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Kinder mit Diabetes in der Schule

Foto eines blutigen Fingers und Blutzuckertestgerätes
Entwicklung und Erziehung
© Sergey Lavrentev - Fotolia.de
von Dr. Birgit Ebbert

Hier erfahren Sie wertvolle Tipps und interessante Infos zum Thema Diabetes und dazu, wie Sie mit betroffenen Schülerinnen und Schülern im Notfall umgehen müssen.

Lesedauer:
5 min

Kinder mit Diabetes – gut informiert durch den Alltag

Die Diagnose Typ-1-Diabetes wirft bei Eltern zunächst viele Fragen auf. Was darf mein Kind essen? Kann es beim Sport mitmachen? Was passiert in der Schule? Und wie erkenne ich eine Unterzuckerung?

Die wichtigste Nachricht vorweg: Kinder mit Typ-1-Diabetes können grundsätzlich genauso lernen, spielen, Sport treiben und an Ausflügen teilnehmen wie andere Kinder. Die Diabetesbehandlung gehört zu ihrem Alltag, sollte aber nicht ihr gesamtes Leben bestimmen. Mit dem richtigen Wissen und klaren Absprachen können Eltern ihrem Kind dabei helfen, zunehmend sicher und selbstständig mit der Erkrankung umzugehen.

Was bedeutet Diabetes eigentlich?

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Regulierung des Blutzuckers gestört ist. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Hormon Insulin. Es sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangen und dort als Energie genutzt werden kann.

Grundsätzlich werden verschiedene Diabetesformen unterschieden. Bei Kindern und Jugendlichen sind vor allem Typ-1- und Typ-2-Diabetes von Bedeutung.

Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Das körpereigene Immunsystem greift die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Dadurch produziert der Körper schließlich kein oder kaum noch eigenes Insulin.

Das fehlende Insulin muss deshalb lebenslang von außen zugeführt werden. Dies geschieht beispielsweise mit einem Insulinpen oder über eine Insulinpumpe. Viele Kinder nutzen heute außerdem einen Glukosesensor, der die Werte kontinuierlich misst und an ein Lesegerät oder Smartphone überträgt. Moderne Systeme können die Glukosemessung und Insulinabgabe teilweise miteinander verbinden.

Typ-1-Diabetes entsteht nicht dadurch, dass ein Kind zu viele Süßigkeiten gegessen oder sich zu wenig bewegt hat.

Typ-2-Diabetes

Bei Typ-2-Diabetes produziert der Körper zunächst meist noch Insulin. Die Körperzellen reagieren jedoch zunehmend schlechter darauf. Man spricht von einer Insulinresistenz.

Typ-2-Diabetes tritt überwiegend bei Erwachsenen auf, kann aber auch Kinder und Jugendliche betreffen. Neben einer erblichen Veranlagung können unter anderem Übergewicht und Bewegungsmangel das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Die Behandlung wird individuell festgelegt und kann Veränderungen bei Ernährung und Bewegung, Medikamente und in bestimmten Fällen auch Insulin umfassen.

Dürfen Kinder mit Typ-1-Diabetes Süßigkeiten essen?

Grundsätzlich ja. Kinder mit Typ-1-Diabetes benötigen keine besondere „Diabetes-Diät“. Für sie gelten im Wesentlichen die gleichen Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung wie für andere Kinder.

Entscheidend ist jedoch, die Kohlenhydrate einer Mahlzeit bei der Insulintherapie zu berücksichtigen. Denn Kohlenhydrate beeinflussen den Glukosespiegel besonders stark.

Eltern und Kinder lernen deshalb in Diabetesschulungen, die Kohlenhydratmenge von Lebensmitteln einzuschätzen und die benötigte Insulinmenge entsprechend anzupassen.

Dabei können Kohlenhydrate direkt in Gramm angegeben oder in Kohlenhydrateinheiten umgerechnet werden. Eine Kohlenhydrateinheit (KE) entspricht in der Regel 10 Gramm Kohlenhydraten, eine Broteinheit (BE) traditionell 12 Gramm. Welche Berechnung verwendet wird, richtet sich nach der individuellen Therapie.

Ein Stück Schokolade oder ein Eis sind damit nicht grundsätzlich verboten. Wichtig ist vielmehr, dass Essen, Insulin und körperliche Aktivität aufeinander abgestimmt werden.

