Traumberuf Lehrer?

Entwicklung und Erziehung
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von Hildegard Dierks
„Was willst Du einmal werden?“ Früher antworteten Kinder „Lehrerin“ oder „Lehrer“. Der Lehrerberuf war gesellschaftlich hoch angesehen.Das Ansehen des Lehrerberufs hat Kratzer bekommen. Nicht besonders viele Abiturientinnen und Abiturienten möchten ein Lehramtstudium aufnehmen im Vergleich zu dem sich abzeichnenden hohen Bedarf an Lehrkräften.
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„Was willst Du einmal werden?“

Früher antworteten Kinder „Lehrerin“ oder „Lehrer“. Der Lehrerberuf war gesellschaftlich hoch angesehen. Er stand für ein sicheres Einkommen, für eine verantwortungsvolle akademische Tätigkeit, die die Zukunft eines Landes sichert. Das Ansehen des Lehrerberufs hat Kratzer bekommen. Nicht besonders viele Abiturientinnen und Abiturienten möchten ein Lehramtstudium aufnehmen im Vergleich zu dem sich abzeichnenden hohen Bedarf an Lehrkräften. Wo ist der Nachwuchs für den Lehrerberuf? Wir brauchen mehr junge Menschen, die mit Kompetenz und Leidenschaft diesen Beruf ausüben möchten, um ein ausgeglichenes Lehrerkollegium in allen Schulformen und Fächern vorhalten zu können.

Ein Traum von einem Beruf? – Mediale Präsenz

Medien machen Meinung und beeinflussen unser Denken über bestimmte Berufe. Wie ist die mediale Präsenz von Lehrern?

Der Lehrerberuf erscheint medial im Zusammenhang von sexuellem Missbrauch, von Schultests, deren Ergebnisse sich bessern aber nur sehr langsam. Der Lehrer ist Hauptakteur in einem international als oft schlecht beurteilten dreigliedrigen Schulsystem. Trauriger Höhepunkt im Zusammenhang mit dem Lehrerberuf sind Schulmassaker. Die, die genauer hinschauen, erfahren in der Presse von langen Ausbildungen oder von schwierigen Einstellungsbedingungen, obwohl der Bedarf an Lehrern unumstritten ist. Der Lehrerberuf hat im Wesentlichen schlechte und problematische Presse.

Berufe, die in den von jungen Leuten hoch frequentierten Medien bejubelt werden, sind Sänger, Model, Medienberufe, Sternköche, Gerichtsmediziner oder Kommissare. Beliebteste Studienfächer sind Jura und Betriebswirtschaft.

Lehrerberuf – Informieren und aufmerksam machen

Laut statistischem Bundesamt haben rund 456 000 Schülerinnen und Schüler in Deutschland die Hochschul- oder Fachhochschulreife im Jahr 2010 erworben, davon erwarben 69,1% also die Mehrheit der Studienberechtigten die allgemeine Hochschulreife oder die fachgebundene Hochschulreife.

Es muss darum gehen, viele geeignete Abiturientinnen und Abiturienten für das Lehramtsstudium zu gewinnen, damit auch in Zukunft gut ausgebildete Lehrkräfte an unseren Schulen eingestellt werden können.

Verantwortliche in Lehrerverbänden und Bildungspolitik werden und müssen aktiv werden, um diesen traditionsreichen Beruf im Wandel schulpolitischer Veränderungen ins Bewusstsein junger Menschen zu rücken.

Arbeitsagenturen führen beispielweise in Kooperation mit Schulministerien in den Schulen Informationsveranstaltungen durch. Auch auf Bildungsmessen wie der Bildungsmesse Einstieg werden informierende Workshops zum Lehrerberuf angeboten.

Es geht darum zu verdeutlichen, dass der Lehrerberuf mehr ist als Wissensvermittlung, darum aufzuzeigen in welchen Schulformen und welchen Fächern ein besonderer Bedarf besteht. Informiert werden muss über Aufstiegsmöglichkeiten, über Bezahlung und nicht zuletzt auch über Möglichkeiten im Ausland zu arbeiten.
In den sogenannten MINT-Fächern fehlen Lehrkräfte insgesamt, besonders jedoch weibliche Lehrkräfte. In den Grundschulen mangelt es dagegen an Lehrern. In Schule allgemein sind Männer weiter auf dem Rückzug aus dem Lehrerberuf, so meldete der bayerische Lehrerinnen und Lehrerverband zum Weltfrauentag 2011. Es fehlt darüber hinaus an Lehrerinnen und Lehrern mit Migrationshintergrund. Der Bedarf an Lehrern ist regional verschieden und ändert sich.

Der Wunsch sich mit Kindern und Jugendlichen auseinander setzen zu wollen ist für das Ergreifen des Lehrerberufs entscheidend. Wer Kinder und Jugendliche nicht besonders mag, es nicht mag sich persönlich einzubringen in seinem Beruf ist für diesen Beruf nicht geeignet, so beschrieb der Vorsitzende der Vorsitzenden des Philologenverbandes in Nordrhein-Westfalen, Peter Silbernagel jüngst in einem Interview zum Thema "Werbung für den Lehrerberuf".

Informationsveranstaltungen in Schulen und Workshops auf Bildungsmessen zum Lehrerberuf sehen sich jedoch mit einem Problem konfrontiert. Geredet wird viel über gute Bildung. In der Wirklichkeit wird jedoch oft gespart. Lehrerbesoldung muss konkurrieren mit gut bezahlten Gehältern in der Wirtschaft. Es ist keine leichte Aufgabe dieser Konkurrenz standzuhalten, wenn die Eingangsbesoldung von Lehramtanwärtern beispielweise um circa 200 Euro im Zuge einer Sparmaßnahme von der Bayerischen Staatsregierung reduziert wurde, bemängelt der Bayerische Lehrerinnen und Lehrerverband zum Weltfrauentag 2011 verständlicherweise.



