Wer war eigentlich Madame Bovary?

Entwicklung und Erziehung
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Emma Bovary ist die Heldin des Romans „Madame Bovary“, mit dem der französische Autor Gustave Flaubert 1857 weltberühmt wurde. Emmas Suche nach einem Sinn in ihrem Leben, ihre Sehnsucht nach Liebe und ihre vergeblichen Ausbruchsversuche und Kompensationen sprechen noch immer zahllose Leser an.
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Wer war eigentlich Madame Bovary? Emma Bovary ist die Heldin des Romans "Madame Bovary", mit dem der französische Autor Gustave Flaubert 1857 weltberühmt wurde. Obwohl das Erscheinungsdatum mehr als 150 Jahre zurückliegt, ist der Stoff Flauberts heute so aktuell wie damals. Emmas Suche nach einem Sinn in ihrem Leben, ihre Sehnsucht nach Liebe und ihre vergeblichen Ausbruchsversuche und Kompensationen sprechen noch immer zahllose Leser an.

Emma stammt aus bürgerlichem Haus. Als junge Frau heiratet sie den Landarzt Charles Bovary, der von der attraktiven und gebildeten Emma fasziniert ist. Voller Freude und Erwartung stürzt sie sich in die Ehe.

Aufgewachsen mit romantischen Vorstellungen aus Romanen, erwartet sie ähnliche Leidenschaft in ihrer Ehe. Doch sie wird bald enttäuscht. Ihr Idealbild von der Liebe kann mit der Realität des Dorfalltags und der Landarztpraxis nicht stand halten.

Während Charles unermüdlich arbeitet und kaum zuhause ist, macht sich in Emma eine bald unerträgliche Leere breit. Auch der Umzug in einen anderen Ort, zu dem sie Charles überredet, ändert daran nichts.

Unerfüllte Leidenschaft In Yonville, dem neuen Heim, verliebt sich Emma in den Notariatsgehilfen Leon. Wie sie liebt er Literatur und Musik. Bald darauf zieht er jedoch nach Paris um und Emma trauert ihrer unerfüllten Leidenschaft nach. Gleichzeitig wächst trotz der Geburt der gemeinsamen Tochter Berthe ihre Abneigung gegen ihren Mann, der ihre Einsamkeit nicht lindern kann. Um Leon zu vergessen, steigert sich Emma in die Kaufsucht hinein. Immer mehr Kleider, immer edlere Luxusgüter braucht sie, um ihre innere Leere zu überdecken. Um das zu finanzieren, belügt sie ihren Mann und verschuldet die Familie zunehmend.

Als sie wenig später den vermögenden Landbesitzer Rodolphe kennenlernt, stürzt sich Emma begierig in eine Affäre mit ihm. Doch auch hier kann die Wirklichkeit nicht mit ihren Sehnsüchten konkurrieren. Um das zu verdecken, steigert sie sich immer mehr in die Liebschaft und plant eine gemeinsame Flucht mit Rodolphe.

Zum vereinbarten Treffpunkt erscheint er aber gar nicht, statt dessen findet sie dort einen Abschiedsbrief. Emma wird krank, nach ihrer Genesung reist sie mit Charles zu einem Opernbesuch nach Rouen und trifft dort den alten Freund Leon. Erneut beginnt sie eine Affäre, diesmal mit dem Notar. Sie überschüttet ihn mit Geschenken.

Nun holt sie allerdings ihre Verschwendungssucht ein. Als die Schulden fällig werden und den Bovarys die Pfändung droht, versucht Emma erst von Leon und dann von Rodolphe Hilfe zu bekommen. Jedoch vergeblich. Emma steht vor dem Nichts und sieht nur noch einen Ausweg - Selbstmord durch Arsen.

Ihre Schulden stürzen ihre Familie dennoch ins Elend. Charles Bovary stirbt als gebrochener Mann, nachdem er seine wirtschaftliche Existenz verloren hat und auch noch die Briefe Leons und Rodolphes an Emma findet. Berthe, die Tochter, lebt in Armut bei einer Tante, die sie zur Arbeit in eine Baumwollspinnerei schickt.

Erfolg des Romans Im Wesentlichen verantwortlich für den Erfolg des Romans, war seine für die damalige Zeit neuartige Erzählweise. Flaubert verzichtet auf einen Ich-Erzähler und wählt statt dessen eine neutrale Erzählperspektive. Realistische Beschreibungen der Umwelt wechseln ab mit erlebter Rede, mit der die Innenwelt der Figuren ironisch wiedergegeben wird. Flaubert bereitete so mit "Madame Bovary" die Entwicklung des modernen realistischen Romans vor und brach mit der Romantik. Allerdings beharrte Flaubert selbst darauf, dass seine Bücher nicht dem Realismus zuzuordnen seien.

Beim Erscheinen löste der Roman - trotz seines Erfolges beim Publikum - einen Skandal aus. Flaubert musste sich wegen Verletzung der öffentlichen Moral vor Gericht verantworten, weil er den Ehebruch in seinem Buch nicht eindeutig als verwerflich bezeichnet hatte.


Foto: Weigand/Photocase