Über den Autor/die Autorin

Alexandra von Plüskow - Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski ist Grundschullehrerin. Sie arbeitet in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis. Sie verfasst Beiträge zu vorschulischen und schulischen Themen und ist als Lehrbeauftragte in der Lehrkräfteausbildung tätig. Derzeit absolviert sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur systemischen Coachin und Prozessbegleiterin.

Sprachförderung in der Grundschule – mithilfe von Geschichten. Was Lehrkräfte und Eltern hierüber wissen sollten

von Alexandra von Plüskow - Kaminski



© Monkey Business - Fotolia.de
Lesen in der Grundschule, wer darunter noch das laute Vorlesen von einzelnen Textabschnitten versteht, hat vielerorts weit gefehlt. Moderner Leseunterricht fußt auf klassischer und moderner Kinderliteratur, auf dem Vorlesen und Betrachten von Bilderbüchern – genauso wie auf dem gemeinsamen Lesen von ganzen Büchern. Dabei werden nicht nur die Lesefähigkeit und soziale Kompetenzen wie etwa das gemeinsame Leseerlebnis und das Rücksichtnehmen gefördert, sondern in hohem Maße auch die sprachliche Fähigkeit von Grundschulkindern ausgebaut. Der folgende Beitrag möchte Ihnen zeigen, wie dies geschieht.

Lesen in der Grundschule

Beim Lesen in der Grundschule geht es neben der technischen Fähigkeit, zu lesen, auch darum, Texten Sinn entnehmen zu können. Diese Kompetenz wird beispielsweise anhand von Fragen zum Text oder auch mithilfe kreativer Aufgaben wie etwa dem Weiterschreiben einer Geschichte gefördert. Lesen soll nicht als einsames Erleben erfahrbar gemacht werden, sondern auch als Erlebnis für die Lerngruppe. Dies kann ganz besonders durch das gemeinsame Rezipieren von Bilderbüchern oder auch von ganzen Büchern, so genannten Ganzschriften, gefördert werden.

Sprachliche Aspekte

Gelesen wird die Lektüre entweder etwa im Rahmen der gesamten Lerngruppe. So zum Beispiel ein Bilderbuch oder ein Teil einer Lektüre im Sitzkreis. Während freier Lesezeiten können sich die Kinder aber auch mit der Lektüre eigenständig und in eigenem Tempo widmen.
Bei dem gemeinsamen und individuellen Lesen bietet es sich geradezu an, über das Schuljahr hinweg ein Lesetagebuch zu führen, um einerseits das individuelle Leseerleben festzuhalten, auf der anderen Seite aber auch den Austausch mit Mitschülerinnen und Mitschülern anzuregen. Haben diese die Handlung ebenso verstanden, wie man selbst? Oder gibt es für diese andere Punkte, die im Vordergrund stehen?
Wie empfinden die Mitschülerinnen und Mitschüler bestimmte Figuren – welche Stellen im Text finden sie besonders interessant? Durch das Stellen gezielter Fragen und das Beantworten dieser wird die sprachliche Ausdrucksfähigkeit bereits junger Grundschulkinder stark gefördert.

Begriffe finden

In Texten kommen zuweilen Begriffe vor, die das einzelne Kind nicht kennt. Gemeinsam in der Lerngruppe kann man diesen Wörtern auf die Spur gehen. Ist die Bedeutung gefunden, so können sie etwa im Lesetagebuch in Form eines Begrifflexikons festgehalten werden.

Sprachliche Kreativität

Das Weiterschreiben einer Geschichte nach einer Textabbruchstelle fördert die sprachliche Kreativität. Erzählungen lassen sich weiterspinnen, Figuren können hinzuerfunden werden. Hierbei trainieren Grundschülerinnen und Grundschüler einerseits das Ausführen von Geschichten. Während eines Austausches im Plenum entwickeln sie nach und nach ein Gefühl dafür, wie sie diese spannend und prägnant fortführen können.

Treffende Ausdrücke verwenden

Eine treffende Ausdrucksfähigkeit ist das A und O beim Erzählen von Geschichten. Diese lernen Grundschulkinder zum Einen während der Lektüre, zum Anderen aber auch im Rahmen der Auseinandersetzung mit dieser. Indem sie genaue Fragen stellen oder auch beantworten sowie Textstellen erörtern, wenden sie altersangemessen Ausdrücke an und lernen neue hinzu, sodass sich ihr Wortschatz stetig erweitert.

Dialoge entwickeln

Textstellen lassen sich wunderbar szenisch vortragen. Sie lassen sich aber auch hervorragend in Dialoge umschreiben. Neben der sprachlichen Kreativität lernen Kinder im Grundschulalter somit nach und nach, vor einer Gruppe frei oder nach Vorlage vorzutragen.

Das Lesen von Geschichten in der Grundschule fördert also nicht nur die Kreativität und die Fantasie der Schülerinnen und Schüler. Ganz nebenbei wird ein beträchtlicher Beitrag zu einer altersangemessenen Sprachförderung geleistet – und zwar auf allen Ebenen.

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