Direkt zum Inhalt

Wer war eigentlich Janus Korczak?

Portrait von Janus Korczak und einem aufgeschlagenen Buch
Entwicklung und Erziehung
© Weigand - Photocase.com
von Dr. Birgit Ebbert

Janusz Korzcak ist ein Name, der einem heute höchstens noch als Namensteil einer Schule begegnet, dabei war er Anfang des 20. Jahrhunderts in Polen ein berühmter Schriftsteller und vor allem der bekannteste Reformpädagoge. Lesen Sie hier mehr über ihn.

Lesedauer:
7 min

Janusz Korczak – ein Leben für die Kinder

Der Name Janusz Korczak begegnet uns heute vor allem als Namensgeber von Schulen, doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er in Polen ein bekannter Schriftsteller und der bedeutendste Reformpädagoge seiner Zeit.
Unsterblich wurde er allerdings durch sein Handeln:
Am 5. August 1942 begleitete er „seine“ 200 Kinder aus den Waisenhäusern Dom Sierot und Nasz Dom in den Tod – obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte, sein eigenes Leben zu retten. Sein unerschütterlicher Einsatz für Kinder machte ihn zu einem Symbol für Menschlichkeit und Verantwortung.

Ein Leben zwischen Armut, Bildung und sozialem Engagement

Janusz Korczak wurde als Henryk Goldszmit in einer wohlhabenden Familie geboren. Schon früh wandte er sich Kindern zu, denen es schlechter ging. Nach dem Tod seines Vaters rutschte die Familie in Armut – Erfahrungen, die ihn prägten.

Korczak arbeitete später als:

  • angesehener Arzt
  • Schriftsteller
  • Dozent
  • Radiomitarbeiter
  • Leiter zweier Kinderheime

Und doch blieb sein Herz stets bei den Kindern, die ohne Hilfe verwahrlost wären.

Bereits als SchĂĽler schrieb er seine ersten Texte. Sein Wettbewerbsbeitrag erschien unter dem Pseudonym Janusz Korczak, das er ein Leben lang behielt.

Als Autor widmete er sich oft autobiografischen Themen und dem Leben seiner Waisenkinder. Zu seinen wichtigsten Werken gehören:

  • „Wie man ein Kind lieben soll“
  • „Das Recht des Kindes auf Achtung“
  • „Kinder der StraĂźe“, „Kind des Salons“
  • der Kinderroman „König Hänschen / König Macius“

Waisenhaus, Kinderrepublik und Selbstverwaltung – Korczaks pädagogische Praxis

1912 übernahm Korczak die Leitung des modernen Waisenhauses Dom Sierot, das nach seinen Vorstellungen gebaut wurde. Es galt fortan als Vorbild für Reformpädagogik:

  • helle, freundliche Räume
  • respektvoller Umgang
  • Verantwortung der Kinder fĂĽr sich selbst

Besonders innovativ:

Kinderrepublik

Eine grĂĽne Fahne ĂĽber dem Haus symbolisierte die Selbstverwaltung:

  • Kinderparlament
  • Kameradschaftsgericht
  • eigene Zeitung „Die kleine Rundschau“ (Maly Przeglad)

Diese Strukturen gaben den Kindern Stimme, Einfluss und Verantwortung – Jahrzehnte bevor Kinderparlamente oder Streitschlichterprogramme in modernen Schulen Einzug hielten.

Korczak beschrieb diese Konzepte detailliert in „Wie man ein Kind lieben soll“.
Das „Gesetzbuch des Kameradschaftsgerichts“ enthielt bis heute beeindruckend moderne Gedanken, z. B.:

„Wenn jemand etwas Böses getan hat, so ist es am besten, ihm zu verzeihen.“

Korczak als Anwalt der Kinder – Die „Magna Charta Libertatis“

Korczak war einer der ersten Menschen weltweit, der Kinderrechte formulierte – lange bevor die UN-Kinderrechtskonvention entstand.

Seine drei Grundrechte:

1. Recht des Kindes auf seinen Tod

Kinder dürfen Erfahrungen machen, auch riskante. Erwachsene sollen ihre eigenen Ängste nicht ungefiltert auf Kinder übertragen.
(In der heutigen Zeit sinngemäß zu verstehen.)

2. Recht des Kindes auf den heutigen Tag

Kindheit ist kein „Vorspiel“ auf Schule oder Karriere.
Kinder sollen neugierig sein, spielen, entdecken – ohne ständigen Zukunftsdruck.

3. Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist

Jedes Kind ist einzigartig – mit Stärken und Schwächen.
Individuelle Förderung statt Überforderung.

Diese Gedanken sind heute aktueller denn je.

Korczak und die Schule

Korczak leitete selbst eine Modellschule und wusste um die Grenzen pädagogischen Handelns.
Aber besonders sein drittes Grundrecht – „Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist“ – kann im Schulalltag umgesetzt werden:

  • individuelle Förderung
  • BerĂĽcksichtigung von Temperament und Persönlichkeit
  • faire Bewertung ohne EinheitsmaĂźstab
  • wĂĽrdevoller Umgang miteinander

Zuletzt geändert am 13.02.2026

Links & Literatur

Links

Literatur

Erich Dauzenroth:
Ein Leben fĂĽr Kinder.
Göttingen 1996

Janusz Korzcak:
Das Recht des Kindes auf Achtung.
Göttingen 2008

Janusz Korczak:
Wie man ein Kind lieben soll.
Göttingen 2005

Janusz Korczak:
Der kleine König Macius: Eine Geschichte in zwei Teilen für Kinder und Erwachsene.
Die vollständige Ausgabe (HERDER spektrum) (Kinderbuch) Freiburg 2010

Tomek Bogacki, Janusz Korczak:
Ein Held der Kinder (Bilderbuch)
MĂĽnchen 2010

Foto: Weigand/Photocase

Beitrag teilen:
Themen:
Reformpädagogik
Schriftsteller
Humanist
Kinderbuchautor
Vernichtungslager
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.

Weitere Beiträge lesen