Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

Doping in der Schule?

von Hildegard Dierks



© alfio scisetti - iStockphoto.com
Doping ist in unseren Köpfen zunächst einmal eng mit Leistungssport verbunden. Der Wunsch zu den Siegern zu gehören ist bei allen groß. Der Dopingbegriff hat sich in jüngster Zeit erweitert. Wir sprechen von Hirndoping, um den Arbeitsalltag besser zu bestehen. Zappelige und unkonzentrierte Kinder werden mit Ritalin behandelt, um im Reiz überfluteten Alltag zurecht zu kommen, für Lehrer, Eltern und Mitschüler ansprechbar zu sein. Wann fängt Doping an, wann hört es auf? Was ist Medizin? Welche Tabletten werden genommen, nur um schlechte Gefühle zu unterdrücken?

Thema Doping: Ein Unterrichtsthema


Schülerinnen und Schüler dopen in der Mehrzahl nicht, um ihre sportlichen Leistungen zu verbessern. Dennoch werden auch sie bei Sportereignisse immer wieder mit dem Thema „Doping im Sport“ konfrontiert und realisieren genau wie die Diskussion darum geführt wird.

„Doping“ muss deshalb auch im Sportunterricht, Chemieunterricht, Biologieunterricht oder in einem fächerübergreifenden Projekt thematisiert werden. Schülerinnen und Schüler sollten ein Problembewusstsein für folgende Fragen entwickeln. Welche Dopingmittel gibt es? Haben ärztlich verordnete Medikamente eine Doping(neben)wirkung? Gibt es Hochleistungssport ohne Doping? Wie gut können Dopingtests sein? Sollen Dopingmittel freigegeben werden? Wie soll man mit „überführten“ Dopingsündern umgehen? Was ist ein Arzneimittel, was ist eine Droge und was ist Doping? Welche Nebenwirkungen haben Medikamente? Wer ist ein echter Sportheld? Wer ist ein guter Verlierer? Fair sein im Sport? Kann ich bedenkenlos Eiweißprodukte im Fitnessstudio kaufen für den Muskelaufbau?

Insbesondere im Leistungskurs Sport ist das Thema Doping relevant. Einige grundsätzliche Aspekte des Themas „Doping“ ändern sich nicht. Andere Aspekte wie zum Beispiel neue Erkenntnisse über die Biochemie des Körpers sowie neue Nachweisverfahren oder Gerichtsurteile unterliegen hoher Aktualität. Das Internet ist deshalb stärker als bei anderen Themen zur Materialbeschaffung beim Thema Doping im Unterricht von Bedeutung, beispielweise auf sportunterricht.de.

Leistungsdruck für alle – Ein Nährboden für Doping?


Leistungsdruck kann eine Bedingung für die Einnahme von Dopingmitteln sein. Was könnten Bedingungen für unheilvolle Allianzen in Schule von heute sein, die es begünstigen, dass eine Schülergeneration von Tablettenschluckern in unseren Schulen heranwächst, weil kurzfristig alle davon profitieren?

Am Tag des Examens geht es um was. Einige Eltern entwickeln, wenn es um Schulabschlüsse geht, falschen Ehrgeiz und übertragen ihre Wünsche auf die Kinder. Die Messlatte an ihre schulischen Leistungen wird bei Schülern oft hoch angesetzt. In der Schulaufgabe möchte manches Kind eine persönliche Höchstleistung bringen. Leistungsdruck durch Notendruck gab es jedoch schon immer.

Anders als früher kommen allerdings neue Herausforderungen für die Beteiligten hinzu. Schulleiter brillieren gern öffentlich mit einer hohen Zahl an Abiturienten mit der Note 1,0 ebenso wie die Schulbehörden. So heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung der Hamburger Schulbehörde, dass nach dem vorläufigen Stand im Jahr 2012 von 8 211 Schülerinnen und Schülern, die das Abitur bestanden haben, 111 die Traumnote 1,0 erhalten haben. Allein sechs Schüler/innen des Christianeums (Othmarschen) haben eben diese Traumnote erhalten. Wer möchte sein Kind nicht auf einer Schule mit so erfolgreichen Absolventen anmelden?

Schulen stehen heute in Konkurrenz zu einander. Bei Eltern spricht sich schnell herum, wie viele Kinder der vierten Klasse einer Grundschule anschließend zum Gymnasium gehen. Es drohen Schulschließungen.

Ein besonderes Augenmerk sollte auf das Thema Doping in Sportgymnasien gelegt werden, denn dort werden die Hochleistungssportler von morgen ausgebildet. Leistungsdruck in Schule und Unterricht hat weitere Dimensionen. Schülerinnen und Schüler kämpfen wie immer um soziale Anerkennung bei Gleichaltrigen. Dabei ist es wichtig, nicht zu den Opfern zu gehören sondern zu den Meinungsmachern und Anführern. Für schlechte Gefühle wie Ängste, Depressionen und Einsamkeit ist offiziell wenig Platz. Die Wirklichkeit sieht anders aus, die Zahl psychischer Erkrankungen nimmt aufgrund vielfältiger Belastungen bei schulpflichtigen Kindern zu.

ADHS, Ritalin und Co. – Im Vormarsch in unseren Schulen


Eine spezielle Form von „Erkrankung“ stellt das sogenannte ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) dar. Der Umgang mit dieser Krankheit (oder ist es gar keine) polarisiert im hohen Maße.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung leiden 3- 6 Prozent der Schulkinder an ADHS. Die Krankheit kann den schulischen Alltag und ein erfolgreiches Lernen erheblich beeinträchtigen, wenn man sich nicht um Therapie bemüht. Die Kinder können sich nicht konzentrieren, sie sind sehr unruhig und neigen zu impulsivem Verhalten, das sie nicht gut steuern können.

