Direkt zum Inhalt

SuchtprÀvention

eine Frau zieht an einer Zigarette
Entwicklung und Erziehung
© Christian v. Massow - Photocase.com
von Dr. Birgit Ebbert

Suchtvorbeugung ist kein neues Thema, was jedoch als Drogenvorbeugung mit abschreckenden Filmen von Raucherbeinen begann ist zu einer Förderung der Lebenskompetenzen geworden, die nicht nur vor Sucht schĂŒtzt, sondern hilft, das Leben und sein Auf und Ab zu meistern.

Lesedauer:
4 min

StĂ€rkung der Persönlichkeit statt Abschreckung – moderne SuchtprĂ€vention

SuchtprĂ€vention ist lĂ€ngst mehr als das Zeigen abschreckender Filme oder das Warnen vor Raucherbeinen. Was frĂŒher reine Drogenvorbeugung war, hat sich zu einem umfassenden Konzept der Lebenskompetenzförderung entwickelt. Ziel ist nicht nur der Schutz vor Suchtmitteln, sondern die StĂ€rkung der Persönlichkeit – damit Kinder und Jugendliche das Auf und Ab des Lebens selbstbewusst meistern können.

Heute beginnt SuchtprĂ€vention bereits im Kindergarten. Sie soll Kinder dazu befĂ€higen, sich bewusst und unabhĂ€ngig zu entscheiden – nicht aus Angst, sondern aus innerer StĂ€rke.
So ĂŒberschneidet sich PrĂ€vention eng mit Themen wie DemokratiefĂ€higkeit, Konfliktlösung und GewaltprĂ€vention.


Was zÀhlt als Suchtmittel?

Der Begriff „Suchtmittel“ umfasst heute weit mehr als illegale Drogen (wie Ecstasy, Heroin oder Haschisch) oder körperlich schĂ€dliche Substanzen (wie Alkohol, Zigaretten oder Tabletten).
Als Suchtmittel gilt alles, worĂŒber ein Mensch die Kontrolle verlieren kann – also Dinge, die einen Drang nach „immer mehr“ erzeugen.

Dazu gehören auch:

  • Fernsehen
  • Internet / Gaming
  • SĂŒĂŸigkeiten
  • Essen allgemein

Moderne PrĂ€vention setzt daher nicht auf Verbote, sondern darauf, Kinder zu befĂ€higen, ihr eigenes Verhalten rechtzeitig zu stoppen, sich nicht verfĂŒhren zu lassen und Entscheidungen reflektiert zu treffen.

SuchtprÀvention ist somit vor allem eines:
Förderung eines selbstbestimmten, verantwortungsvollen Handelns.


SuchtprÀvention in Schule und Unterricht

SuchtprĂ€vention in der Schule ist herausfordernd. Bewertungen, Noten und Leistungsdruck beeinflussen das SelbstwertgefĂŒhl – und damit indirekt die Ich-StĂ€rke eines Kindes.
Deshalb braucht es:

  • Ein Schulklima, das StĂ€rken betont
  • UnterstĂŒtzung bei SchwĂ€chen
  • Raum fĂŒr Reflexion
  • GesprĂ€chsangebote in Alltagssituationen

Nicht jede Schule kann ein umfassendes Konzept erarbeiten. Dennoch wirkt jeder kleine Schritt:

  • Reflexion nach aktuellen VorfĂ€llen
  • GesprĂ€che ĂŒber Gruppendruck
  • Thematisierung von Misserfolgen und BewĂ€ltigungsstrategien
  • Einsatz von JugendbĂŒchern, Filmen, Comics oder TheaterstĂŒcken

Auch Regeln zum Umgang mit Suchtmitteln auf dem SchulgelĂ€nde sind wichtig – am besten wirkt PrĂ€vention dort, wo Risiken erst gar nicht entstehen.


„Wir sind nicht allein“ – UnterstĂŒtzung durch Institutionen und Experten

SuchtprĂ€vention ist komplex und kann eine einzelne Lehrkraft schnell ĂŒberfordern.
Darum gibt es verschiedene Ansprechpartner:

In der Schule

  • Suchtbeauftragte / SuchtprĂ€ventionslehrkrĂ€fte
    (Bezeichnung variiert nach Bundesland)
  • Betreuung von Projekten
  • Koordination von Aktionen
  • Pflege der Schulordnung zum Suchtmittelkonsum

Diese LehrkrĂ€fte brauchen SensibilitĂ€t – denn auch ihr eigenes Verhalten spielt eine Rolle.

In Stadt und Kreis

  • Suchtbeauftragte der Kommunen
  • Ansprechpersonen fĂŒr KriminalprĂ€vention
  • Kooperation mit Beratungsstellen

Auf Landesebene

  • Landesstellen gegen Suchtgefahren (Materialien, Projekte, Schulungen)
  • Jugendschutzorganisationen

Bundesweit

Materialien können z. B. bei der
Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung
bestellt werden.

SuchtprÀvention wirkt am besten, wenn Schule, Elternhaus und Gesellschaft zusammenarbeiten.

Links & Literatur Links

Literatur

Andreas Robra: Das SuchtSpielBuch. Spiele und Übungen zur SuchtprĂ€vention in Kindergarten, Schule, Jugendarbeit und Betrieben. Seelze 1999
Umfangreiche Sammlung von Anregungen fĂŒr die Praxis von Tipps fĂŒr die Elternarbeit ĂŒber Spiele und Spielaktionen bis zu grĂ¶ĂŸeren Projekten

Eckhard Schiffer: Warum Huckleberry Finn nicht sĂŒchtig wurde. Weinheim: Beltz 1999
Essay ĂŒber die Entstehung von SĂŒchten und die PrĂ€vention durch Gesellschaft, Elternhaus und Schule

Beitrag teilen:
Themen:
Sucht
Drogen
Alkohol
SuchtprÀvention
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-PĂ€dagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tĂ€tig. Neben KinderbĂŒchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und BĂŒcher ĂŒber kreatives Arbeiten mit Papier.

Weitere BeitrÀge lesen