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Die Walpurgisnacht - Heimlich und unheimlich?

Foto einer geschnitzten Hexenmaske
Wissen und Bildung
© Angelika Bentin - Fotolia.de
von Jörg Sauer

Das traditionelle, teils geheimnisvolle Fest am 30. April steckt voller mystischer Erzählungen und historischen Hintergründen. Eltern, die zusammen mit ihren Kindern bereits feiern oder erstmals an einer Feierlichkeit teilnehmen wollen, erfahren hier wissenswerte Hintergründe und Ideen für zuhause.

Lesedauer:
4 min

Ursprung des Namens

Die Namenspatronin dieses Festes ist die Heilige Walburga. Sie wurde vermutlich 710 im südenglischen Wessex geboren und verstarb wahrscheinlich im Jahre 779 in Heidenheim.

Walburga überquerte als Missionarin den Ärmelkanal und wanderte bis in den süddeutschen Raum. 761 übernahm sie als Äbtissin das Männerkloster von ihrem Bruder Wunibald. Später kam noch ein Frauenkloster dazu. Die Leitung des mächtigen Doppelklosters machte sie zu einer der bedeutendsten Frauen im christlich geprägten Europa. Von ihr sind so genannte "Wundertaten" und rasche Heilungen von Kranken überliefert. Daher trägt sie den Titel der Schutzheiligen gegen Krankheiten und Seuchen, Tollwut, Hungersnot und Missernte. Sie wird auch als Patronin der Kranken und der Wöchnerinnen sowie der Bauern beschrieben. Papst Hadrian sprach sie am 1. Mai 870 heilig.

Die Wurzeln des Festes

Eine inhaltliche Verbindung zwischen der Walpurgisnacht und der Namensgeberin dieses Festes kann nur über die besonderen "Wundertaten" hergestellt werden. Ihr Leben stand in keinerlei Zusammenhang zu den das Fest dominierenden Hexen und dem Teufel. Es hat daher keinen christlichen Charakter.

Die Ursprünge gehen bis weit in das Zeitalter der Germanen zurück. An diesem Tag wurde der Freude über das Ende des Winters Ausdruck verliehen. Mit besonderen Verkleidungen und Tänzen um das Feuer hoffte man, die bösen Geister zu vertreiben, um ein gesundes und glückliches Jahr zu verleben.

Besondere Stätten

Besonders das nördlichste deutsche Mittelgebirge, der Harz, gilt als das Zentrum der Walpurgisnachtfeste. Zahlreiche Geschichten ranken sich rings um diese besondere Nacht.

So erzählt die Sage vom Treffen aller Hexen auf dem gleichnamigen Platz hoch über Thale. Von diesem aus fliegen sie mit verschiedensten Flugobjekten (u. a. Mistgabeln und Besen) zum höchstem Berg, dem 1.141 m hohen Brocken. Hier findet dann das eigentliche Fest statt, auf welchem die Hexen in Anwesenheit des Teufels um das Feuer herum tanzen. Der häufig beschriebene Blocksberg existiert in der Realität so nicht. Er gilt als das örtliche Synonym für das Fest der Hexenfeier.

Entwicklung der Bräuche

Keltische und germanische Zeit

Keltische und germanische Stämme feierten mit Freudenfeuern die Wiederkehr des Frühlings, das Erwachen des vollen Lebens nach grauen und trüben Wintertagen.
So galt der erste Mai als einer der bedeutendsten religiösen Tage im Jahreskreis der Kelten. Sie stellten Fragen zu den zu erwartenden Ereignissen im kommenden Jahr an ihre "weisen Frauen", die nach Überlieferungen einen Kontakt zwischen der Menschen- und Geisterwelt herstellen konnten.

Nach der Christianisierung galten die "weisen Frauen" als Hexen, vor denen sich zu schützen galt. Trotzdem tanzte man weiterhin um das Feuer, lärmte durch die Straßen, um sich nun vor allem Bösen zu schützen und die Geister zu vertreiben. Dazu kamen allerhand Schutzmittel zum Einsatz: weiße Kreuze wurden an Häuser oder Stallungen gemalt, geweihtes Salz auf die Türschwellen gestreut oder Besen umgedreht aufgestellt.

