Nachschlagen – trotz Internet?
Nachschlagen – trotz Internet?
Nachschlagewerke in Buchform haben heute scheinbar ausgedient. Trotzdem ist es im Internetzeitalter noch sinnvoll, sich in der Schule mit Nachschlagewerken und dem Umgang mit ihnen zu beschäftigen. Erfahren Sie im neuen Thema der Woche, wie Sie diese im Unterricht einsetzen können.
Nachschlagewerke im digitalen Zeitalter – warum sie weiterhin wichtig sind
Digitale Suchmaschinen haben klassische Nachschlagewerke scheinbar verdrängt. Selbst der Brockhaus gehört inzwischen zu einem Medienkonzern. Viele geben heute ganze Fragen in Suchmaschinen ein statt einzelner Stichwörter – und oft liefert das Internet auch dann Ergebnisse, wenn Wörter falsch geschrieben wurden.
Doch: Nur manchmal.
Wer nicht weiß, wie ein Begriff geschrieben wird oder welche Form der richtige Suchbegriff ist, stößt schnell an Grenzen. Das Internet bietet zwar ebenfalls Hilfen, aber man muss wissen wo und wonach man sucht.
Genau hier zeigt sich, warum der Umgang mit Nachschlagewerken auch heute noch ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts ist. Er trainiert Methodenkompetenz, strukturiertes Suchen und die Fähigkeit, sich eigenständig Informationen zu erschließen.
Grundprinzipien von Nachschlagewerken
Nicht jedes Nachschlagewerk erfüllt denselben Zweck. Eine wichtige Erkenntnis:
„Nachschlagewerk ist nicht gleich Nachschlagewerk.“
Beispiele:
1. Wörterbücher
- alphabetisch sortiert
- liefern grammatische Informationen oder Übersetzungen
- helfen bei Pluralformen, Rechtschreibung oder Verbformen
2. Enzyklopädien
- alphabetisch sortiert
- bieten Hintergrundwissen zu Sachthemen
- enthalten oft Fachartikel zum aktuellen Forschungsstand
3. Handbücher
- thematisch sortiert
- bieten systematisches Fachwissen
Zudem werden häufig Leitwörter oben auf den Seiten genutzt.
Sie zeigen das erste und letzte Wort einer Doppelseite an und erleichtern das schnelle Auffinden von Begriffen.
Schwieriger wird es bei:
- konjugierten oder deklinierten Formen (z. B. „ritt“ → nach „reiten“ suchen)
- zusammengesetzten Nomen („Apfelkern“ ggf. unter „Kern“)
- Abkürzungen (Abkürzungsverzeichnis nutzen)
Nachschlagen ist kein Buch mit sieben Siegeln – mit etwas Übung aber eine wertvolle Kompetenz.
Nachschlagen lernen in der Schule
Sobald Kinder das Alphabet sicher beherrschen, können sie lernen, mit Nachschlagewerken umzugehen. Anfangs fällt es vielen schwer, vom beliebigen Buchstaben aus weiter durchs Alphabet zu gehen. Hier helfen:
Spielerische Übungen in der Grundschule
- Alphabet von beliebigen Buchstaben aus weiterführen
- Wörter alphabetisch sortieren
- „Aufstellen nach Alphabet“ auf dem Schulhof
- Stationenarbeit mit Grundschulwörterbüchern
- Suchaufgaben:
- „Zwischen welchen Wörtern steht ‚Bär‘?“
- „Welche Leitwörter findest du bei ‚Kuh‘?“
Auch im Sachunterricht lassen sich solche Aufgaben gut integrieren.
Aha-Effekt: Merkwörter mit V
Lassen Sie Gruppen zählen, wie viele Wörter mit „ver“, „vor“ oder ohne diese Vorsilben vorkommen.
Kinder erkennen schnell Muster – hilfreich für die Rechtschreibung.
Nachschlagen in weiterführenden Schulen
Der Umgang mit Nachschlagewerken sollte dort weiterhin geübt werden. Wichtig:
- Schüler sollen wirklich im Buch nachschlagen – nicht nur im Internet.
- Kontrolltechnik:
Neben dem gesuchten Wort auch die vorherigen, nachfolgenden und die Leitwörter nennen.
Das schult systematisches Denken und verhindert das bloße „Googeln“.
Interessanter Link zum Thema
- Entwurf für eine Stunde zum Umgang mit Nachschlagewerken in der 3. Klasse:
http://www.oesi.de/mediennutzung/klasse3/woerterbuch3.doc
Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.