Generation iPad – der lange Abschied von der Kreidezeit
Generation iPad – der lange Abschied von der Kreidezeit
Computer und Internet sind heute bereits an allen deutschen Schulen vorhanden, doch Studien zeigen, dass sie im Schulalltag kaum genutzt werden. Auf dem gesamten Bildungssektor liegt Deutschland auf Platz 17 im internationalen Vergleich, wenn es um die Einbeziehung von digitalen Medien in den Unterricht geht. Spalten Sich Deutschlands Schulen zunehmend von der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft ab?
Digitale Medien an deutschen Schulen – Lücken und Chancen
Computer und Internet sind inzwischen an allen deutschen Schulen verfügbar, dennoch zeigt sich: Der Einsatz im Unterricht bleibt begrenzt. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf Platz 17, wenn es um die Integration digitaler Medien geht. Schulen scheinen sich zunehmend von der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft zu entfernen. Die Gründe dafür und mögliche Konzepte für die Zukunft des Unterrichts werden hier beleuchtet.
Digitale LĂĽcken im Schulalltag
Die Gesellschaft digitalisiert sich rasant, doch die Schulen hinken hinterher. Studien aus 2011 belegen:
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Internetnutzung: 100 % der 14- bis 29-Jährigen nutzen das Internet.
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Mobile Endgeräte: 95 % der 10- bis 18-Jährigen besitzen ein Handy.
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Hausaufgaben am PC: 75 % erledigen Aufgaben regelmäßig am Computer.
In der Schule sieht die Realität anders aus:
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Rund 43 % der Schüler nutzen den Computer gar nicht oder weniger als einmal pro Woche.
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Täglicher digitaler Unterricht gehört nur für 15 % der Schüler zum Alltag.
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Lediglich jeder vierte Schüler hat wöchentlich Zugang zu PC-gestütztem Unterricht.
Fehlende Ressourcen und Lehrkompetenz
Ein wesentlicher Hemmfaktor ist der chronische Geldmangel deutscher Schulen. Digitale Medien sollen nach dem Prinzip der Chancengleichheit nur dann eingesetzt werden, wenn alle Schüler gleichberechtigten Zugang haben – dafür fehlt jedoch oft das Budget.
Zusätzlich erschwert die aktuelle Lehrergeneration die Nutzung: Viele Lehrkräfte sind nicht mit Computern aufgewachsen und müssen sich technische Fertigkeiten nebenbei aneignen.
Unterricht der Zukunft – mobiles Lernen und Blended Learning
Blended Learning kombiniert Online-Lernen mit klassischem Präsenzunterricht. In einer vollständig digitalisierten Schule könnten Lehrer und Schüler sämtliche mobile Endgeräte wie Tablets nutzen. Beispiele für den Einsatz im Unterricht:
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8:00 Uhr – Anwesenheitskontrolle: Der Lehrer prüft die Anwesenheitsliste digital und sieht sofort, ob eine Entschuldigung vorliegt.
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Englisch-Vokabeltrainer: Schüler üben selbstständig Vokabeln, Fortschritte werden grafisch dokumentiert.
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Textkompetenz abfragen: Schüler markieren Kernsätze eines Textes in einer App. Die Lehrkraft sieht sofort die Ergebnisse, die Schüler können ihren Lernerfolg eigenständig verfolgen.
Digitale SchulbĂĽcher und multimediale Inhalte
Auch in Wissensfächern lassen sich digitale Medien effektiv einsetzen:
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Multimediale Elemente: Grafiken, Bilder und Videos bereichern den Unterricht, machen Inhalte lebendig und fördern den Lernerfolg.
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Interaktive Beteiligung: Schüler können aktiv Aufgaben lösen und ihren Fortschritt selbst überprüfen.
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Digitalisierte Schulbücher: Diese sind aktueller, günstiger (keine Druckkosten) und ermöglichen eine flexible Differenzierung nach individuellem Leistungsniveau.
Die deutschen Schulbuchverlage haben sich auf eine gemeinsame digitale Plattform geeinigt:
„Das digitale Buchregal enthält die Bücher aller beteiligten Verlage in einem einheitlichen Format. Schulen, Lehrer und Schüler können ihre Bildungsmedien so bequem verwalten, lesen und nutzen.“
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge, Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.