Frustrationstoleranzgrenze - was ist das und wozu braucht man das?
Frustrationstoleranzgrenze - was ist das und wozu braucht man das?
Im Kindergarten, bei der Einschulungsuntersuchung oder bei irgendeiner anderen Gelegenheit fällt plötzlich das Wort, verbunden mit einer Aufforderung: „Die Frustrationstoleranz-grenze von Eva ist gering, daran müssen Sie unbedingt arbeiten.“ Da stellt sich natürlich die Frage, was das genau ist und wie man als Eltern daran arbeiten kann.
Wortbedeutung
„Frust“ beschreibt Ärger, „Toleranz“ die Fähigkeit, etwas auszuhalten.
Frustrationstoleranz bedeutet daher: Ein Mensch kann eine unangenehme Situation ertragen, ohne sofort auszurasten. Die Frustrationstoleranzgrenze ist der Punkt, an dem dieses Aushalten endet und der Ärger explosionsartig herauskommt – etwa wenn ein Spielzeug zertritt, ein Brettspiel durch die Gegend fliegt oder neue Stiefel die Kellertreppe hinuntersegeln.
Auslöser
Wo diese Grenze liegt, hängt von vielen Faktoren ab. Kinder reagieren in fremden Umgebungen oft anders als zu Hause. Beispiele:
- Ein Kind beherrscht etwas gut, trifft aber auf jemanden, der es noch besser kann – und statt Ehrgeiz kommt Wut hoch.
- Ein Kind kann zu Hause eine Schleife binden, im Kindergarten aber scheitert es plötzlich daran.
- Kinder reagieren gereizt, wenn Erwachsene gar nicht helfen, zu viel helfen, die Bemühungen übersehen oder sie übermäßig in den Mittelpunkt stellen.
Jedes Kind – wie jeder Erwachsene – hat eigene Grenzen. Erwachsene können belastende Situationen besser einschätzen und meiden, Kinder hingegen probieren viel aus und stoßen daher häufiger an Herausforderungen.
Stärken fördern
Was Erwachsenen hilft, kann auch Kindern helfen: Erfolge erleben.
Kinder müssen wissen, dass sie in vielen Bereichen etwas können. Ihre Leistungen sollten altersgemäß anerkannt werden – ohne Vergleiche mit anderen.
Ein Beispiel:
Ein Kind, das eine Bahn schwimmt, profitiert nicht davon zu hören, dass ein anderes Kind doppelt so schnell schwimmt. Wichtig ist, die individuelle Leistung zu würdigen:
- „Toll, heute hast du viel mehr geschafft als letzte Woche!“
- „Ich hätte nicht gedacht, dass du heute so weit kommst – super!“
Wenn etwas nicht klappt, hilft ein Rückgriff auf frühere Erfolge – aber ohne Vorwurf:
- Gut: „Du kannst das schaffen, letzte Woche hat es doch auch geklappt!“
- Schlecht: „Warum stellst du dich so an – du konntest das doch schon!“
Kinder sollen verstehen, dass nicht jeder in allem gut sein kann – aber vieles erlernbar ist. Sätze wie „Ich konnte das auch nie!“ helfen weniger als Ermutigung:
„Ich habe mir viele blaue Flecken geholt, bis ich den Berg runterkam.“
Und wenn etwas misslingt, kann die Aufmerksamkeit auf eine andere gelungene Situation gelenkt werden.
Mogeln erlaubt
Erwachsene sind ihren Kindern in vielen Dingen überlegen. Spiele bieten eine gute Möglichkeit, trotzdem Erfolgserlebnisse zu schaffen. Eltern dürfen sich zwischendurch absichtlich schlechter machen, damit das Kind gewinnt – knapp, aber sichtbar.
So lernen Kinder, dranzubleiben und erleben Erfolg. Mit zunehmendem Alter braucht es weniger UnterstĂĽtzung, und das Spiel wird zu einer echten Herausforderung fĂĽr beide.
Sachen kritisieren – nie das Kind
Kritik sollte sich immer auf die Sache, nie auf das Kind beziehen.
Wenn ein Bild misslungen ist, hilft nicht:
- „Das hast du schlecht gemacht.“
Sondern eher:
- „Das Bild ist nicht so geworden wie deine anderen. Schau mal, wie gut das hier gelungen ist – das schaffst du wieder.“
- „Meinst du nicht, das Bild könnte schöner werden? Ich zeig dir einen Trick.“
So bleiben Selbstvertrauen und Motivation erhalten.
Nach dem Runterfallen wieder aufsteigen
Dieser Grundsatz gilt weit ĂĽber das Reiten hinaus. Nach Misserfolgen brauchen Kinder ein Erfolgserlebnis, um nicht aufzugeben:
- Nach einem misslungenen Ausschneideversuch etwas Einfacheres schneiden.
- Nach einem Sturz mit dem Fahrrad – trösten, und danach bald wieder aufsteigen, statt das Fahrrad wegzuschließen.
Erreichbare Ziele setzen
Kinder, die sich unerreichbare Ziele setzen, verlieren schnell die Motivation.
Sobald sie merken, dass sie etwas nicht schaffen können, geben sie auf.
Realistische Ziele sind daher wesentlich besser – Schritt für Schritt, damit Erfolge spürbar werden.
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Manon Sander ist Mutter von 6 Kindern und auĂźerdem Autorin fĂĽr Fach- und KinderbĂĽcher.