Betten machen und Brote schmieren: Wie werden Kinder selbständig?
Betten machen und Brote schmieren: Wie werden Kinder selbständig?
Die Suppe auf dem Herd warm machen? Klappt! Selbst was kochen? Keine Ahnung! Ob Geschirrspüler bedienen oder Fenster putzen: So mancher Jugendlicher ist in Haushaltsdingen komplett überfordert. Experten raten zu frühzeitiger Förderung.
Selbstständigkeit bei Kindern und Jugendlichen – warum sie so wichtig ist
Auf Klassenfahrten das Bett selbst beziehen, nach einem langen Tag eine warme Mahlzeit zubereiten oder die Schuhe putzen – müssen Jugendliche das können?
„Eindeutig ja“, sagt Klaus Wolf, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Siegen.
Denn: Alltagskompetenz gehört zum Erwachsenwerden.
Eltern, die ihren Kindern solche Lernerfahrungen abnehmen, halten sie unbewusst in einer Abhängigkeit, die später zu Unsicherheiten führen kann.
Der natürliche Drang zur Selbstständigkeit
Schon kleine Kinder zeigen ein starkes BedĂĽrfnis, Dinge selbst zu tun:
- tragen helfen
- den Tisch decken
- Wäsche von der Leine nehmen
- staubsaugen oder mithelfen
Professor Wolf empfiehlt daher:
Kinder immer dann ausprobieren lassen, wenn sie Interesse zeigen – auch wenn das Ergebnis zunächst nicht perfekt ist.
Jedes Kind ist anders
Der häufig geäußerte Wunsch nach Listen („Ab vier können Kinder X…“) ist laut Experten nicht sinnvoll.
Diplom-Psychologin Helga GĂĽrtler betont:
Kinder sollten entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten und ihres Entwicklungsstandes gefördert werden.
Hilfreiche Signale können sein:
- Möchte sich das Kind die Hände selbst waschen?
- Will es beim Backen helfen?
- Möchte es sein Brot alleine schmieren?
Eltern sollten das zulassen – auch wenn Hände nicht perfekt sauber werden oder das Brot zu dick bestrichen ist.
Wer lernen soll, braucht die Chance, Fehler zu machen.
Eltern brauchen Geduld
NatĂĽrlich kostet es Zeit und Nerven, Kinder selbst probieren zu lassen.
Doch der Aufwand lohnt:
Mit jeder Wiederholung werden Kinder schneller, geschickter und sicherer.
Anreize zur Selbstständigkeit schaffen
Ulrich Gerth von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung empfiehlt Eltern, Kindern eigene Übungsräume zu geben:
- eine Schublade oder einen eigenen KĂĽchenschrank
- kleine Aufgaben beim Putzen (z. B. „Wischeimer“ für Kinder)
- Gemüse schneiden, Tisch decken, Zimmer aufräumen
Kinder lernen so spielerisch, Verantwortung zu ĂĽbernehmen.
Teenager – Motivation statt Druck
Während jüngere Kinder freiwillig mithelfen, wird es im Jugendalter komplizierter.
Viele Teenager haben schlicht „keinen Bock“ auf Hausarbeit.
Erziehungsratgeber Gerth rät:
- Den Sinn erklären: „Wir brauchen dich, deine Hilfe ist wichtig.“
- Klar kommunizieren, dass Aufgaben sonst von jemand anderem ĂĽbernommen werden mĂĽssen.
- Verantwortungsgefühl stärken – Jugendliche, die regelmäßig mithelfen, entwickeln häufig ein besseres Verständnis für Gemeinschaft.
Wenn Jugendliche „zwei linke Hände“ haben
Ist die Selbstständigkeits-Erziehung verpasst worden oder war das Kind lange zu bequem, sollte man ermutigen statt kritisieren.
Hilfreich:
- Motivation durch Alltagssituationen: „Wäre es nicht toll, der Freundin etwas Selbstgekochtes zu servieren?“
- Fähigkeiten vermitteln, die im Lebensalltag wichtig sind:
- Kochen
- Wäsche waschen
- mit Flecken umgehen
- kleine Reparaturen
Eltern können als Coach auftreten – nicht als Kontrolleur.
Wenn auch das nicht fruchtet, gilt:
Gelassen bleiben!
Professor Wolf beruhigt:
„Jugendliche finden ihren Weg. Spätestens in der WG lernen sie, wie man eine Waschmaschine bedient – dort bleibt ihnen gar nichts anderes übrig.“
Zuletzt geändert am 13.02.2026
Bettina Levecke ist freie Journalistin aus der Nähe von Bremen. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesundheit, Familie und Nachhaltigkeit.