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Förderung von Hochbegabten

ein Junge sitzt vor einem Rechenschieber
Entwicklung und Erziehung
© acilo - iStockphoto.com

Diagnose „hochbegabt“, das trifft auf zwei bis drei Prozent eines Jahrgangs zu. Hochbegabte haben einen Intelligenzquotienten von mehr als 130 (zum Vergleich: der Durchschnitt der Bevölkerung liegt im Bereich zwischen 95 bis 100, ab 115 spricht man von ĂŒberdurchschnittlicher Intelligenz). Bereits im Kindergartenalter können zeigen sie oft FĂ€higkeiten, die ihre Altersgenossen nicht fertigbringen.

Lesedauer:
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Hochbegabte Kinder erkennen und fördern Diagnose „hochbegabt“, das trifft auf zwei bis drei Prozent eines Jahrgangs zu. Hochbegabte haben einen Intelligenzquotienten von mehr als 130 (zum Vergleich: der Durchschnitt der Bevölkerung liegt im Bereich zwischen 95 bis 100, ab 115 spricht man von ĂŒberdurchschnittlicher Intelligenz).

Bereits im Kindergartenalter können sie oft FĂ€higkeiten zeigen, die ihre Altersgenossen nicht fertigbringen, in der Schulzeit setzt sich diese Entwicklung oft fort. Damit hochbegabten Kindern nicht der Langeweile-Kollaps droht und sie ihre Unterforderung eventuell sogar kompensieren und zum Klassenclown werden oder sich ganz aus dem Unterrichtsgeschehen verabschieden, ist die rechtzeitige Diagnose und richtige Förderung so wichtig. Aber woran lassen sich hochbegabte Kinder erkennen? Schließlich gibt es nach Aussage von Experten nicht nur eine, sondern gleich mehrere verschiedene Formen von Hochbegabung:

  • logisch-mathematische Hochbegabung
  • sprachliche Hochbegabung
  • musikalische Hochbegabung
  • bildnerisch-kĂŒnstlerische Hochbegabung
  • sensomotorische Hochbegabung (körperliche Begabung)
  • soziale Hochbegabung

    Manchmal sind Kinder in mehreren Bereichen hochbegabt, manchmal geht die Hochbegabung in einem Bereich jedoch auch mit völlig durchschnittlichen FĂ€higkeiten in anderen Feldern einher. Ein Beispiel dafĂŒr ist der NobelpreistrĂ€ger Albert Einstein, der zwar brillant in den Naturwissenschaften war, sprachlich jedoch nur recht durchschnittliche Leistungen zeigte. Auch muss nicht jedes hochbegabte Kind gleich auffĂ€llig werden und andererseits steckt nicht in jedem schlecht erzogenen unaufmerksamen SchĂŒler ein verkanntes Genie.

    Es ist also nicht ganz einfach, die Diagnose Hochbegabung zu stellen. Am besten, so Erziehungsfachleute, ist die Diagnose durch eine Psychologin oder einen Psychologen. Diese Anzeichen können Eltern aber auch selbst erkennen – sie deuten zumindest auf eine Hochbegabung hin:
     
    1. Ein fĂŒr das Alter ungewöhnlich großer Wortschatz und eine ausdrucksvolle Redeweise,
    2. Interesse fĂŒr Themen, die nicht zum Alter passen,
    3. Braucht wenig Schlaf
    4. AusgeprÀgten Gerechtigkeitssinn
    5. Neugierde
    6. Hohe SelbstÀndigkeit
    7. Eher Àltere als gleichaltrige Freunde,
    8. Obwohl das Kind immer interessiert und wach wirkte, arbeitet es in der Schule plötzlich nicht mehr mit bzw. schulische Leistungen werden plötzlich deutlich schlechter.

    Auf eine Hochbegabung deuten natĂŒrlich auch alle Zeichen ĂŒberdurchschnittlicher intellektueller LeistungsfĂ€higkeit hin. Zum Beispiel ein sehr gutes SprachverstĂ€ndnis oder hohe FĂ€higkeiten zum komplexen, logischen Denken. Anders als allgemein angenommen ist das frĂŒhe Schreiben- und Lesen-Können jedoch kein eindeutiges Anzeichen einer Hochbegabung, sondern deutet lediglich auf ein besonderes Interesse an Sprache und/oder Zahlen hin. Wie lĂ€sst sich Hochbegabung erkennen? Je jĂŒnger ein Kind ist, desto schwieriger ist die Diagnose Hochbegabung, nicht zuletzt weil die Entwicklung der Intelligenz in diesem Alter hohen Schwankungen unterliegt. Leichter fĂ€llt das bei Ă€lteren Kindern. An erster Stelle steht bei der Diagnose immer die Verhaltensbeobachtung durch Eltern, Erzieher und LehrkrĂ€fte. Sie erkennen als erste Abweichungen von der durchschnittlichen Entwicklung. Aber Achtung: Gerade die EinschĂ€tzung der Eltern ist nicht immer zuverlĂ€ssig, da viele Eltern dazu neigen, die Leistungen ihrer Kinder zu ĂŒberschĂ€tzen.

    Auch werden Jungen öfter fĂŒr hochbegabt gehalten als MĂ€dchen – zu Unrecht. Aber auch Erzieher und Lehrer können irren. Zum einen, weil ihre Ausbildung ihnen keine Bewertungsgrundlagen geliefert hat, zum anderen weil sie sich zum Teil kaum von den intellektuellen Leistungen eines Kindes lösen können. In der Schule werden daher hochintelligente Kinder, die keine guten Noten erzielen (sogenannte „Underachiever“), oft nicht als hochbegabt erkannt.

    ZuverlĂ€ssiger sind sogenannte Intelligenzstrukturtests, die ein vergleichsweise breites Spektrum der intellektuellen FĂ€higkeiten abdecken. DurchgefĂŒhrt werden sie von Psychologen, auch Erziehungsberatungsstellen oder KinderĂ€rzte können oft weiterhelfen. Zur Förderung in der Schule haben sich inzwischen verschiedene AnsĂ€tze herausgebildet. Im Wesentlichen unterscheidet man in:

    a) beschleunigtes Lernen („Akzelaration“), bei dem Kinder z.B. vorzeitig eingeschult werden, in altersgemischten Klassen unterrichtet werden, Klassen ĂŒberspringen oder Teilunterricht in höheren Klassen erhalten.

    b) eine weitere Möglichkeit ist das so genannte „vertiefte Lernen“ („Enrichment“). Dabei bleibt das Kind im Klassenverband, wird jedoch individuell gefördert. Arbeitsgemeinschaften, die Wahl zusĂ€tzlicher FĂ€cher, Teilnahme an bundesweiten SchĂŒlerwettberben oder die Kooperation mit UniversitĂ€ten sorgen dann fĂŒr zusĂ€tzliche Anregung.

    c) in speziellen Klassen und Schulen wird eine Kombination aus den beiden beschriebenen Möglichkeiten angeboten. In Intensivkursen, „D-Zug-Klassen“ oder auf zweisprachigen Schulen kann auf die Anforderungen Hochbegabter ganz speziell eingegangen werden. Links Deutsche Gesellschaft fĂŒr das hochbegabte Kind e.V.
    www.dghk.de

    Vereinigung von Menschen mit hoher Testintelligenz
    www.mensa.de

    Zentrum fĂŒr Begabungsförderung
    www.bildung-und-begabung.de

    Foto: iStockPhoto/acilo