle Jugendlichen
  • Vorrang des dualen Systems, aber alternative staatlich geförderte Ausbildungsplätze, wenn reguläre Plätze fehlen
  • Übergangsmaßnahmen nur für wenige Jugendliche, die wirklich nicht ausbildungsfähig sind
  • langfristige Einsparungen für den Staat durch weniger gescheiterte Bildungswege

Diese Ausbildungsplatzgarantie soll Motivation schaffen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Kommentar: Berufliche Identitätsfindung ist individuell

Die beruflichen Chancen für junge Menschen waren selten so groß wie heute – auch dank des demografischen Wandels. Zugleich bleibt die Orientierung ein hochindividueller Prozess.

Herausforderungen können sein:

  • Migrationshintergrund
  • unpassender Numerus Clausus
  • fehlende Möglichkeiten in Wunschstädten
  • geringe familiäre Unterstützung

Berufsidentität entsteht selten über Nacht. Sie braucht:

  • kontinuierliche Begleitung
  • offenen Austausch
  • professionelle Unterstützung (z. B. Arbeitsagentur, Schulsozialarbeit)
  • Akzeptanz des Prinzips Lebenslanges Lernen

Heute ist keine Entscheidung endgültig – berufliche Neuanfänge sind normal und möglich.

Linktipps:

Bundesagentur für Arbeit
www.arbeitsagentur.de

Beispiel Bundesfreiwilligendienst
www.bundesfreiwilligendienst.de

Portal des Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen - Thema Übergang Schule - Beruf
www.keinabschlussohneanschluss.nrw.de

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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