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Graffiti - zwischen Kunst und Vandalismus

Graffito mit Schriftzeichen und Auge
Entwicklung und Erziehung
© sardinelly - Fotolia.de
von Christine Kammerer

Graffiti spaltet die Geister. Was ist von einer Jugendszene zu halten, deren Mitglieder sich zwar einerseits Konfliktlösung ohne Gewalt auf die Fahnen geschrieben haben, die aber andererseits vor Vandalismus nicht halt machen?

Lesedauer:
3 min

Graffiti polarisiert wie kaum eine andere Ausdrucksform im öffentlichen Raum. FĂŒr die einen ist es moderne Kunst und Teil einer kreativen Jugendkultur, fĂŒr die anderen schlicht SachbeschĂ€digung. Doch was steckt wirklich hinter Graffiti?


Was bedeutet Graffiti?

Der Begriff Graffiti ist der Plural des italienischen Wortes graffito und geht etymologisch auf das altgriechische graphein zurĂŒck, was „schreiben“ bedeutet.

Die heute bekannteste Form ist das sogenannte Style-Writing oder kurz Writing. Dabei handelt es sich um eine Kunstform, die vor allem auf SchriftzĂŒgen basiert. Die Szene hat ihren Ursprung in den USA und verwendet bis heute viele englische Begriffe, die eine eigene „Sprache“ innerhalb der Subkultur bilden.


Graffiti als Kunst: Style, Anerkennung und Hip-Hop-Kultur

Writing hat durchaus einen kĂŒnstlerischen Anspruch. Anerkennung erhĂ€lt ein Writer nur dann, wenn er einen einzigartigen und innovativen Stil entwickelt.

Im Mittelpunkt stehen dabei:

  • KreativitĂ€t und OriginalitĂ€t

  • Ästhetische Gestaltung

  • Wiedererkennbarkeit des persönlichen Styles

Das Ziel vieler Sprayer ist es, innerhalb der Szene Fame (Ruhm) zu erlangen. Die IdentitÀt eines Writers wird dabei nicht nur durch das Pseudonym, sondern vor allem durch die QualitÀt und Einzigartigkeit der Werke bestimmt.

Graffiti ist außerdem eng mit der Hip-Hop-Kultur verbunden. Konflikte werden hier nicht durch Gewalt, sondern durch kĂŒnstlerischen Wettstreit ausgetragen – sogenannte Battles, wie etwa beim bekannten Wettbewerb Write4Gold.


Graffiti als Vandalismus: Wenn Kunst zur SachbeschÀdigung wird

Trotz des kĂŒnstlerischen Anspruchs wird Graffiti von vielen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern nicht als Kunst wahrgenommen. Ein Grund dafĂŒr ist, dass die Codes und Symbole fĂŒr Außenstehende oft schwer verstĂ€ndlich sind.

FĂŒr Hausbesitzer bedeutet illegales Graffiti jedoch vor allem:

  • hohe Reinigungskosten

  • Wertverlust von GebĂ€uden

  • Ärger durch wiederholte BesprĂŒhungen

Allein in Deutschland entstehen jĂ€hrlich rund 500 Millionen Euro Schaden durch illegale Graffiti – etwa die HĂ€lfte davon tragen private EigentĂŒmer.

Juristisch gilt Graffiti in den meisten FÀllen als SachbeschÀdigung.

Auch innerhalb der Szene wird unterschieden: Schnell und lieblos gesprĂŒhte Werke, die eher Frustabbau als Kunst darstellen, werden als Bombings bezeichnet. Dieser Unterschied bleibt vielen Laien jedoch verborgen.


Graffiti und die Suche nach FreirÀumen

Gerade in GroßstĂ€dten gibt es immer weniger RĂ€ume, in denen Jugendliche sich ausprobieren, Grenzen austesten und Anerkennung finden können.

Graffiti kann daher auch als Ausdruck eines BedĂŒrfnisses verstanden werden:

  • nach Freiheit

  • nach Sichtbarkeit

  • nach kulturellem Raum im öffentlichen Leben

Mit zunehmender Zahl an Writern wurden Tags und Werke immer grĂ¶ĂŸer und auffĂ€lliger, um ĂŒberhaupt noch Aufmerksamkeit zu erzeugen. So eroberte Graffiti nach und nach BrĂŒcken, HĂ€userwĂ€nde und schließlich auch U-Bahnen, die als mobile FlĂ€che besonders attraktiv waren.


Graffiti als Grauzone und Gegenkultur

Graffiti ist lÀngst auch in Werbung und Eventkultur angekommen. Doch viele Vertreter der Szene sehen darin einen Widerspruch.

Denn Graffiti versteht sich ursprĂŒnglich als:

  • Gegenmedium

  • Subkultur am Rand der Gesellschaft

  • Ausdruck von AnonymitĂ€t und Zusammenhalt

Die bewusste Bewegung in einer gesellschaftlichen Grauzone gehört zum Image. Der spanische Graffiti-KĂŒnstler RaĂșl RuĂ­z formulierte es so:

„Ich versuche einen Blick dafĂŒr zu entwickeln, wo meine Bilder stören und suche WĂ€nde aus, um die sich niemand kĂŒmmert.“

Graffiti ist damit oft mehr als bloße Dekoration – es trĂ€gt hĂ€ufig eine Botschaft „zwischen den Zeilen“.


Fazit: Graffiti bleibt ein Spannungsfeld

Graffiti bewegt sich bis heute zwischen zwei Polen:

  • Kunstform mit kreativem Anspruch

  • illegaler Eingriff in fremdes Eigentum

Ob Graffiti als Bereicherung oder als Vandalismus empfunden wird, hĂ€ngt stark vom Kontext, vom Ort und von der AusfĂŒhrung ab.


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Themen:
Graffiti
Vandalismus
Kunst
SachbeschÀdigung
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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