Direkt zum Inhalt

InternetkriminalitĂ€t – Risiken und PrĂ€vention

MĂ€dchen im Dunkeln vor Rechner
Entwicklung und Erziehung
© Shestakoff - Fotolia.de
von Christine Kammerer

Zu den hÀufigsten Delikten im Internet gehören Betrug, Sabotage und Softwarepiraterie. Aber auch bei der Verbreitung von pornographischen und Gewalt verherrlichenden Schriften weist das Internet eine traurige Bilanz aus. Vor diesem Hintergrund gewinnt gerade die Sensibilisierung minderjÀhriger Internetnutzer zunehmend an Bedeutung.

Lesedauer:
3 min

Medienkompetenz – wichtiger denn je

Medienkompetenz genießt in der Aufmerksamkeit unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Kinder und Jugendliche sollten möglichst frĂŒhzeitig fĂŒr den Umgang mit Computer, Internet und mobilen EndgerĂ€ten fit gemacht werden. Das Kapitel der Sicherheit im Umgang mit den Medien wird dabei gerne vernachlĂ€ssigt.

Doch Medienkompetenz hat weit mehr als nur eine Dimension. Sie umfasst neben Fertigkeiten, die das technische Knowhow im Umgang mit dem jeweiligen Medium betreffen, die FĂ€higkeit der sinnvollen Auswahl und realistischen Bewertung der Inhalte und darĂŒber hinaus gehend eben auch den aktiven (Selbst)Schutz vor den damit verbundenen Risiken. Wer aktiv mit Medien umgeht und sie nicht nur zur Kommunikation einsetzt, sondern im besten Falle auch selbst gestaltet, verfĂŒgt in aller Regel ĂŒber ein fundiertes Wissen darĂŒber, wie Medien-Inhalte zu beurteilen sind, welche Konsequenzen die Verbreitung persönlicher Daten und Bilder haben kann und wie man mit konkreten GefĂ€hrdungssituationen besser umgehen kann.

Risikopotenziale

Die Massenmedien verbreiten regelmĂ€ĂŸig Hysterie bezĂŒglich der SicherheitslĂŒcken gĂ€ngiger Betriebssysteme, doch die DatenĂŒbertragung im Internet ist weitaus sicherer als hĂ€ufig unterstellt wird. Reale Bedrohungen lauern meist dort, wo man sie zunĂ€chst nicht vermuten wĂŒrde, zum Beispiel bei Downloads oder E-Mail-AnhĂ€ngen. Diese mögen auf den ersten Blick seriös und harmlos erscheinen, können jedoch den Computer mit Schadsoftware infizieren.

Eine weitere Form der InternetkriminalitĂ€t, von der vor allem soziale Netzwerke betroffen sind und die inzwischen zu trauriger BerĂŒhmtheit gelangt ist, ist das Cybermobbing. Hier nutzen die TĂ€ter des Internet, um ihre Opfer bloßzustellen und zu drangsalieren. Die vermeintliche AnonymitĂ€t im Internet setzt ihre Hemmschwelle herab, der Übergang von Spaß zur Gewalt ist dabei hĂ€ufig fließend. Fortgesetzte Beleidigungen und Schikanen erfolgen meist ohne jegliches Unrechtsbewusstsein. Auch mĂŒssen die TĂ€ter keinen unmittelbaren Kontakt zum Opfer fĂŒrchten und genießen zudem oft die Aufmerksamkeit eines großen Publikums in den entsprechenden Plattformen. Nicht selten werden sie zusĂ€tzlich durch Kommentare anderer Teilnehmer ermutigt und angeheizt.

Aktive PrÀventionsstrategien

Die Liste der möglichen Risiken ließe sich beliebig fortsetzen. Kindern und Jugendlichen sind diese Bedrohungspotenziale hĂ€ufig nicht bewusst. Sie begeben sich daher hĂ€ufig allzu leichtfertig und vertrauensvoll in Gefahr. Deswegen liegt die Hauptaufgabe der Eltern und PĂ€dagogen nach wie vor bei der Bewusstmachung kritischer Situationen im Internet. Im Gegensatz zu aktiven Strategien der PrĂ€vention bewĂ€hren sich passive Sicherheitsroutinen, die von gewerblichen Anbietern angepriesen werden wie zum Beispiel Ratingsysteme nicht. Ratingsysteme bewerten Web-Inhalte nach verschiedenen Kriterien wie zum Beispiel im Hinblick auf sexualisierten Kontext und Gewalt. Sie werden von den meisten Browser unterstĂŒtzt und ermöglichen so eine altersgerechte Auswahl von Web-Seiten. Die notwendigen Einstellungen mĂŒssen jedoch von Eltern oder Erziehern vorgenommen und vor allem regelmĂ€ĂŸig ĂŒberprĂŒft und aktualisiert werden, was sich zumeist in der tĂ€glichen Praxis als all zu aufwĂ€ndig erweist. Von „Überwachungsprogrammen“, die den AktivitĂ€ten der jugendlichen Nutzer hinterher spionieren, ist sogar gĂ€nzlich abzuraten, da sie das VertrauensverhĂ€ltnis zwischen der Heranwachsenden und ihren Bezugspersonen zerstören – ein kostbares Gut, auf das Eltern und Erzieher im Zweifelsfall dringend angewiesen sind.

Konkrete Hilfestellungen

Es kann angesichts von gehĂ€uft auftretenden Straftaten, die im Zusammenhang InternetaktivitĂ€ten stehen, nicht oft genug wiederholt werden, dass persönliche Daten wie Name, Adresse, Telefonnummer und Bankverbindung auf gar keinen Fall weitergegeben werden dĂŒrfen. Auch Fotografien oder Filme, die persönlicher Natur sind, sollten unter keinen UmstĂ€nden verbreitet werden. Die Sicherheit von Passwörtern muss stets gewĂ€hrleistet sein. Downloads und E-Mail-AnhĂ€nge sollten niemals geöffnet werden, wenn sie nicht nachweislich von Freunden oder seriösen Anbietern stammen.

Ein aktuelles Antivirenprogramm gehört zur Grundausstattung eines PCs und auch WechseldatentrĂ€ger wie USB-Sticks etc. mĂŒssen vor dem Aktivieren der Daten routinemĂ€ĂŸig ĂŒberprĂŒft werden. Besondere Vorsicht ist insbesondere dann geboten, wenn Kinder sich online verabreden. Eltern sollten ĂŒber den Aufenthaltsort und die Kontakte ihrer Kinder stets informiert sein. Deren Bewusstsein sollte aber auch dahin gehend geschĂ€rft werden, dass sie bei allen ungewöhnlichen Vorkommnissen im Zusammenhang mit ihren Internet-AktivitĂ€ten umgehend das GesprĂ€ch mit erwachsenen Vertrauenspersonen suchen oder sich zumindest an Freunde und entsprechende Beratungs-Stellen im Internet wenden.

Linktipps

Beitrag teilen:
Themen:
InternetkriminalitÀt
Cybermobbing
Medien
Computer
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

Weitere BeitrÀge lesen