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Wie wichtig sind Sekundärtugenden in der Schule?

Lehrerin mit streng erhobenem Zeigefinger
Entwicklung und Erziehung
© Picture-Factory - Fotolia.de
von Hildegard Dierks

Fleiß, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Gehorsam, Treue und Zuverlässigkeit sind bekannte wichtige traditionelle Sekundärtugenden. Haben sie heute ausgedient? Nein, haben sie nicht. Das steht fest. Werden sie überhaupt in einer nennenswerten Weise vernachlässigt oder ist das nur eine falsche Wahrnehmung? Wo und wie kann die Erziehung zu Sekundärtugenden heute stattfinden? Was ist im Zusammenhang mit den Sekundärtugenden kritisch anzumerken?

Lesedauer:
5 min

Förderung von Sekundärtugenden in der Schule

Eine Berliner Grundschule in einem sozialen Brennpunkt hat ein besonderes Profil: Hier liegt der Fokus nicht nur auf schulischen Leistungen, sondern auch auf guten Manieren, Pünktlichkeit, Höflichkeit und Sauberkeit – den sogenannten Sekundärtugenden. Eltern, die ihre Kinder an dieser Schule anmelden, unterstützen die Schule aktiv bei dieser wichtigen Aufgabe.

Schulen, die Sekundärtugenden fördern, sind in den Medien zunehmend präsent und gelten als besonders. Der Bedarf ist groß – nicht nur in Schulen, sondern auch in Unternehmen. So forderte beispielsweise die Deutsche Bank ihre Investmentbanker dazu auf, eine niveauvolle Sprache zu verwenden, um Professionalität zu wahren.


Sekundärtugenden im Wandel

Früher bedeutete gehorsam zu sein, Regeln zu befolgen und Autoritäten zu respektieren. Heute müssen Kinder in einer demokratischen Gesellschaft zusätzlich lernen, Regeln zu verstehen, anzuerkennen und auch selbst zu formulieren, wenn sie notwendig sind.

Sekundärtugenden entwickeln sich Schritt für Schritt: Kinder brauchen zunächst klare Vorgaben von Eltern und Lehrern, bevor sie lernen, schwierige Situationen eigenständig zu lösen.


Schulordnungen als Leitfaden für Sekundärtugenden

Die Vermittlung von Sekundärtugenden ist eine gemeinsame Aufgabe von Eltern und Lehrern. Eltern dürfen ihre Erziehungsverantwortung nicht vernachlässigen, und Schulen sollten diesen Auftrag nicht als Belastung ablehnen.

  • Zeit und Vorbildfunktion sind entscheidend: Erwachsene sollten selbst pünktlich und respektvoll handeln, um diese Werte vorzuleben.

  • Ganztagsschulen bieten besondere Chancen: Kinder verbringen hier einen Großteil des Tages in der Schule, wodurch Regeln und Werte im Alltag erlebbar werden.

  • Schulordnungen helfen, klare Regeln zu kommunizieren – z. B. Verhalten auf Toiletten, Schulhof oder beim gemeinsamen Mittagessen.


Kopfnoten und Bewertung von Sekundärtugenden

Arbeits- und Sozialverhalten von Schülern kann in Kopfnoten, Wortgutachten oder Ankreuzzeugnissen dokumentiert werden. Besonders engagierte Schüler, die Pünktlichkeit und Regelbewusstsein zeigen, haben oft bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sekundärtugenden wie Höflichkeit, Zuverlässigkeit und Fairness bleiben in vielen Berufsgruppen relevant, auch wenn sie in Vergleichsarbeiten nicht abgefragt werden.


Benimmunterricht, Streitschlichterprogramme und Sport

Sekundärtugenden lassen sich auf vielfältige Weise vermitteln:

  • Benimmunterricht: Rollenspiele oder AGs zu Tischsitten und Alltagsverhalten.

  • Streitschlichter- und Antimobbingprogramme: Förderung von Konfliktlösung, Fairness und Gemeinschaftssinn.

  • Mannschaftssport: Training von Fairness, Durchhaltevermögen und Teamgeist.

Diese Methoden machen die Vermittlung von Tugenden praxisnah und erlebbar.


Kommentar: Moderne Perspektiven auf Sekundärtugenden

Das Wort „Tugend“ wirkt für viele altmodisch, doch moderne Pädagogik spricht von Sozialverhalten, Wertevermittlung oder emotionaler Intelligenz. Zwar fehlt im Schulalltag manchmal die Zeit, aber der Erziehungsauftrag bleibt bestehen.

Sekundärtugenden verbessern das Miteinander in Schule und Unterricht. Schüler zeigen sie am zuverlässigsten, wenn es um Themen geht, die ihnen wichtig sind. Extremistische Formen von Tugendwahn, etwa durch Internetpranger oder Kampagnenjournalismus, haben in Schulen nichts zu suchen.

Buch- und Linktipps

Linktipp:

Buchtipps:

  • Eiko Jürgens Werte-Erziehung: Einführung in die wichtigsten Konzepte der Werteerziehung (Beltz Pädagogik / BildungsWissen Lehramt). Beltz Verlag 2005
  • Shima Poostchi Tugendkarten für Kinder: 52 Tugenden für Kinder. Shira Publishing 2012

Zuletzt geändert am 11.02.2026

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Themen:
Tugenden
Manieren
Knigge
Schule
Verhalten
Miteinander
Gesellschaft
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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