Unterzuckerung – wenn der Glukosewert zu niedrig ist

Eine Unterzuckerung, medizinisch Hypoglykämie genannt, kann beispielsweise entstehen, wenn ein Kind zu wenig Kohlenhydrate gegessen, zu viel Insulin erhalten oder sich stärker als erwartet körperlich angestrengt hat.

Die Anzeichen können von Kind zu Kind unterschiedlich sein. Typische Hinweise sind unter anderem Zittern, Schwitzen, Blässe, Schwindel, Konzentrationsprobleme oder plötzlich auftretender Hunger. Manche Kinder werden außerdem ungewöhnlich still, gereizt oder unruhig.

Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Kind herausfinden, welche Warnzeichen bei ihm besonders typisch sind.

Bei einer leichten Unterzuckerung benötigt das Kind schnell wirksame Kohlenhydrate. Dafür eignen sich beispielsweise Traubenzucker oder ein zuckerhaltiges Getränk wie Saft. Anschließend sollte entsprechend dem individuellen Therapieplan kontrolliert werden, ob sich der Glukosewert wieder normalisiert hat.

Deshalb sollten schnell wirksame Kohlenhydrate immer griffbereit sein – zu Hause ebenso wie in der Schule, beim Sport oder unterwegs.

Auch eine starke Überzuckerung muss ernst genommen werden

Bei einer Überzuckerung, einer sogenannten Hyperglykämie, ist der Glukosewert zu hoch. Kinder können dann beispielsweise starken Durst haben, häufig zur Toilette müssen oder müde und unkonzentriert wirken.

Sehr hohe Werte können insbesondere bei Typ-1-Diabetes zu einer diabetischen Ketoazidose führen. Das ist ein ernst zu nehmender medizinischer Notfall.

Deshalb sollten Eltern mit dem behandelnden Diabetesteam genau besprechen, ab welchen Werten zusätzliche Kontrollen oder eine Messung der Ketone notwendig sind und welche Maßnahmen dann ergriffen werden sollen. Bei deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustandes, starker Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit muss der Notruf 112 verständigt werden.

Diabetes im Schulalltag

Kinder mit Typ-1-Diabetes sind grundsätzlich ebenso leistungsfähig wie Kinder ohne Diabetes und können regulär am Unterricht teilnehmen.

Für einen sicheren Schulalltag sind jedoch einige Freiheiten notwendig. Je nach individueller Therapie muss ein Kind beispielsweise während des Unterrichts seinen Glukosewert kontrollieren, etwas essen oder trinken oder Insulin abgeben können.

Viele Kinder tragen heute einen Glukosesensor. Die aktuellen Werte werden dabei häufig auf einem Smartphone oder einem speziellen Empfangsgerät angezeigt. Deshalb kann es notwendig sein, dass ein Kind sein Smartphone auch dann benutzen darf, wenn Mobiltelefone im Unterricht normalerweise nicht erlaubt sind.

Auch Toilettengänge müssen bei hohen Glukosewerten gegebenenfalls häufiger möglich sein.

Eltern sollten deshalb vor Schulbeginn beziehungsweise nach einer neuen Diagnose das Gespräch mit den Lehrkräften suchen. Hilfreich ist ein schriftlicher Plan, in dem festgehalten wird, was das Kind bereits selbstständig erledigen kann und wann es Unterstützung benötigt.

Sport gehört dazu

Typ-1-Diabetes ist grundsätzlich kein Grund, auf Sport zu verzichten. Kinder mit Diabetes können und sollen am Sportunterricht und an anderen körperlichen Aktivitäten teilnehmen.

Bewegung beeinflusst allerdings den Glukosespiegel. Deshalb müssen Insulin, Kohlenhydrate und körperliche Aktivität aufeinander abgestimmt werden.

Je nach Therapieplan kann es notwendig sein, vor oder während des Sports den Glukosewert zu kontrollieren, zusätzliche Kohlenhydrate zu essen oder die Insulinmenge anzupassen.

Schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Saft sollten beim Sport immer erreichbar sein. Bei Kindern, für die ein Glukagon-Notfallmedikament verordnet wurde, sollte auch dieses nach den individuellen Absprachen verfügbar sein.

Was ist im Notfall zu tun?

Bei einer Unterzuckerung

Ist das Kind ansprechbar und kann sicher schlucken, sollte es entsprechend seinem persönlichen Diabetesplan schnell wirksame Kohlenhydrate erhalten. Geeignet sind beispielsweise Traubenzucker oder zuckerhaltige Getränke.

