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Eingreifen oder wegsehen? - Wenn Kinder streiten

Foto von streitenden Kindern
Entwicklung und Erziehung
© photophonie - Fotolia.com
von Ulrike Lindner

"Das ist meins, gib das her", brüllt Lisa ihren dreijährigen Bruder an, der sich gerade das Kissen geschnappt hat, das seine ältere Schwester am liebsten mag. Aber der Jüngere macht keine Anstalten nachzugeben... Aber der Jüngere macht keine Anstalten nachzugeben, sondern umklammert das Streitobjekt nur noch fester. Innerhalb von Sekunden wird so aus einem friedlichen gemeinsamen Fernsehnachmittag ein heftiger Streit - Alltag in vielen Familien.

Lesedauer:
2 min

Streit unter Kindern: Warum Konflikte wichtig sind

Für Eltern ist es oft schwer auszuhalten: Geschrei, Tränen und Aufeinanderlosgehen sorgen für Lautstärke und Anspannung, sodass auch die Nerven der Erwachsenen schnell blank liegen. Kein Wunder, dass viele sofort eingreifen wollen, um mit einem elterlichen Machtwort für Ruhe zu sorgen. Experten raten jedoch dazu, zunächst abzuwarten. Kinder sollten die Gelegenheit erhalten, ihre Konflikte selbst zu lösen. Nur wenn Gewalt im Spiel ist oder die Kleinen ihre Auseinandersetzungen offensichtlich nicht bewältigen, ist eine sorgfältig dosierte elterliche Unterstützung sinnvoll.

Streit ist wichtig für die Entwicklung

So nervenaufreibend Streit unter Geschwistern sein kann – für die Entwicklung ist er unverzichtbar. Kinder lernen im Konflikt, sich in sozialen Gruppen zurechtzufinden.

Kleine Kinder können ihre Emotionen noch nicht gut kontrollieren und fehlen oft die Worte, um Bedürfnisse auszudrücken. Deshalb greifen sie zu den bekannten Mitteln: Schubsen, Schreien oder Hauen. Das bedeutet nicht, dass Kinder aggressiv oder „böse“ sind. Im Streit lernen sie vielmehr, sich durchzusetzen und ihre Bedürfnisse zu vertreten.

Beispielhafte Lerninhalte beim Streiten:

  • Abgrenzung von anderen

  • Vertreten des eigenen Standpunkts

  • Klärung von Besitzverhältnissen

  • Ausloten des Status innerhalb einer Gruppe

  • Kräfte messen

  • Aufmerksamkeit erlangen

Eltern tun sich oft schwerer als ihre Kinder und greifen deshalb zu früh ein. Das Ergebnis: Beide Streithähne fühlen sich benachteiligt, und keiner kann seinen Standpunkt wirklich durchsetzen.

Was Eltern tun können

Eltern sollten sich möglichst lange aus dem Streit heraushalten und idealerweise sogar aus dem Sichtbereich der Kinder verschwinden. Beobachtet werden Kinder oft lauter und heftiger, um die Erwachsenen auf ihre Seite zu ziehen.

Nur bei grobem Verhalten ist Eingreifen nötig:

  • Schlagen oder Beißen ist nicht erlaubt – dies klar und konsequent kommunizieren

  • Keine Partei ergreifen – neutral bleiben

  • Streitregeln besprechen, sobald die Kinder alt genug sind, sie zu verstehen

Eltern sollten außerdem ihren eigenen Anteil am Streit reflektieren. Kinder nutzen Konflikte oft, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Wer bemerkt, dass Streiten die einzige Möglichkeit ist, elterliche Aufmerksamkeit zu bekommen, kann bewusst andere gemeinsame Aktivitäten suchen.

Einzelkinder brauchen Konflikterfahrungen

Auch Einzelkinder profitieren von Auseinandersetzungen. Ohne Erfahrung im Streit mit Gleichaltrigen stoßen sie in Kita oder Grundschule schnell an Grenzen. Regelmäßige Spielkontakte oder Krippenbesuche helfen, soziale Fähigkeiten zu trainieren.

Selbst innerhalb der Familie lernen Einzelkinder Konflikte, wenn Eltern nicht immer sofort nachgeben und Verständnis zeigen. Streiten gehört zum sozialen Lernen – und Eltern sollten dabei möglichst zurückhaltend agieren.

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Streiten
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

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