Zur Therapie dieser Krankheit wird häufig Ritalin oder eine ähnliche Substanz verschrieben. Der Verband Bildung und Erziehung verweist auf eine Studie der Techniker Krankenkasse. Die Studie zeigt, dass die Zahl der bei ihnen versicherten Kinder, die mit dieser Diagnose konfrontiert sind von 2006-2009 drastisch gestiegen ist. Es heißt 2006 wären noch circa 17 800 der versicherten Kinder mit Ritalin oder einem ähnlichen Medikament versorgt worden, 2009 bereits circa 25 000.

Befürworter gehen davon aus, dass das Medikament richtig angewendet von großem Nutzen ist, während Kritiker herausstellen, dass Langzeitschäden nicht ausgeschlossen werden und Fehlentwicklungen im Umfeld der Kinder für ihre Probleme verantwortlich sind, weniger eine hirnorganische Erkrankung.

Alle sind sich einig, dass die Diagnose ADHS sehr sorgfältig von Spezialisten gestellt werden muss. Die Gabe von Ritalin oder ähnlichen Medikamenten ist - richtig angewendet - ein „Baustein“ im Rahmen eines gesamttherapeutischen Konzepts, um großen Druck akut aus der Lebenssituation der betroffenen Kinder, Lehrer und Eltern zu nehmen. Auch ein über alle Maßen zappeliges und unkonzentriertes Kind bleibt schulpflichtig und muss den Schulalltag jeden Tag gemeinsam mit Lehrern und Mitschülern bewältigen. Psychotherapeutische Maßnahmen oder Ergotherapie wirken nicht immer zuverlässig und wenn stellt sich der Erfolg nur langsam ein. Das ist das Problem.

Von Fachleuten richtig dosiert eingesetzt, hilft Ritalin ein krankheitsbedingtes Defizit auszugleichen und dient nicht einer unfairen Leistungssteigerung.

Gute Vorbereitung und realistische Ziele


Im Zusammenhang mit der Verbreitung psychoaktiver Substanzen in unserer Gesellschaft allgemein und in der Schule im Besonderen geht es grundsätzlich darum, wie Konzentration, Aufmerksamkeit und erfolgreiches Lernen heute gelingen kann.

Oft müssen die Lernziele der Kinder modifiziert werden. Schulkinder müssen Hilfen bekommen, mit ihren Stärken und Schwächen leben zu lernen.

Da psychische Erkrankungen und unruhige Verhaltensauffälligkeiten bei Schulkindern zunehmen, ist es heute wichtiger als früher, dass Schülerinnen und Schüler Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung lernen. Der Philosoph Christoph Türcke empfiehlt in seinem aktuellen Buch „Hyperaktiv! Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur“ das Schulfach Ritualkunde, in dem alle Kinder (nicht nur einige wenige) wieder lernen für lange Zeit aufmerksam und konzentriert zu sein. Diese Fähigkeit scheint mehr und mehr bei Kindern und Erwachsenen verloren zu gehen.

Der Verband Bildung Erziehung mahnt im Zusammenhang mit dem zunehmenden Ritalinkonsum schulpflichtiger Kinder wieder einmal kleinere Klassen und eine gute Betreuung an. Zutrauen zur eigenen Leistung, nicht Ausflippen, wenn man etwas nicht geschafft hat, sondern neu ansetzen, all dieses lernen Kinder nicht zuletzt durch emotional stabile, fördernde Beziehungen zu ihren Eltern und Lehrern. Ein hoher Krankenstand bei Lehrern, eine kurze Vertragsdauer der beschäftigten Sozialpädagogen sorgen für Unruhe und Unsicherheit. Ständig wechselnde Beziehungen sind ein Teil einer chaotischen Reiz überfluteten Umgebung der Schulkinder.

Ohne Doping Leistung zeigen ist möglich


Doping ist ein Thema in der Schule, weil es ein Thema in unserer Gesellschaft ist. Die Zahl herausfordernder Schüler in der Regelschule wird zunehmen. Unser Schulalltag ist allerdings keineswegs dominiert von der Wirkung psychoaktiver Substanzen und Doping. Die Motivation zu einem möglichst substanzfreien Lernen und Schulbetrieb muss vor allem intrinsisch sein, erzeugt durch Aufklärungsarbeit und beruhigende Bedingungen. Mit guten Lernbedingungen und stabilen Beziehungen zu Erwachsenen sind die meisten Schülerinnen und Schülern Leistungssituationen gewachsen.

Bei unklaren Krankheitsbildern von Schulkindern, die eine Gabe psychoaktiver Substanzen angezeigt erscheinen lässt, sollte das Einholen einer Zweitmeinung verpflichtend sein. Wird es in Zukunft nicht nur die zahnärztliche Schuluntersuchung geben, sondern zusätzlich auch allgemeinärztliche Schuluntersuchungen, wie von Gesundheitsminister Bahr kürzlich empfohlen, gehört die Problematik „ADHS- Ritalin“ sowie Medikamentenkonsum der Kinder mit auf die Tagesordnung.

Literatur- & Linktipps


Buchtipp

Türcke Christoph: „Hyperaktiv! Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur!,
Beck Verlag 2012

Linktipp

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