Anschließend sollte der Glukosewert kontrolliert beziehungsweise über den Sensor beobachtet und nach dem vereinbarten Schema weiter vorgegangen werden.

Bei einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit

Ist ein Kind bewusstlos oder kann es nicht sicher schlucken, darf ihm nichts zu essen oder zu trinken gegeben werden. Es besteht die Gefahr, dass es sich verschluckt.

Der Notruf 112 muss verständigt werden. Das Kind darf nicht allein gelassen werden und sollte entsprechend den Erste-Hilfe-Regeln versorgt werden.

Wenn für das Kind Glukagon als Notfallmedikament vorhanden ist und die helfende Person entsprechend eingewiesen wurde, kann es nach dem vereinbarten Notfallplan angewendet werden. Glukagon steht heute unter anderem als Nasenspray oder Pen zur Verfügung.

Was ist bei Krankheit zu beachten?

Infekte können die Glukosewerte deutlich verändern. Besondere Aufmerksamkeit ist notwendig, wenn ein Kind erbricht, nichts trinken kann oder ungewöhnlich müde und abgeschlagen wirkt.

Eltern sollten für solche Situationen einen individuellen Krankheits- und Notfallplan mit dem Diabetesteam vereinbaren. Dazu gehört auch die Frage, wann Ketone gemessen werden müssen und wann ärztliche Hilfe notwendig ist.

Für Schule, Betreuung oder Freizeitangebote sollte ebenfalls klar festgelegt sein, wer im Krankheitsfall kontaktiert wird.

Klassenfahrten und Ausflüge gut vorbereiten

Auch Klassenfahrten, Wandertage und Ausflüge sind für Kinder mit Typ-1-Diabetes grundsätzlich möglich. Eine gute Vorbereitung ist dabei entscheidend.

Ältere Kinder und Jugendliche übernehmen ihre Diabetesbehandlung häufig weitgehend selbstständig. Jüngere Kinder benötigen dagegen möglicherweise Unterstützung bei der Berechnung von Kohlenhydraten oder der Insulinabgabe.

Vor einer Klassenfahrt sollten Eltern, Kind und verantwortliche Betreuungspersonen deshalb gemeinsam klären, welche Unterstützung notwendig ist. Insulin, Mess- oder Sensortechnik, schnell wirksame Kohlenhydrate und weitere benötigte Materialien sollten in ausreichender Menge mitgenommen werden.

Je nach Alter und Unterstützungsbedarf kann für jüngere Kinder auch eine zusätzliche Begleitperson sinnvoll sein.

Selbstständigkeit Schritt für Schritt fördern

Kinder lernen mit zunehmendem Alter, immer mehr Aufgaben ihrer Diabetesbehandlung selbst zu übernehmen. Dazu gehören das Einschätzen von Lebensmitteln, das Beobachten der eigenen Glukosewerte und das Erkennen einer beginnenden Unterzuckerung.

Eltern können diese Entwicklung unterstützen, indem sie Verantwortung schrittweise übertragen. Dabei sollte das Kind weder überfordert noch unnötig eingeschränkt werden.

Das Ziel ist nicht, den Diabetes ständig in den Mittelpunkt zu stellen. Vielmehr soll das Kind lernen, die notwendigen Maßnahmen selbstverständlich in seinen Alltag einzubauen.

Wissen gibt Sicherheit

Typ-1-Diabetes verlangt von Kindern und ihren Familien Aufmerksamkeit und Organisation. Moderne Insulinpumpen, Glukosesensoren und automatisierte Systeme erleichtern den Alltag heute jedoch erheblich.

Für Eltern ist vor allem wichtig, die persönlichen Warnzeichen ihres Kindes zu kennen, den individuellen Therapie- und Notfallplan zu verstehen und auch andere Betreuungspersonen darüber zu informieren.

So kann ein Kind trotz Diabetes möglichst selbstverständlich am Familienleben, an Schule, Sport und Freizeit teilnehmen.

Links & Literatur

Links

Literatur

  • Peter Hürter, Karin Lange: Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Medizinischer und psychologischer Ratgeber.
    Berlin: Springer Verlag 2004 - Ratgeber für Eltern von Diabetes-Kindern
  • Wolfgang Hecker, Bela Bartus: Diabetes bei Kindern. Der große TRIAS-Ratgeber. Alles Wissenswerte für Sie und Ihre Familie.
    Stuttgart: Karl F. Haug Fachbuchverlag 2002 - Handbuch zur Diabetes von Kindern

Zuletzt geändert am 13.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.

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