Bilinguale Erziehung
Bilinguale Erziehung
Chinesisches Au-pair-Mädchen, englische Reime im Kindergartenalter und mit sechs Jahren in die internationale Schule – was nach babylonischem Sprachdurcheinander klingt, ist für immer mehr Kinder heute schon Realität. Mit ausgelöst wurde der Trend zur mehrsprachigen Erziehung von Berichten über die Zeitfenster, während derer Kinder besonders empfänglich für bestimmte Lerninhalte sein sollen.
Bilinguale Erziehung: Chancen von klein auf
Viele Eltern sind überzeugt, dass mehrsprachige Erziehung ihren Kindern in einer globalisierten Welt einen schulischen und beruflichen Vorsprung verschaffen kann. Tatsächlich zeigen Experten, dass Kinder bis etwa zehn Jahre eine Fremdsprache besonders gut lernen – vorausgesetzt, sie können eine emotionale Beziehung zur Sprache aufbauen.
Persönlicher Bezug fördert den Spracherwerb
Ein enger Bezug zur Sprache erleichtert den Lernprozess. Besonders wirksam ist er, wenn:
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ein Elternteil die Fremdsprache spricht
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familiäre Beziehungen zu einem fremdsprachigen Kulturkreis bestehen, etwa durch Großeltern
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Kinder regelmäßig Kontakt zu einer Bezugsperson haben, wie einem Au-Pair oder einer Erzieherin in einer bilingualen Kita
Regelmäßigkeit und Gelassenheit sind ebenfalls entscheidend. Unter diesen Bedingungen kann eine zwei- oder dreisprachige Erziehung Kindern nicht nur beim Spracherwerb helfen, sondern auch ihre kommunikative Kompetenz und Flexibilität steigern. Auch sporadische bilinguale Kontakte im Kleinkindalter können Impulse setzen und das spätere Lernen erleichtern.
Bilingualer Unterricht in der Schule
Immer mehr Schulen bieten bilingualen Unterricht als Alternative oder Ergänzung zum klassischen Fremdsprachenunterricht an. Besonders verbreitet ist in Grundschulen das Konzept der Immersion, also das „Eintauchen“ in die Fremdsprache:
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Kinder werden schon ab der 1. Klasse ohne große Vorbereitung in einer Fremdsprache unterrichtet, meist in Englisch, teilweise auch in Spanisch, Russisch oder Italienisch.
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In Sachsen und Brandenburg gibt es sogar zweisprachigen Unterricht in Nieder- und Obersorbisch.
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Ziel ist, die Sprache „nebenbei“ zu erlernen und Begriffe durch Wiederholung und konkrete Anwendung zu verinnerlichen.
An weiterführenden Schulen erfolgt bilingualer Unterricht meist behutsamer. Profilklassen ab der 7. Jahrgangsstufe bieten Gesellschaftsfächer wie Geschichte oder Erdkunde in einer Fremdsprache an. Auch der Sportunterricht eignet sich als Einstieg, da hier Begriffe durch Handlungen verdeutlicht werden.
Der bilinguale Unterricht ergänzt den regulären Fremdsprachenunterricht, ersetzt ihn jedoch nicht. Nur wenige Schulen führen zu einem offiziellen bilingualen Abschluss. Dennoch versprechen sich Schüler und Eltern Vorteile:
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Verbessertes Verständnis der Fremdsprache
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Höhere Aufgeschlossenheit für andere Kulturen
Selbst wenn nicht jede Schule ein umfassendes bilingualer Programm anbietet, lohnt sich frühe Mehrsprachigkeit für Kinder, um ihre Sprachfähigkeiten und interkulturelle Kompetenz nachhaltig zu fördern.
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.