Karriereberatung für Schulabgänger
Karriereberatung für Schulabgänger
Karriereberatung für Schulabgänger Früher waren es die Eltern, heute wird mehr und mehr von Lehrerinnen und Lehrern erwartet, dass sie den jungen Menschen in ihren Klassen Hilfestellung und Anleitung geben, wenn es um das Thema Berufswahl geht.
Berufswahl heute – hohe Ansprüche, große Unsicherheiten
Interview mit Valentine Wolf‑Doettinchem, Karriereberaterin und Gründerin von Jobself
Der Wunsch nach dem „richtigen Beruf“ ist heute stärker denn je:
Er soll zu den eigenen Fähigkeiten passen, Perspektiven bieten, finanziell tragen und im besten Fall sogar einer inneren Berufung entsprechen. Doch wie findet man einen Weg, der all diesen Anforderungen gerecht wird?
Valentine Wolf‑Doettinchem begleitet seit vielen Jahren Jugendliche und Erwachsene auf ihrer beruflichen Reise – und erklärt im folgenden Interview, worauf es ankommt.
Die eigene Geschichte der Beraterin – ein ungewöhnlicher Weg
Valentine Wolf‑Doettinchem ist Diplom‑Kulturwissenschaftlerin und ‑pädagogin, Kommunikationstrainerin und Gründerin der Unternehmen lotus c sowie JOBSELF – dein Job und du.
Ihr Werdegang zeigt, wie komplex berufliche Wege sein können:
Nach dem Studium gründete sie gemeinsam mit anderen eine PR‑Agentur. Nach einigen Jahren wurde das Unternehmen verkauft – inklusive Team. Wolf‑Doettinchem wechselte daraufhin in eine große Agentur und arbeitete dort als Teamleiterin.
Mit Anfang 30 folgte ein Wendepunkt:
Ein Burnout – ausgelöst durch eine unerkannte Krankheit und berufliche Überforderung – führte sie in ein einjähriges Sabbatical in einem buddhistischen Kloster. Dort fasste sie den Mut, wieder zu ihren pädagogischen Wurzeln zurückzukehren.
2004 gründete sie ihr eigenes Beratungsunternehmen. Ihre früheren beruflichen Stationen – Konzeption, Text, Grafik, Präsentation, Führung – beeinflussen ihre Arbeit bis heute.
Vor allem aber:
Sie weiĂź aus eigener Erfahrung, was berufliche Neuorientierung bedeutet.
Was Karriereberatung leisten kann
Karriereberatung unterstützt Menschen bei sämtlichen beruflichen Übergängen:
von Schule in Beruf, von Studium ins Arbeitsleben, von Elternzeit in den Wiedereinstieg – oder in Phasen, in denen man spürt, dass die bisherige Tätigkeit nicht mehr passt.
Wolf‑Doettinchems Klienten suchen häufig:
- mehr Sinn in ihrer Arbeit
- Klarheit über Talente und Stärken
- Berufliche Veränderung
- Konkrete Strategien, wie sie ihre Begabungen in die Welt bringen können
Gemeinsam entwickelt die Beraterin Wege, das eigene „Berufsangebot“ sichtbar zu machen und passende berufliche Felder zu identifizieren.
Mit JOBSELF bietet sie zudem ein spezielles Programm fĂĽr Jugendliche und junge Erwachsene von 16 bis 22 Jahren an.
Wann ist Karriereberatung besonders sinnvoll?
- Erste Berufsorientierung (Schule → Beruf / Studium)
- Studienwahl oder Studienzweifel
- Ăśbergang vom Studium in die Arbeitswelt
- Wiedereinstieg nach der Elternzeit
- Berufliche Veränderungen (z. B. Selbstständigkeit, neuer Arbeitgeber)
- „Erzwungene“ Veränderungen durch Krankheit oder Kündigung
In all diesen Situationen schafft Beratung Orientierung, stärkt Selbstvertrauen und hilft beim Finden des eigenen Maßstabs – statt sich von Erwartungen anderer treiben zu lassen.
