Typisch Mädchen, typisch Junge
Typisch Mädchen, typisch Junge
Auch wenn wir heute im Jahr 2016 leben bekommen Jungen eher ein Auto geschenkt und Mädchen den rosa Teddybären. Niemand käme auf die Idee, einem Jungen einen rosa Bären in die Hand zu drücken. Spielen Jungen eher mit Mädchen statt mit Jungen im Kindergarten und lehnen dann auch noch in der Grundschule das klassische Fußballspiel ab, so wird oft unter den anderen Eltern schon ein wenig getuschelt.
Rollenbilder von Mädchen und Jungen – früher und heute
Kleidung und Erwartungen in den 70er‑Jahren
In den 1970er‑Jahren kleideten sich Mädchen und Jungen nahezu gleich. Röcke und Kleider waren im Alltag selten, und Mädchen galten als „cool“, wenn sie sich wie Jungen verhielten: kräftig zupacken, schnell rennen, logisch denken. Auch bei Spielzeug gab es eine klare Trennung zwischen Puppen und „Jungenspielzeug“ – wobei viele Mädchen Letzteres bevorzugten.
Der Wandel: Rosa Trend und klare Zuordnung
Mit der Zeit änderte sich vieles. Plötzlich gab es typische „Mädchensachen“ – Rosa wurde Trendfarbe und schon an der Kleidung ließ sich erkennen, ob ein Baby ein Junge oder ein Mädchen war. Die früher übliche neutrale Farbwelt verschwand.
Eltern stehen heute oft vor der Frage, wie sie klassische Rollenbilder aufbrechen können, ohne Jungen oder Mädchen in Richtungen zu drängen, die ihnen nicht entsprechen.
Unterschiede im Alltag von Jungen und Mädchen
Kleidung und äußeres Erscheinungsbild
Einige Unterschiede zeigen sich früh und sind teilweise durch Veranlagung geprägt:
- Mädchen legen meist schon sehr früh Wert auf ihre Kleidung und ihr Aussehen. Viele räumen vor dem 3. Lebensjahr begeistert ihren Kleiderschrank um – und auch die Schränke der Eltern oder Geschwister bleiben nicht verschont.
- Jungen möchten oft einfach nur etwas finden, das passt und nicht stört. Das Bedürfnis nach bewusstem „Gut‑Aussehen“ entsteht häufig erst später – und wenn ein Kleidungsstück einmal beliebt war, soll es gern noch Jahre taugen.
Schreiben, Sprache und Logik
In der Schule zeigen sich oft ähnliche Muster:
- Mädchen schreiben ordentlicher, führen ihre Hefte sauberer und verfassen lange Texte.
- Jungen drücken sich oft knapper und präziser aus. In Fächern, die logisches Denken erfordern – beispielsweise Mathematik – sind sie manchmal trotz weniger Sorgfalt einen kleinen Schritt voraus.
Umgang mit Konflikten
Auch Konfliktverhalten unterscheidet sich häufig:
- Jungen werden schneller laut, raufen, tragen ihre Auseinandersetzungen körperlich aus – und vertragen sich ebenso schnell wieder.
- Mädchen streiten oft leiser, „zicken“ sich an und ziehen solche Konflikte manchmal über längere Zeit.
Berufswünsche nach der Pubertät
Wenn Jugendliche ihre berufliche Zukunft planen, zeigt sich ein traditionelles Muster:
- Mädchen orientieren sich häufig an sozialen, medizinischen oder dienstleistungsorientierten Berufen.
- Jungen wählen eher technische Berufe – mit oder ohne Studium.
Diese Tendenzen sind typisch, aber keineswegs zwingend.
Was Eltern tun können
Vorleben statt predigen
Eltern spielen eine entscheidende Rolle. Sie können ihren Kindern zeigen, dass es viele verschiedene Lebens‑ und Rollenmodelle gibt. Offene und tolerante Haltung entsteht durch Vorbilder:
- Aufgaben im Haushalt gemeinsam teilen – unabhängig vom Geschlecht
- zeigen, dass sowohl Vater als auch Mutter kochen, putzen, Wäsche pflegen oder handwerkliche Dinge erledigen können
- vermitteln, dass Interessen und Fähigkeiten nicht an Geschlechtergrenzen gebunden sind
Kinder ĂĽbernehmen, was sie sehen. Wird ihnen vorgelebt, dass Rollen flexibel sind, verinnerlichen sie diese Offenheit automatisch.
Biologie und Grenzen
Rollenbilder werden nie vollständig verschwinden – biologische Unterschiede spielen eine Rolle. Aber die Grenzen können sich verschieben, und Kinder müssen sich nicht festlegen – es sei denn, sie wollen es.
Zuletzt geändert am 11.02.2026
Manon Sander ist Mutter von 6 Kindern und auĂźerdem Autorin fĂĽr Fach- und KinderbĂĽcher.