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Wer war eigentlich Madame Bovary?

Bild eines aufgeschlagenen Buches
Entwicklung und Erziehung
© Weigand - Photocase.com

Emma Bovary ist die Heldin des Romans „Madame Bovary“, mit dem der französische Autor Gustave Flaubert 1857 weltberühmt wurde. Emmas Suche nach einem Sinn in ihrem Leben, ihre Sehnsucht nach Liebe und ihre vergeblichen Ausbruchsversuche und Kompensationen sprechen noch immer zahllose Leser an.

Lesedauer:
2 min

Wer war Madame Bovary? – Die Geschichte von Emma Bovary

Emma Bovary ist die zentrale Figur im berühmten Roman „Madame Bovary“ des französischen Autors Gustave Flaubert, der 1857 veröffentlicht wurde. Obwohl das Werk schon mehr als 150 Jahre alt ist, bleibt die Geschichte aktuell und faszinierend: Emmas Suche nach Sinn, ihre Sehnsucht nach Liebe und ihre vergeblichen Versuche, dem Alltag zu entkommen, sprechen noch heute zahlreiche Leserinnen und Leser an.

Emma stammt aus einem bürgerlichen Elternhaus und heiratet den Landarzt Charles Bovary, der von ihrer Schönheit und Bildung beeindruckt ist. Voller Vorfreude beginnt sie ihr neues Leben – doch die romantischen Vorstellungen aus den Romanen ihrer Jugend treffen auf die realistische Dorfalltagspraxis.

Schon bald wird Emma enttäuscht: Charles arbeitet unermüdlich, ist viel unterwegs, und die Langeweile des ländlichen Alltags breitet sich aus. Selbst ein Umzug in einen anderen Ort, den Emma initiiert, kann die Leere in ihrem Leben nicht füllen.

„Madame Bovary“ gilt daher nicht nur als Meisterwerk der französischen Literatur, sondern auch als zeitloses Porträt einer Frau, die nach Leidenschaft, Freiheit und Selbstverwirklichung strebt – und dabei tragisch scheitert.

Unerfüllte Leidenschaft – Emmas tragischer Weg in den Abgrund

Im neuen Wohnort Yonville glaubt Emma Bovary zunächst, ihrem eintönigen Leben entkommen zu können. Dort begegnet sie dem jungen Notariatsgehilfen Léon, der – genau wie sie – Literatur und Musik liebt. Zwischen beiden entsteht eine zarte Verliebtheit, doch bevor sich daraus mehr entwickeln kann, zieht Léon nach Paris.

Emma bleibt zurück, enttäuscht und voller Sehnsucht. Ihre Leidenschaft bleibt unerfüllt, und die Leere in ihrem Leben wächst weiter. Selbst die Geburt der gemeinsamen Tochter Berthe verändert nichts daran. Ihre Abneigung gegen ihren Mann Charles nimmt zu, denn er kann ihre Einsamkeit nicht lindern.

Kaufsucht als Flucht vor der inneren Leere

Um Léon zu vergessen und sich selbst zu betäuben, verfällt Emma zunehmend einer Kaufsucht. Immer mehr Kleider, Schmuck und Luxusgüter sollen ihr Leben aufregender machen. Doch um diese teuren Wünsche zu finanzieren, beginnt sie, ihren Mann zu belügen – und verschuldet die Familie immer stärker.

Affäre mit Rodolphe – Hoffnung auf Leidenschaft

Kurz darauf lernt Emma den wohlhabenden Landbesitzer Rodolphe kennen. Begierig stürzt sie sich in eine Affäre mit ihm und glaubt, endlich die große Liebe gefunden zu haben. Doch auch diese Beziehung kann nicht mit ihren romantischen Sehnsüchten mithalten.

Emma steigert sich immer tiefer in die Liebschaft hinein und plant sogar eine gemeinsame Flucht. Doch Rodolphe erscheint nicht zum vereinbarten Treffpunkt. Stattdessen hinterlässt er nur einen Abschiedsbrief. Emma bricht zusammen und wird schwer krank.

Rückkehr zu Léon und endgültiger Absturz

Nach ihrer Genesung reist Emma mit Charles nach Rouen, wo sie bei einem Opernbesuch erneut auf Léon trifft. Die beiden beginnen eine zweite Affäre – diesmal intensiver als zuvor. Emma überschüttet Léon mit Geschenken, doch ihre finanzielle Lage verschlechtert sich dramatisch.

Als die Schulden fällig werden und den Bovarys die Pfändung droht, sucht Emma verzweifelt Hilfe – erst bei Léon, dann bei Rodolphe. Doch beide weisen sie zurück.

Selbstmord und das tragische Ende der Familie Bovary

Emma sieht keinen Ausweg mehr. In ihrer Verzweiflung begeht sie Selbstmord, indem sie Arsen nimmt.

Doch auch nach ihrem Tod endet das UnglĂĽck nicht:

  • Die Schulden stĂĽrzen die Familie ins Elend.

  • Charles Bovary zerbricht, verliert seine Existenz und stirbt als gebrochener Mann.

  • Tochter Berthe bleibt allein zurĂĽck und wächst in Armut bei einer Tante auf, die sie schlieĂźlich zur Arbeit in eine Baumwollspinnerei schickt.

Der Erfolg von Madame Bovary

Der Welterfolg von Gustave Flauberts „Madame Bovary“ beruht vor allem auf der damals völlig neuartigen Erzählweise des Romans. Anders als viele Werke seiner Zeit verzichtet Flaubert auf einen Ich-Erzähler und wählt eine neutrale Erzählperspektive.

Diese ermöglicht es ihm, die Umwelt der Figuren realistisch zu beschreiben, während die innere Gefühlswelt von Emma und den anderen Charakteren durch erlebte Rede vermittelt wird. Besonders bemerkenswert ist dabei die ironische Darstellung der Innenwelt, die die Diskrepanz zwischen Emmas Sehnsüchten und der Realität des Dorfalltags eindrucksvoll aufzeigt.

Mit Madame Bovary bereitete Flaubert damit den Weg für die Entwicklung des modernen realistischen Romans und stellte sich bewusst gegen die Konventionen der Romantik. Dennoch betonte der Autor selbst, dass seine Werke nicht strikt dem Realismus zugeordnet werden könnten – vielmehr verfolgte er einen eigenen literarischen Ansatz, der Realität und künstlerische Gestaltung auf innovative Weise vereinte.

Beim Erscheinen löste der Roman - trotz seines Erfolges beim Publikum - einen Skandal aus. Flaubert musste sich wegen Verletzung der öffentlichen Moral vor Gericht verantworten, weil er den Ehebruch in seinem Buch nicht eindeutig als verwerflich bezeichnet hatte.

Foto: Weigand/Photocase