Schulfähigkeit -
Zeit für die Schule
Schulfähigkeit -
Zeit für die Schule
Früher sprach man davon, dass ein Kind "reif" für die Schule wurde. Heutzutage spricht man eher von der so genannten "Schulfähigkeit". Was steckt hinter diesen Begriffen - und woran sollten sich Eltern, Kinder, Erzieherinnen sowie Erzieher und Lehrkräfte orientieren, wenn ein Kind in die Schule kommt?
Schulfähigkeit – was Kinder vor der Einschulung wirklich brauchen
Das letzte Kindergartenjahr neigt sich dem Ende zu – und damit beginnt für Vorschulkinder der Übergang in die Grundschule. Früher sprach man von „Schulreife“, einem eher statischen Begriff: Man ging davon aus, dass ein Kind einfach nur „ausreifen“ müsse, um bereit für die Schule zu sein.
Heute verwendet man stattdessen den Begriff „Schulfähigkeit“. Dieser beschreibt ein flexibles Verständnis: Kinder bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit, und durch individuelle Förderung kann jedes Kind in einer inklusiven Grundschule erfolgreich lernen und mitarbeiten.
Schulfähigkeits- und Schulreifetests – was wird untersucht?
In vielen Bundesländern gibt es vor der Einschulung weiterhin Tests, um die Schulfähigkeit eines Kindes einzuschätzen. Dabei werden verschiedene Entwicklungsbereiche betrachtet:
Kognitive Fähigkeiten
Hier geht es unter anderem darum:
- einfache, altersgemäße Anweisungen zu verstehen und umzusetzen
- Formen, Mengen oder Farben zu benennen
- grundlegende logische Zusammenhänge zu erkennen
Fein- und Grobmotorik
Beobachtet wird z. B.:
- wie sicher ein Kind malt, zeichnet oder schneidet
- wie es läuft, springt oder sich bewegt
- wie gut es Alltagsbewegungen koordiniert
Soziale und personale Kompetenzen
Dieser Bereich spielt heute eine besonders große Rolle. Wichtig ist:
- Wie verhält sich das Kind in der Gruppe?
- Kann es Konflikte lösen?
- Kennt es grundlegende Regeln – und hält es sich daran?
- Ist es sich seiner eigenen Bedürfnisse bewusst?
- Kann es Gefühle ausdrücken und Hilfe einfordern?
Schon in der Kita unterstützen Beobachtungsbögen, Portfolios und Entwicklungsgespräche ein gemeinsames Bild von Reife und Entwicklung.
Zusammenarbeit von Eltern, Kita und Grundschule
Eine enge Kooperation aller Beteiligten erleichtert den Schulstart deutlich.
Empfehlungen:
- Regelmäßig Austauschgespräche mit den Erzieherinnen und Erziehern führen
- Entwicklungsstand, Stärken, Herausforderungen und Ziele schriftlich festhalten
- Kontakte zwischen Kita und Grundschule fördern
- Gemeinsame Feste, Hospitationen und gegenseitige Besuche fest in den Alltag integrieren
So können Kita‑Kinder beispielsweise die Grundschule besuchen, während Schulkinder als Lesepaten in die Kita kommen.
Individuelle Voraussetzungen beachten – jedes Kind entwickelt sich anders
Kein Kind entwickelt sich linear. Das betont auch Schulpsychologe Bernd Deseniß (Landesschulbehörde Lüneburg):
„Die Entwicklung von Kindern verläuft nicht linear und nicht bei allen Kindern gleich.“
Wichtig:
Einige Kinder können früher eingeschult werden, andere benötigen mehr Zeit. Entscheidend ist, was für das einzelne Kind sinnvoll ist.
In inklusiven Grundschulen lernen Kinder nach ihren eigenen Möglichkeiten und in ihrem individuellen Tempo. Besonders die jahrgangsgemischte Eingangsstufe unterstützt dies:
Kinder können die Klassen 1 und 2 in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen.
Ein gutes Fundament schaffen – gemeinsam und wertschätzend
Damit der Schulstart gelingt, braucht es:
- Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes
- Respekt vor seiner bisherigen Lernbiografie
- offenen Dialog zwischen Eltern, Kita und Schule
- Verständnis für unterschiedliche Entwicklungswege
So entsteht für jedes Kind ein stabiler, sicherer und positiver Übergang in die Welt der Schule.
Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.