Eignung herausfinden durch praktische Arbeit und Tests

Neben der fachlichen Kompetenz in den Studienfächern ist es wichtig herauszufinden, ob jemand für den Lehrerberuf grundsätzlich persönlich geeignet ist, um einen vorzeitigen Ausbildungsabbruch sowie ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf zu vermeiden. Das Eignungspraktikum ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung.

In Nordrhein-Westfalen wird seit den Sommerferien 2010 erstmalig die Möglichkeit angeboten ein Eignungspraktikum durchzuführen. Wer seine Eignung für den Lehrerberuf in einer Schule erproben möchte, der findet weitere Informationen zur Anmeldung und Durchführung ab Juli 2010 im Bildungsportal. Welche Schulen dieses Praktikum anbieten und Informationen dazu wie man sich um so ein Eignungspraktikum bewerben kann, finden sich auf der Website www.EliSe.nrw.de, einer Website des Schulministeriums Nordrhein-Westfalens.

Einen anderen Weg geht die Universität Passau. Am Lehrerbildungszentrum ist ein sogenanntes Eignungsfeststellungverfahren, das sogenannte Parocurs, von Professor Dr. Norbert Seibert entwickelt worden. Ziel des Verfahrens ist es, die Anwärterinnen und Anwärter für das Lehramtstudium zu finden, die das Studium vermutlich erfolgreich absolvieren können. Typische Kompetenzen für den Lehrerberuf werden in einem 1-tägigen mündlichen und schriftlichen Test ermittelt. Es erfolgt ein Beratungsgespräch, in dem unter Umständen sogar vom Lehrerberuf abgeraten wird, in dem andererseits großes Selbstbewusstsein vermittelt werden kann, wenn Kompetenzen vorhanden sind. Möglichkeiten der Weiterentwicklung können in der Beratung aufgezeigt werden. Es gehe darum, geeignete junge Menschen für den anspruchsvollen Lehrerberuf auszubilden. Ein Lehramtstudium kann keine Verlegenheitslösung sein.

Eine weniger bildungspolitische Maßnahme zur Werbung für den Lehrerberuf sondern eine praktische Maßnahme aus dem Schulalltag heraus könnte sein, wenn Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler an Gymnasien auf freiwilliger Basis in ihrer Schule bei der Hausaufgabenbetreuung unterstützen.

Das wird keine Hausaufgabenbetreuung sein, die Fachkräfte ersetzen kann aber interessierte Schülerinnen und Schüler können auf diesem Weg in einer ihnen vertrauten Umgebung einen praktischen Einblick in die Lehrerperspektive bekommen. Die in der Hausaufgabenbetreuung tätigen Schülerinnen und Schüler sollten dabei durch eine Lehrkraft betreut werden. Die verstärkte Entwicklung des Schulsystems zu Ganztagsschulen eröffnen hier neue ganz praktische Möglichkeiten Schülerinnen und Schüler den Lehrerberuf näher zu bringen.

Kommentar: Lehrer Botschafter in eigener Sache

Der Lehrerberuf ist derzeit für zu wenige Abiturientinnen und Abiturienten ein geeigneter, erstrebenswerter Traumberuf.

Das ist bedauerlich. Eignung, Begeisterung, Einstellungsmöglichkeiten und Besoldung müssen stimmen aber auch überzeugende Antworten für bekannte Probleme, die mit diesem Beruf verbunden werden, müssen gefunden werden (Vermeiden typischer Erkrankungen, Umgang mit Kindern mit Migrationshintergrund).

Lehrerinnen und Lehrer können dabei vor Ort in ihren eigenen Schulen Botschafter für ihren Berufsstand sein. Jeder Traumberuf wird irgendwann einer berufliche Realität weichen. Doch kein Grund zur Beunruhigung. Erfolgreiches Unterrichten ist auch heute noch in Zeiten großen schulischen Reformdrucks möglich.

Einige charakterliche Potenziale sollten Interessierte mitbringen, aber auch durch Erfahrungen im schulischen Alltag lassen sich Kompetenzen erwerben. Es ist auch im Lehrerberuf noch kein Meister vom Himmel gefallen. Meines Erachtens könnte die bundesweite Wiedereinführung einer reformierten pädagogischen Hochschule zu einer Aufwertung des Lehrerberufes beitragen. Die aktuellen Hochschulreformen sehen das nicht vor. Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob eine vorübergehende Männerquote für Grundschulen und eine vorübergehende Frauenquote in MINT-Fächern eine gewünschte Veränderung unterstützen kann.

Links & Literatur:

Links
Der Tagesspiegel: Traumjob Schule - Lehrer – ein unverschämt attraktiver Beruf!
http://www.tagesspiegel.de/wissen/traumjob-schule-lehrer-ein-unverschaemt-attraktiver-beruf/10164980.html

karriere.de: Realitäts-Check - Traumberuf Lehrer?
http://www.karriere.de/karriere/traumberuf-lehrer-9791/

CCT-Germany: Lehrerin, ein Traumberuf, wenn man hart dafür arbeitet!
http://www.cct-germany.de/de/3/pages/Index/110

Buchtipps:
Hoffmann, I.; Nickel I.:
Traumberuf Lehrer?
Berichte aus dem Schulalltag
Selbstverlag
Auflage: 1. 2007

Lütge, Jessica Dr.:
Relax!
Das „Wohlfühlprogramm“ für Lehrerinnen und Lehrer
Verlag an der Ruhr
2009
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Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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