Im Laufe der Zeit wandelten sich die Bräuche mehr und mehr, so dass vom eigentlichen Ursprung oftmals nicht mehr bekannt ist.

Bäuerliches Brauchtum

Viele Handlungen wurden im Maibrauchtum weiter gelebt. So schützte man vielerorts seine Häuser mit Maibüschen oder Maibäumen (oftmals Birken). Diese galten als ein Zeichen der Fruchtbarkeit. So holte ein Verehrer seiner Geliebten in der Walpurgisnacht eine Birke aus dem Wald und lehnte sie als Zeichen der Liebe an deren Hauswand.

Der traditionelle Maibaum wurde gemeinsam aus dem Wald geholt und auf dem zentralen Dorfplatz aufgestellt. Um diesen herum fanden und finden die Maitänze statt. Auch das Knallen der Peitschen in der Nacht oder das Auslegen von Besen sind typische traditionelle Handlungsweisen.

Heutiges Brauchtum und Feierlichkeiten

  • Maifeuer
    • in vielen Gegenden auch Hexenfeuer genannt
    • Sammlung von altem Holz auf Höhen
    • Aufhängen einer selbst gebastelten Hexe
    • Rings um das Feuer wird oft Musik gemacht, viel gelacht, gegessen und getrunken
  • Maisprung
    • Verliebte springen gemeinsam über ein herunter gebranntes Feuer
  • Maibaum
    • Aufstellen des Baumes am frühen Morgen des ersten Mai
    • Tänze, teils in Trachten, um den Maibaum herum
  • Maitanz
    • gesellige Tanzveranstaltung, die am Vorabend des ersten Mai beginnt
  • Maistrich
    • Linien zwischen Verliebten werden zwischen den Häusern gezogen (u. a. mit Kalk, Kreide, Sägespänen, etc.)

Künstlerische Umsetzung

Viele Künstler ließen sich in ihren Werken von der Walpurgisnacht inspirieren bzw. verarbeiteten sie in ihren Werken. Drei ausgewählte Beispiele stehen stellvertretend dafür.

Johann Wolfgang von Goethe lässt in Faust - Der Tragödie erster Teil in der Szene "Walpurgisnacht Harzgebirg. Gegend von Schierke und Elend" die Hexen im Chor sprechen:

"Die Hexen zu dem Brocken ziehn. Die Stoppel ist gelb die Saat ist grün. Dort sammelt sich der große Hauf, Herr Urian sitzt obenauf. So geht es über Stein und Stock, [...]."

Der durch seinen Wortwitz und zahlreiche humorvolle Bildergeschichten über viele Generationen bekannte beliebte Dichter und Zeichner Wilhelm Busch ließ es sich nicht nehmen, der Walpurgisnacht treffende Zeilen zu widmen:

"Kränzchen In der ersten Nacht des Maien Läßt's den Hexen keine Ruh. Sich gesellig zu erfreuen, Eilen sie dem Brocken zu. Dorten haben sie ihr Kränzchen. Man verleumdet, man verführt, Macht ein lasterhaftes Tänzchen, Und der Teufel präsidiert."

Der Kinderbuchklassiker: Die kleine Hexe von Otfried Preußler nimmt sich in kindgemäßer Form den Themen Hexen und Walpurgisnacht an.

Walpurgisnacht zuhause feiern

Eltern können gemeinsam mit ihren Kindern in den Wald gehen und nach Birken Ausschau halten. Von den Bäumen können Zweige abgeschnitten werden. Diese dekorieren als Strauß gebunden in einer Vase das Wohn- oder Kinderzimmer passend zum Fest.

Mit verschiedenen Materialien, wie Papier, Stoffresten oder Moosgummi können gemeinsam gruselige Hexen gebastelt werden, die ebenso für die richtige Stimmung zu Hause sorgen.

Passende Kinderbücher, die sich mit Hexen beschäftigen, sorgen für einen gemütlich-schaurigen Vorleseabend mit der ganzen Familie.

 

Linktipp und Quellen

 

Zuletzt geändert am 19.03.2026

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Themen:
Walpurgisnacht
Hexen
Tanz in den Mai
Brauchtum
Über den Autor/die Autorin
Foto des lernando-Autors Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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