Graffiti - zwischen Kunst und Vandalismus
Graffiti - zwischen Kunst und Vandalismus
Graffiti spaltet die Geister. Was ist von einer Jugendszene zu halten, deren Mitglieder sich zwar einerseits Konfliktlösung ohne Gewalt auf die Fahnen geschrieben haben, die aber andererseits vor Vandalismus nicht halt machen?
Graffiti polarisiert wie kaum eine andere Ausdrucksform im öffentlichen Raum. FĂŒr die einen ist es moderne Kunst und Teil einer kreativen Jugendkultur, fĂŒr die anderen schlicht SachbeschĂ€digung. Doch was steckt wirklich hinter Graffiti?
Was bedeutet Graffiti?
Der Begriff Graffiti ist der Plural des italienischen Wortes graffito und geht etymologisch auf das altgriechische graphein zurĂŒck, was âschreibenâ bedeutet.
Die heute bekannteste Form ist das sogenannte Style-Writing oder kurz Writing. Dabei handelt es sich um eine Kunstform, die vor allem auf SchriftzĂŒgen basiert. Die Szene hat ihren Ursprung in den USA und verwendet bis heute viele englische Begriffe, die eine eigene âSpracheâ innerhalb der Subkultur bilden.
Graffiti als Kunst: Style, Anerkennung und Hip-Hop-Kultur
Writing hat durchaus einen kĂŒnstlerischen Anspruch. Anerkennung erhĂ€lt ein Writer nur dann, wenn er einen einzigartigen und innovativen Stil entwickelt.
Im Mittelpunkt stehen dabei:
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KreativitÀt und OriginalitÀt
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Ăsthetische Gestaltung
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Wiedererkennbarkeit des persönlichen Styles
Das Ziel vieler Sprayer ist es, innerhalb der Szene Fame (Ruhm) zu erlangen. Die IdentitÀt eines Writers wird dabei nicht nur durch das Pseudonym, sondern vor allem durch die QualitÀt und Einzigartigkeit der Werke bestimmt.
Graffiti ist auĂerdem eng mit der Hip-Hop-Kultur verbunden. Konflikte werden hier nicht durch Gewalt, sondern durch kĂŒnstlerischen Wettstreit ausgetragen â sogenannte Battles, wie etwa beim bekannten Wettbewerb Write4Gold.
Graffiti als Vandalismus: Wenn Kunst zur SachbeschÀdigung wird
Trotz des kĂŒnstlerischen Anspruchs wird Graffiti von vielen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern nicht als Kunst wahrgenommen. Ein Grund dafĂŒr ist, dass die Codes und Symbole fĂŒr AuĂenstehende oft schwer verstĂ€ndlich sind.
FĂŒr Hausbesitzer bedeutet illegales Graffiti jedoch vor allem:
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hohe Reinigungskosten
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Wertverlust von GebÀuden
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Ărger durch wiederholte BesprĂŒhungen
Allein in Deutschland entstehen jĂ€hrlich rund 500 Millionen Euro Schaden durch illegale Graffiti â etwa die HĂ€lfte davon tragen private EigentĂŒmer.
Juristisch gilt Graffiti in den meisten FÀllen als SachbeschÀdigung.
Auch innerhalb der Szene wird unterschieden: Schnell und lieblos gesprĂŒhte Werke, die eher Frustabbau als Kunst darstellen, werden als Bombings bezeichnet. Dieser Unterschied bleibt vielen Laien jedoch verborgen.
Graffiti und die Suche nach FreirÀumen
Gerade in GroĂstĂ€dten gibt es immer weniger RĂ€ume, in denen Jugendliche sich ausprobieren, Grenzen austesten und Anerkennung finden können.
Graffiti kann daher auch als Ausdruck eines BedĂŒrfnisses verstanden werden:
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nach Freiheit
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nach Sichtbarkeit
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nach kulturellem Raum im öffentlichen Leben
Mit zunehmender Zahl an Writern wurden Tags und Werke immer gröĂer und auffĂ€lliger, um ĂŒberhaupt noch Aufmerksamkeit zu erzeugen. So eroberte Graffiti nach und nach BrĂŒcken, HĂ€userwĂ€nde und schlieĂlich auch U-Bahnen, die als mobile FlĂ€che besonders attraktiv waren.
Graffiti als Grauzone und Gegenkultur
Graffiti ist lÀngst auch in Werbung und Eventkultur angekommen. Doch viele Vertreter der Szene sehen darin einen Widerspruch.
Denn Graffiti versteht sich ursprĂŒnglich als:
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Gegenmedium
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Subkultur am Rand der Gesellschaft
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Ausdruck von AnonymitÀt und Zusammenhalt
Die bewusste Bewegung in einer gesellschaftlichen Grauzone gehört zum Image. Der spanische Graffiti-KĂŒnstler RaĂșl RuĂz formulierte es so:
âIch versuche einen Blick dafĂŒr zu entwickeln, wo meine Bilder stören und suche WĂ€nde aus, um die sich niemand kĂŒmmert.â
Graffiti ist damit oft mehr als bloĂe Dekoration â es trĂ€gt hĂ€ufig eine Botschaft âzwischen den Zeilenâ.
Fazit: Graffiti bleibt ein Spannungsfeld
Graffiti bewegt sich bis heute zwischen zwei Polen:
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Kunstform mit kreativem Anspruch
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illegaler Eingriff in fremdes Eigentum
Ob Graffiti als Bereicherung oder als Vandalismus empfunden wird, hĂ€ngt stark vom Kontext, vom Ort und von der AusfĂŒhrung ab.
Linktipps
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Wikipedia: Graffiti
http://de.wikipedia.org/wiki/Graffiti -
Spiegel-Artikel: Vandalismus in Jogginghose
http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,604652,00.html
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.