Zahnspange - ĂŒberflĂŒssig oder unverzichtbar?
Zahnspange - ĂŒberflĂŒssig oder unverzichtbar?
Ob Top-Modell, Pop-Diva oder Schauspieler aus Hollywood - Prominente machen vor, wie ein Gebiss auszusehen hat. Strahlend weiĂ und selbstverstĂ€ndlich gerade. Ăber ein derartig perfektes Gebiss, bei dem die ZĂ€hne von Ober- und Unterkiefer genau aufeinander stehen, kann sich aber nur etwa jeder zwanzigste Mensch freuen. Bei allen anderen helfen KieferorthopĂ€den nach.
KieferorthopÀdie bei Kindern: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Fast jedes Kind besucht frĂŒher oder spĂ€ter eine kieferorthopĂ€dische Praxis â sei es auf Empfehlung des Zahnarztes oder weil Eltern prĂŒfen möchten, ob die bleibenden ZĂ€hne korrekt stehen. Wann der erste Termin sinnvoll ist, darĂŒber gehen die Meinungen auseinander. Entscheidend ist die Art der Fehlstellung:
-
Schiefe ZĂ€hne oder Kieferfehlstellungen, die z.âŻB. durch Daumenlutschen oder ĂŒbermĂ€Ăigen Schnullergebrauch entstehen, lassen sich bereits im Kindergarten oder zu Beginn der Grundschulzeit (sechs bis sieben Jahre) korrigieren.
-
GerĂ€te wie eine Mundhofvorplatte, verschrieben vom Zahnarzt, können frĂŒhzeitig eingesetzt werden, um spĂ€tere, langwierige Behandlungen zu vermeiden.
GrundsĂ€tzlich empfehlen viele Experten, Kinder kurz vor dem Wachstumsspurt (bei MĂ€dchen ca. 11 Jahre, bei Jungen ca. 12 Jahre) erstmals beim KieferorthopĂ€den vorzustellen â vorausgesetzt, es besteht der Eindruck einer Fehlstellung. In diesem Alter sind die meisten bleibenden ZĂ€hne durchgebrochen, Fehlstellungen lassen sich gut erkennen und behandeln.
Die hÀufigsten Fehlstellungen
Schiefe ZĂ€hne sind nicht nur ein Ă€sthetisches Problem: Sie erschweren die Zahnpflege und können zu Karies, Parodontitis oder Kiefergelenkserkrankungen fĂŒhren. Die hĂ€ufigsten Fehlstellungen sind:
-
Engstand: Die ZĂ€hne stehen schief oder kreuz und quer nebeneinander, weil im Kiefer zu wenig Platz fĂŒr die durchbrechenden ZĂ€hne vorhanden ist.
-
Ăberbiss: Die oberen SchneidezĂ€hne stehen vor den unteren, meist weil der Oberkiefer im VerhĂ€ltnis zu groĂ ist.
-
Vorbiss: Die unteren SchneidezÀhne ragen weiter nach vorn, sodass die unteren ZÀhne vor den oberen stehen.
-
Offener Biss: Die FrontzĂ€hne treffen beim ZusammenbeiĂen nicht aufeinander; Ursache kann z.âŻB. langes Daumen- oder Schnullerlutschen sein.
-
Kreuzbiss: Der Oberkiefer ist schmaler als der Unterkiefer, sodass einzelne UnterkieferzÀhne vor die OberkieferzÀhne treten.
Fehlstellungen können einzeln oder in Kombination auftreten.
KostenĂŒbernahme durch die Krankenkasse
Die gesetzliche Krankenkasse ĂŒbernimmt die Behandlung abhĂ€ngig vom Schweregrad der Fehlstellung. Dieser wird vom KieferorthopĂ€den anhand eines Zahlensystems von 0 (keine Fehlstellung) bis 5 (schwer) bewertet.
-
Ab Stufe 3 und bei Beginn der Behandlung vor dem 18. Geburtstag ĂŒbernimmt die Kasse die Kosten.
-
Beim ersten Kind werden zunĂ€chst 80âŻ% der Kosten ĂŒbernommen, beim zweiten Kind 90âŻ%.
-
Der verbleibende Eigenanteil wird erstattet, wenn die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.
Da kieferorthopĂ€dische Behandlungen oft mehrere Jahre dauern und mehrere tausend Euro kosten, ist es wichtig, die KostenĂŒbernahme vorab zu klĂ€ren. Im Schnitt dauert eine Behandlung zwei bis drei Jahre. Kleinere Fehlstellungen, die nicht von der Kasse ĂŒbernommen werden, erfordern meist weniger Zeit. Im Zweifelsfall kann eine zweite Meinung eines anderen KieferorthopĂ€den sinnvoll sein.
Welche Spange ist die richtige?
Die Art der Zahnspange hÀngt von der Fehlstellung und dem Alter des Kindes ab:
-
Feste Spangen (Brackets) sind besonders verbreitet. Sie bewegen ZĂ€hne samt Wurzel, z.âŻB. bei Engstand, Drehungen oder LĂŒcken. Vorteil: Sie können nicht verloren gehen, Diskussionen ĂŒber das Tragen entfallen, die Behandlung dauert kĂŒrzer und die Ergebnisse sind meist besser.
-
Moderne Brackets bestehen aus kleinen PlĂ€ttchen auf jedem Zahn, die durch einen flexiblen Draht verbunden sind. Der Draht wird im Verlauf mehrfach ausgetauscht, bis das gewĂŒnschte Ergebnis erreicht ist.
-
AnschlieĂend ist meist eine lose Spange (Stabilisierungsspange oder Retainer) nötig, um zu verhindern, dass die ZĂ€hne zurĂŒckwandern. Hier ist Disziplin entscheidend, damit die korrigierten ZĂ€hne dauerhaft an Ort und Stelle bleiben.
Zuletzt geÀndert am 17.02.2026
Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der KĂŒnste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.