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Lernen an Stationen

LĂ€chelndes MĂ€dchen bei der Gruppenarbeit
Wissen und Bildung
© Christian Schwier - Fotolia.de
von Jörg Sauer

Die sich stĂ€ndig Ă€ndernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen fĂŒhren auch dazu, dass sich die Kindern anders entwickeln als noch vor einigen Jahren. Dieser Prozess sollte alle Lehrenden stets aufs Neue ermuntern, den Unterricht zu ĂŒberdenken, um ihn möglichst genau anzupassen. Es gilt den richtigen „Mix“ unterschiedlicher Unterrichtsmethoden und Sozialformen zu finden.

Lesedauer:
4 min

Unterrichtsmethoden

Der Begriff Methode geht auf das Griechische zurĂŒck und bedeutet „das Nachgehen“, also den richtigen Weg. Im Unterricht meint er die Vermittlung und Anleitung von Inhalten, basierend auf Erkenntnissen der Lernpsychologie, Hirnforschung und Didaktik. Welche Methoden eingesetzt werden, hĂ€ngt stark von den örtlichen Rahmenbedingungen ab – etwa vom Lernumfeld der Kinder, den rĂ€umlichen Möglichkeiten der Schule oder vom Schwierigkeitsgrad des Themas.

Zu den verbreiteten Unterrichtsmethoden gehören beispielsweise der Unterricht mit Anweisungen, der sich fragend entwickelnde Unterricht, der Arbeitsunterricht und der problemorientierte Unterricht. Inhalte können deduktiv (vom Allgemeinen zum Besonderen) oder induktiv (vom Besonderen zum Allgemeinen) erschlossen werden. HÀufig werden verschiedene Methoden kombiniert.

Verschiedene Unterrichtsformen

Frontalunterricht

Diese Form wird heute seltener bevorzugt, hat aber weiterhin ihren Platz. Die Lehrkraft steuert das Geschehen, eigenstÀndiges Arbeiten ist nur eingeschrÀnkt möglich.
Er eignet sich besonders zur EinfĂŒhrung neuer Inhalte oder zur Zusammenfassung.

Einzelarbeit

Hier lösen die Kinder Aufgaben allein und können ihr Arbeitstempo und Vorgehen individuell anpassen.
Typische Einsatzfelder sind Übungsphasen, Wiederholungen oder EinfĂŒhrungen, wenn das selbststĂ€ndige Erschließen möglich ist.

Partnerarbeit

Zwei Kinder bearbeiten ein Thema gemeinsam. Diese Arbeitsform fördert TeamfÀhigkeit und gemeinsames Planen.

Partnerfindung: Die Lehrkraft kann wÀhlen oder die Kinder wÀhlen selbst; ebenso ist Zufall möglich.
Besonders sinnvoll ist Partnerarbeit bei umfangreicheren oder anspruchsvollen Aufgaben, die alleine schwer zu bewÀltigen wÀren.

Gruppenarbeit

Gruppen bestehen meist aus drei bis fĂŒnf Kindern. Sie arbeiten weitgehend selbststĂ€ndig; die Lehrkraft berĂ€t und beobachtet.

Beispiele:

  • ein gemeinsamer Auftrag wie „Die Eiche – recherchiert alles Wissenswerte“
  • selbst gewĂ€hlte Themen wie „Tiere des Waldes – das Reh“

Gruppenarbeit eignet sich bei Aufgaben, die Diskussion, Organisation, Recherche oder PrÀsentation erfordern.

Geöffnete Lernformen

Unter geöffneten Lernformen versteht man Unterrichtsformen, die offener als Frontalunterricht sind und stĂ€rker die Interessen und FĂ€higkeiten der Kinder berĂŒcksichtigen. Das soziale Miteinander wird zunehmend von den Lernenden selbst geregelt.

Dazu gehören u. a. Freie Arbeit, selbstbestimmtes Lernen, Projektunterricht, Wochenplan/Werkstattunterricht und Lernen an Stationen.

In der Reinform legen LehrkrĂ€fte keine vorgefertigten Materialien vor – die Kinder recherchieren selbststĂ€ndig mit BĂŒchern oder bereitgestellten Lernmaterialien.

Stationenlernen

Beim Stationenlernen erhalten die Kinder einen Laufzettel, auf dem alle Stationen vermerkt sind. Sie entscheiden selbst ĂŒber Reihenfolge und Zeiteinteilung.

Aufgabenarten

  • Pflichtaufgaben: grundlegende Inhalte, nötig fĂŒr Übung oder Festigung
  • Wahlaufgaben: freiwillige Vertiefungen fĂŒr Interessierte

Die Lehrkraft wirkt eher beratend und hilft gezielt bei Schwierigkeiten. Kontrollformen variieren zwischen Selbstkontrolle, Partnerkontrolle oder ÜberprĂŒfung durch die Lehrkraft.

Die Aufgaben können viele TĂ€tigkeiten umfassen – etwa Lesen, Schreiben, Basteln, Hören, Vortragen, Arbeiten am Computer oder Bewegungselemente.

Unterrichtsanregungen

Vor offenen Unterrichtsformen empfiehlt es sich, die Eltern zu informieren, da vielen diese Methoden nicht vertraut sind. Stationenlernen sollte dabei nicht mit reinem „Arbeitsblattunterricht“ verwechselt werden; auch SchulbĂŒcher oder vorhandene Materialien können genutzt werden.

Tipp: Ausgediente Materialien lassen sich oft weiterverwenden, indem man Seiten ausschneidet und laminiert.

Beispiel 1: Schriftliche Rechenverfahren (Klasse 4)

Addition und Subtraktion bis und ĂŒber 10.000, gemischte Aufgaben und kleine Problemstellungen eignen sich gut fĂŒr verschiedene Stationen.

Beispiel 2: „Der Herbst steht auf der Leiter“ (Klasse 3)

Mögliche Inhalte: eine kurze Geschichte, Wortarten, Wortfamilien, Wörterbucharbeit, Reimwörter oder kleine Detektivaufgaben rund um Sprache.

Beispiel 3: GrĂ¶ĂŸenvorstellungen – LĂ€ngeneinheiten (Klasse 3/4)

Die Kinder arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und digitalen Angeboten, um LÀngen zu vergleichen, zu messen und zu schÀtzen.

Literatur und Links

  • Falko Peschel: Offener Unterricht, Basiswissen Grundschule, BĂ€nde 9 und 10
  • Quellen siehe Originaltext

Zuletzt geÀndert am 17.02.2026

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Themen:
Unterrichtsmethoden
Unterrichtsformen
Über den Autor/die Autorin
Foto des lernando-Autors Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit ĂŒber 20 Jahren an einer Schule. Neben der LehrertĂ€tigkeit fĂŒhrte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen ĂŒber die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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