Das Konzept von JOBSELF
JOBSELF richtet sich an junge Menschen, die ihren eigenen Weg finden möchten.
Ziele:
- Mut machen, eigene Entscheidungen zu treffen
- Stärken, Fähigkeiten und Interessen herausarbeiten
- Werte erkennen und als Orientierung nutzen
- kreative Methoden und Ăśbungen einsetzen
- Begeisterung freilegen
Motto:
„Werde, der du bist.“
– nicht: „Werde der, den Lehrer, Eltern oder Gesellschaft gut finden.“
Jobself bietet Workshops und Einzelberatungen an – persönlich oder in Kooperation mit Schulen und anderen Institutionen.
Wer kommt zu Jobself?
Die Zielgruppe ist vielfältig:
- Jugendliche, die frĂĽh die richtigen Weichen stellen wollen
- Abiturientinnen und Abiturienten, die noch orientierungslos sind
- RĂĽckkehrer aus Auslandsjahren
- junge Studierende, die ihre Studienwahl hinterfragen
- Unentschlossene, die „irgendwo dazwischen“ hängen
Warum die Jobwahl heute schwerer ist als frĂĽher
Im Internet gibt es zwar unendlich viele Informationen – aber genau das macht den Prozess schwer:
- Zu viele Informationen ohne Orientierung
- Bewertung erfolgt häufig nach äußeren Kriterien (Prestige, Verdienst…)
- fehlender „innerer Maßstab“
- wenig Wissen ĂĽber die Arbeitswelt
- Unsicherheit, ob ein Beruf wirklich zu Persönlichkeit, Stärken und Interessen passt
Eltern sagen oft: „Mach doch, was dir Spaß macht!“, aber Jugendliche können diesen Satz kaum anwenden – da ihnen die Verbindung zwischen Selbstbild und Berufswelt fehlt.
Jobself möchte diesen inneren Kompass bewusst machen.
Wie recherchiert man sinnvoll?
Wolf‑Doettinchem empfiehlt echte Gespräche mit Berufspraktikern statt nur Online‑Recherche.
Denn: Von Menschen lernt man intensiver und authentischer.
Die Rolle von Eltern und Lehrkräften
Eltern
Bleiben die wichtigsten Ansprechpartner – unabhängig vom Alter der Jugendlichen.
Ihre UnterstĂĽtzung ist wertvoll, solange sie nicht:
- zu stark projizieren
- zu sehr von ihren eigenen Erfahrungen ausgehen
- zu eng aus Perspektive der Vergangenheit denken
Da sich die Berufswelt massiv verändert, ist es wichtig, die Persönlichkeit des jungen Menschen zu stärken – nicht die alte Sicherheitslogik der Eltern.
Lehrer
Können unterstützen – aber:
- viele orientieren sich an beruflicher Sicherheit (Beamtenperspektive)
- sie kennen vor allem „Schule“, nicht zwingend die Arbeitswelt
- häufig liegt der Fokus stärker auf Defiziten als auf Potenzialen
Deshalb ist neutrale Beratung eine gute Ergänzung.
Aufbau und Formate der Workshops
JOBSELF bietet unterschiedliche Varianten:
- Eintägige Workshops mit begleitender Beratung
- Mehrteilige Workshopreihen
- Einzelcoachings
- Kooperationen mit Schulen und Partnern
Die Angebote sind flexibel kombinierbar und begleiten junge Menschen so lange, wie es fĂĽr sie hilfreich ist.
Zuletzt geändert am 13.02.2026
Dr. Gabriela Teichmann ist Journalistin und Coach, sie begleitet Menschen und Organisationen in Veränderungssituationen. Als Freie Journalistin und Buchautorin schreibt sie über die Themen Gesundheit, Bildung, Hirnforschung und Psychologie. Ihr Kinder- und Jugendbuch “Der grüne Zauberschal” handelt von dem Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Es ist als Taschenbuch und als (duftendes) Hörbuch erschienen.