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Körpersprache im Unterricht

Foto eines Mädchens im Unterricht.
Entwicklung und Erziehung
© George Doyle - iStockphoto.com
von Hildegard Dierks

Weder Lehrer noch Schüler kommunizieren im Unterricht ausschließlich verbal sondern immer auch mit dem Körper vor allem mit unserer Mimik und Gestik. Diese Signale im Unterricht wahrzunehmen ist wichtig für erfolgreichen Unterricht. In der Fachliteratur geht man von einem circa 80-prozentigem körpersprachlichem Anteil am Unterrichtsgeschehen aus. Ein Schülerbeitrag wird mit Kopf nicken bestätigt oder abgelehnt.

Lesedauer:
5 min

Körpersprache im Unterricht: Mehr als Worte sagen können

Körpersprache verrät viel über Emotionen, Einstellungen und verborgene Stimmungen. Im Unterricht ist sie ein unverzichtbares Element der Kommunikation – zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern.
Nach Paul Watzlawick gilt: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“
Das heißt: Mimik, Gestik und Körperhaltung senden permanent Signale, bewusst oder unbewusst.

In einer Zeit, in der Unterricht digitaler, interaktiver und vielfältiger wird, verdient die Körpersprache eine neue Aufmerksamkeit und Neubewertung.


Grundlagen der Körpersprache

Mimik und Gestik – zwei starke Ausdrucksformen

Mimik umfasst Gesichtsausdrücke wie:

  • Lächeln
  • Blickkontakt oder abgewandter Blick
  • gerümpfte Nase
  • hochgezogene Augenbrauen
  • Erröten

Gestik schließt Handbewegungen, Armhaltungen und Zeigegesten ein.

Diese Signale beeinflussen Unterrichtssituationen stark – oft stärker als Worte.


Mimik von Schülerinnen und Schülern richtig deuten

Körpersprache darf nie isoliert betrachtet werden. Entscheidend sind:

  • die Unterrichtssituation
  • das Vorwissen über das Kind
  • der emotionale und soziale Zusammenhang

Bedeutung des Blickkontakts

Blickkontakt ist eines der wichtigsten Signale im Unterricht:

  • Sucht ein Schüler Blickkontakt, signalisiert das meist Interesse oder Aufmerksamkeit.
  • Weicht er aus, spricht das oft für Unsicherheit.
  • Starrt er herausfordernd, kann das provozierend wirken.
  • Ein natürlicher Wechsel zwischen Hinsehen und Wegsehen zeigt Gesprächsbereitschaft.

Weitere typische Signale

  • Hochgezogene Augenbrauen: Überraschung, Entsetzen
  • Senkrechte Zornesfalte: Zweifel, Skepsis, Ärger
  • Naserümpfen: Unbehagen, Abneigung
  • Weit geöffneter Mund: Staunen, Angst oder Entsetzen (je nach Kontext)
  • Zusammengepresste Lippen: Anspannung
  • Auf-Lippen-Kauen: Überforderung
  • Augenreiben bei Grundschulkindern: Überforderung oder Müdigkeit

Da Kinder weniger Falten haben als Erwachsene, ist ihre Mimik oft subtiler – und verlangt genaues Hinsehen.


Können Lehrkräfte „richtige“ Körpersprache lernen?

Lehrkräfte können Körpersprache nicht perfekt steuern – aber ihre Wirkung reflektieren und bewusst einsetzen.

Was hilft?

  • Körpersprache und verbale Botschaften müssen übereinstimmen.
  • In schwierigen Situationen braucht es authentische Autorität: klare Stimme, klare Gesten.
  • In Fortbildungen lernen Lehrkräfte, ihr körpersprachliches Repertoire zu erkennen und zu erweitern.

Eine kleine Lehrerin, die häufig mit lautstarken pubertierenden Schülern diskutieren muss, braucht andere Werkzeuge als ein besonders großer, körperlich präsenter Lehrer.
Wichtig bleibt: Körpersignale der Schüler zu erkennen und angemessen zu reagieren.

Kulturunterschiede beachten

In Klassen mit hohem Migrationsanteil ist wichtig:
Gestik kann kulturspezifisch stark variieren.
Schüler können sehr gut Deutsch sprechen – und dennoch gestisch in ihrer Herkunftskultur kommunizieren.


Körpersprache und moderne Technik

Digitale Systeme und E‑Learning können viel – aber nicht Körpersprache lesen.
Ein Computer erkennt keine:

  • aufkommende Überforderung
  • Aggressionssignale
  • Müdigkeit
  • fehlende Aufmerksamkeit

Gerade Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Grundschulkinder brauchen ein Gegenüber, das ihre nonverbalen Signale versteht. Ein Algorithmus kann diese Feinheiten nicht interpretieren.

Hybride und digitale Lernansätze bleiben daher auf pädagogische Expertise angewiesen.


Kommentar: Können diese Augen lügen?

Mimik verrät oft schneller und klarer als Worte, wie es einem Kind wirklich geht.
Die Körpersprache von Lehrkräften beeinflusst wiederum, wie sicher, motiviert oder verunsichert Schüler sich fühlen.
Pantomime Samy Molcho formuliert es treffend:

„Körpersprache ist wie gesprochene Sprache – aber sie kann nicht lügen.“

Augen, Hände, Haltung: Diese Instrumente bewusst einzusetzen, kann Unterrichtssituationen entspannen, Eskalationen verhindern und Lernprozesse fördern. Die wenigsten nutzen dieses Potenzial vollständig – doch es lohnt sich, es zu entdecken.


Buchempfehlungen und Links

Links:

Website von Samy Molcho
(1936 geboren, österreichischer Staatsbürger, einer der bedeutendsten Pantomimen des 20. Jahrhunderts, hat die Kunst der Pantomime erstmals um rein psychologische und dramatische Elemente erweitert.)
» www.samy-molcho.at

Buchtipps:

Rudolf Heidemann
Körpersprache im Unterricht.
Ein Ratgeber für Lehrende
Quelle & Meyer, 2009

Julia Kosinár
Körperkompetenzen und Interaktion in pädagogischen Berufen: Konzepte – Training-Praxis
Klinkhardt, 2009

Pearl Nitsche
Nonverbales Klassenzimmermanagement
printyourbook
Inge Reichardt Verlag, 2009

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Gestik
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Haltung
Körper
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Pantomime
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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