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Zahnspange - ĂŒberflĂŒssig oder unverzichtbar?

MÀdchen mit Zahnspange lÀchelt
Wissen und Bildung
© karelnoppe - Fotolia.de
von Ulrike Lindner

Ob Top-Modell, Pop-Diva oder Schauspieler aus Hollywood - Prominente machen vor, wie ein Gebiss auszusehen hat. Strahlend weiß und selbstverstĂ€ndlich gerade. Über ein derartig perfektes Gebiss, bei dem die ZĂ€hne von Ober- und Unterkiefer genau aufeinander stehen, kann sich aber nur etwa jeder zwanzigste Mensch freuen. Bei allen anderen helfen KieferorthopĂ€den nach.

Lesedauer:
3 min

KieferorthopÀdie bei Kindern: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Fast jedes Kind besucht frĂŒher oder spĂ€ter eine kieferorthopĂ€dische Praxis – sei es auf Empfehlung des Zahnarztes oder weil Eltern prĂŒfen möchten, ob die bleibenden ZĂ€hne korrekt stehen. Wann der erste Termin sinnvoll ist, darĂŒber gehen die Meinungen auseinander. Entscheidend ist die Art der Fehlstellung:

  • Schiefe ZĂ€hne oder Kieferfehlstellungen, die z. B. durch Daumenlutschen oder ĂŒbermĂ€ĂŸigen Schnullergebrauch entstehen, lassen sich bereits im Kindergarten oder zu Beginn der Grundschulzeit (sechs bis sieben Jahre) korrigieren.

  • GerĂ€te wie eine Mundhofvorplatte, verschrieben vom Zahnarzt, können frĂŒhzeitig eingesetzt werden, um spĂ€tere, langwierige Behandlungen zu vermeiden.

GrundsĂ€tzlich empfehlen viele Experten, Kinder kurz vor dem Wachstumsspurt (bei MĂ€dchen ca. 11 Jahre, bei Jungen ca. 12 Jahre) erstmals beim KieferorthopĂ€den vorzustellen – vorausgesetzt, es besteht der Eindruck einer Fehlstellung. In diesem Alter sind die meisten bleibenden ZĂ€hne durchgebrochen, Fehlstellungen lassen sich gut erkennen und behandeln.

Die hÀufigsten Fehlstellungen

Schiefe ZĂ€hne sind nicht nur ein Ă€sthetisches Problem: Sie erschweren die Zahnpflege und können zu Karies, Parodontitis oder Kiefergelenkserkrankungen fĂŒhren. Die hĂ€ufigsten Fehlstellungen sind:

  • Engstand: Die ZĂ€hne stehen schief oder kreuz und quer nebeneinander, weil im Kiefer zu wenig Platz fĂŒr die durchbrechenden ZĂ€hne vorhanden ist.

  • Überbiss: Die oberen SchneidezĂ€hne stehen vor den unteren, meist weil der Oberkiefer im VerhĂ€ltnis zu groß ist.

  • Vorbiss: Die unteren SchneidezĂ€hne ragen weiter nach vorn, sodass die unteren ZĂ€hne vor den oberen stehen.

  • Offener Biss: Die FrontzĂ€hne treffen beim Zusammenbeißen nicht aufeinander; Ursache kann z. B. langes Daumen- oder Schnullerlutschen sein.

  • Kreuzbiss: Der Oberkiefer ist schmaler als der Unterkiefer, sodass einzelne UnterkieferzĂ€hne vor die OberkieferzĂ€hne treten.

Fehlstellungen können einzeln oder in Kombination auftreten.

KostenĂŒbernahme durch die Krankenkasse

Die gesetzliche Krankenkasse ĂŒbernimmt die Behandlung abhĂ€ngig vom Schweregrad der Fehlstellung. Dieser wird vom KieferorthopĂ€den anhand eines Zahlensystems von 0 (keine Fehlstellung) bis 5 (schwer) bewertet.

  • Ab Stufe 3 und bei Beginn der Behandlung vor dem 18. Geburtstag ĂŒbernimmt die Kasse die Kosten.

  • Beim ersten Kind werden zunĂ€chst 80 % der Kosten ĂŒbernommen, beim zweiten Kind 90 %.

  • Der verbleibende Eigenanteil wird erstattet, wenn die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.

Da kieferorthopĂ€dische Behandlungen oft mehrere Jahre dauern und mehrere tausend Euro kosten, ist es wichtig, die KostenĂŒbernahme vorab zu klĂ€ren. Im Schnitt dauert eine Behandlung zwei bis drei Jahre. Kleinere Fehlstellungen, die nicht von der Kasse ĂŒbernommen werden, erfordern meist weniger Zeit. Im Zweifelsfall kann eine zweite Meinung eines anderen KieferorthopĂ€den sinnvoll sein.

Welche Spange ist die richtige?

Die Art der Zahnspange hÀngt von der Fehlstellung und dem Alter des Kindes ab:

  • Feste Spangen (Brackets) sind besonders verbreitet. Sie bewegen ZĂ€hne samt Wurzel, z. B. bei Engstand, Drehungen oder LĂŒcken. Vorteil: Sie können nicht verloren gehen, Diskussionen ĂŒber das Tragen entfallen, die Behandlung dauert kĂŒrzer und die Ergebnisse sind meist besser.

  • Moderne Brackets bestehen aus kleinen PlĂ€ttchen auf jedem Zahn, die durch einen flexiblen Draht verbunden sind. Der Draht wird im Verlauf mehrfach ausgetauscht, bis das gewĂŒnschte Ergebnis erreicht ist.

  • Anschließend ist meist eine lose Spange (Stabilisierungsspange oder Retainer) nötig, um zu verhindern, dass die ZĂ€hne zurĂŒckwandern. Hier ist Disziplin entscheidend, damit die korrigierten ZĂ€hne dauerhaft an Ort und Stelle bleiben.

Zuletzt geÀndert am 17.02.2026

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Themen:
Zahnspange
Zahnarzt
KieferorthopÀde
ZĂ€hne
Brackets
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der KĂŒnste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

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