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Maria Montessori – Ein Porträt

ein Junge und ein Mädchen sitzen nebeneinander
Entwicklung und Erziehung
© mediaphotos - iStockphoto.com
von Dr. Lisa Mundzeck

Maria Montessori (1870-1952), Ärztin und Reformpädagogin, hat die herkömmliche Pädagogik revolutioniert und ihr einen neuen Stempel aufgedrückt. Die so genannte Montessori-Pädagogik ist bis heute in vielen Ländern beliebt und anerkannt. Mit ihrem Handeln und Wirken war Maria Montessori eine für ihre Zeit sehr zukunftsweisende Frau. Ein Porträt.

Lesedauer:
3 min

Maria Montessori – Leben, Wirken und das Erbe ihrer Pädagogik

Maria Montessori (1870–1952) war Ärztin, Reformpädagogin und eine der einflussreichsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Mit ihren innovativen Ansätzen veränderte sie die traditionelle Pädagogik nachhaltig. Ihre Montessori‑Pädagogik – bis heute weltweit geschätzt – stellt das Kind mit seinen Bedürfnissen, Fähigkeiten und seinem natürlichen Lernwillen radikal in den Mittelpunkt.


Von Ancona in die Welt – Montessoris Lebensweg

Maria Montessori wurde 1870 nahe Ancona in Italien in eine gutbürgerliche, katholische Familie geboren. Schon früh zeigte sie ein starkes Interesse an Naturwissenschaften. Gegen gesellschaftliche Widerstände und den Willen ihres Vaters setzte sie ihren Wunsch durch, Medizin zu studieren – ein revolutionärer Schritt für eine Frau ihrer Zeit.

Nach einem ersten naturwissenschaftlichen Studium promovierte sie 1896 als erste Ärztin Italiens zum Doktor der Medizin. Bald spezialisierte sie sich auf Kinderheilkunde und arbeitete an der römischen Universitätsklinik mit geistig behinderten Kindern. Ihre Beobachtungen erschütterten sie: Viele der Kinder litten nicht unter angeborener Unterentwicklung, sondern unter fehlender Förderung.


Wissenschaftliche Arbeit und pädagogische Grundlagen

Montessori las intensiv die Werke von Jean‑Itard und Édouard Séguin, die Pioniere der Heilpädagogik waren. Sie übernahm und erweiterte deren Ansätze, indem sie die Kinder genau beobachtete und versuchte, ihre Bedürfnisse zu verstehen.

Sie wurde Dozentin für Anthropologie in Rom, hielt Vorträge für Lehrerinnen und leitete zwei Jahre eine Schule zur Ausbildung von Pädagogen für behinderte Kinder. Um ihre Erkenntnisse zu vertiefen, studierte sie zusätzlich Psychologie, Anthropologie und Pädagogik – ein interdisziplinärer Ansatz, der ihre spätere Arbeit entscheidend prägte.

Bald stellte sie sich eine groĂźe Frage:
Können diese pädagogischen Methoden auch gesunden Kindern zugutekommen?


Das „Casa dei Bambini“ – Beginn einer weltweiten Bewegung

1907 eröffnete Montessori im römischen Stadtteil San Lorenzo ihr erstes „Casa dei Bambini“, ein Kinderhaus für sozial benachteiligte Kinder. Dort übertrug sie ihre Fördermethoden erstmals systematisch auf gesunde Kinder.

Die Ergebnisse waren revolutionär:
Kinder lernten selbstständig, konzentriert und voller Freude. Montessori war überzeugt:
„Das Kind lehrt die Erzieherin“ – durch Beobachtung zeige es, was es brauche.

Ihr erstes Hauptwerk „Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter“ erschien 1913 auf Deutsch und verbreitete ihre Ideen weltweit.


Internationale Anerkennung und politische Hindernisse

In den folgenden Jahren reiste Montessori durch viele Länder, hielt Vorträge und gründete Ausbildungsstätten. 1924 wurde ihre Methode in italienischen Schulen eingeführt.

Doch der Faschismus bremste die Entwicklung. Montessori lebte mehrere Jahre in Indien und kehrte erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa zurĂĽck. Seit 1949 bis zu ihrem Tod 1952 lebte sie in den Niederlanden.


Die Grundideen der Montessori-Pädagogik

Montessoris pädagogische Grundprinzipien beruhen auf intensiver Beobachtung von Kindern. Sie glaubte fest daran, dass jedes Kind:

  • aus eigenem Antrieb lernen möchte,
  • keine Strafe oder Belohnung braucht,
  • sein eigenes Tempo und seinen Rhythmus bestimmen sollte,
  • eine vorbereitete Umgebung benötigt, die freies Lernen ermöglicht.

Wesentliche Leitgedanken

1. Das Kind als eigenständige Persönlichkeit

Jedes Kind folgt einem individuellen Lernbedürfnis. Es entscheidet selbst, womit es sich beschäftigt und wie lange es sich einem Thema widmet.

2. Freiarbeit und offener Unterricht

Kinder wählen Materialien und Aufgaben selbst. Die Rolle des Erwachsenen: begleiten, beobachten, Impulse geben – aber nicht dominieren.

3. „Hilf mir, es selbst zu tun.“

Dieser Grundsatz beschreibt Montessoris Haltung perfekt. Kinder sollen lernen, aus eigener Kraft zu handeln, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen und ihre Fähigkeiten zu entdecken.

4. Vorbereitete Umgebung

Alle Materialien sind kindgerecht, ästhetisch, selbsterklärend und fördern eigenständiges Arbeiten. Der Raum selbst ist „Lehrer“.

5. Der Erwachsene als Lernbegleiter

Pädagogen sind nicht Wissensvermittler, sondern unterstützende Beobachter, die das Kind ernst nehmen und seine Individualität respektieren.


Montessori heute – aktueller denn je

Montessori-Pädagogik hat weltweit Schulen, Kinderhäuser, Bildungseinrichtungen und Eltern inspiriert. Ihre Grundideen – Selbsttätigkeit, Freiheit im Rahmen, Respekt vor dem Kind – sind heute zentrale Prinzipien moderner Reformpädagogik.


WeiterfĂĽhrende Links und Literatur

(Die ursprĂĽnglichen Links und Literaturhinweise habe ich ĂĽbernommen und ĂĽbersichtlich formatiert.)

Links

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Montessori
  • http://www.montessori-shop.de/images/Lebenslauf-Montessori.pdf
  • http://www.montessori.de/
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Montessorip%C3%A4dagogik

Literatur

  • Ingeborg Waldschmidt: Maria Montessori: Leben und Werk, 3. Aufl., 2010
  • Maria Montessori: Kinder sind anders, 14. Aufl., 2010
  • Maria Montessori: Das kreative Kind, Nachdruck 2007
  • P. Oswald & G. Schulz-Benesch: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, 2008
  • Maria Montessori / H. Ludwig: Die Entdeckung des Kindes, Bd. 1, 2010
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Lisa Mundzeck

Dr. Lisa Mundzeck ist promovierte Historikerin und arbeitet als freie Online-Journalistin, wissenschaftliche Autorin und Archivarin in Hannover.

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