Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Selbstständigkeit bei Kindern fördern

von Ulrike Lindner



© Christian Schwier - Fotolia.de
Selbstständig und selbstbewusst sollen sie sein, unsere Kinder. Ihren eigenen Weg machen. Sich auf ihre Stärken verlassen und auch mal ein Risiko eingehen, um ihre Ziele zu erreichen. Nicht gleich aufgeben, sondern sich für das engagieren, was ihnen wichtig ist.


Fast alle Eltern würden diese Sätze unterschreiben. Was den meisten viel schwerer fällt ist, ihren Kindern auch den Raum zu lassen, den sie zum Wachsen brauchen. Aber ohne eigene Erfahrungen, ohne Missgeschicke, Misserfolge und Rückschläge kann sich keine Selbstständigkeit entwickeln. Im Folgenden einige Anregungen, wie Kinder zur Selbstständigkeit erzogen werden, ohne sie dabei zu überfordern.

Eigene Erfahrungen zulassen

Lassen Sie Ihr Kind eigene Erfahrungen machen – vom Kleinkindalter bis zur Pubertät ist das das wichtigste Rezept für Selbstbewusstsein. Dazu gehört zum Beispiel, dass schon kleine Kinder schwierige Situationen alleine meistern (unter Aufsicht). Lassen Sie Ihr Kind auf den Stuhl klettern, die Treppe bewältigen oder – wenn es etwas älter ist – ohne Mamas stützende Hand auf die Rutsche steigen. Erlauben Sie älteren Kindern im Kindergartenalter, beim Obstschneiden zu helfen oder alleine zum Bäcker gehen. Welche Erfahrung in welchem Alter angemessen ist, entscheiden Sie. Achten Sie aber darauf, nicht aus allzu großer Fürsorge zu viel zu verbieten – das macht Kinder unselbstständig.

Altersgemäß Verantwortung übertragen

Verantwortung zu tragen macht stolz – erlauben Sie Ihrem Kind diese Erfahrung. Wege für Verantwortung gibt es viele – Aufgaben im Haushalt, Pflege eines Haustieres, der Schulweg, der allein bewältigt wird oder das elterliche Vertrauen, dass die Hausaufgaben schon richtig erledigt werden – all das sind Möglichkeiten Ihrem Kind zu zeigen: Ich glaube an dich und vertraue darauf, dass du deiner Verantwortung gerecht wirst. Wer sein Kind in Sachen Verantwortung dagegen immer ausbremst und ihm alles abnimmt, sei es aus eigener Bequemlichkeit, aus Zeitmangel oder übertriebener Fürsorge, schadet ihm letztlich nur.

Klare Absprachen treffen

Eigenständigkeit und Selbstständigkeit heißt nicht, dass keine Regeln vorhanden sind. Im Gegenteil. In jeder Altersstufe sind klare Absprachen eine wichtige Orientierungsgröße für Eltern und Kinder. Egal, ob Ihr Dreijähriger weiß, dass auf einen unkontrollierten Trotzanfall die Auszeit im Kinderzimmer folgt oder ob die Sechzehnjährige um spätestens 22.00 Uhr zuhause sein soll – Regeln und Konsequenzen sorgen für die Verlässlichkeit, die Kinder als Orientierungsgröße dringend benötigen.

Kindern ihre Probleme nicht abnehmen

Klar – wenn Lisa traurig ist, weil ihre Freundin plötzlich keine Zeit mehr für sie hat, blutet Mutters Herz. Vielleicht kann auch ein Anruf bei Lisas Mama helfen, die Freundschaft wieder ins Lot zu bringen. Klar – wenn Paul immer wieder weggedrängt wird, wenn er an der Schaukel ansteht, ist die Versuchung groß, dass Papa mal eingreift und den Älteren den Marsch bläst. Machen Sie es sich trotz allem zur Regel, erst einmal abzuwarten, bevor Sie eingreifen. Nicht immer interpretiert ein Kind die Situation so wie Sie. Ein vorschnelles Eingreifen und vermeintliches Helfen kann dann sogar kontraproduktiv sein.
Vor allem aber: Wachsen wird ein Kind nur, indem es seine eigenen Konflikte auf seine eigene Art und Weise löst. Viel wichtiger, als jeden Stein aus dem Weg zu räumen, ist dabei Ihre Anwesenheit und Ihr Vertrauen. Eingreifen sollten Sie nur, wenn Ihr Kind sie darum bittet, durch sein Verhalten deutlich zeigt, dass es Hilfe benötigt oder wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind ohne Hilfe nicht weiter kommt.

Kinder einfach mal machen lassen

Je mehr ein Kind selbst tut, umso besser für die Entwicklung. Auch außerhalb von Problemfällen ist es daher wichtig, Kinder einfach mal im eigenen Tempo machen zu lassen – egal, ob es darum geht, dass sich eine Dreijährige selbst anzieht oder ein Zwölfjähriger seine ersten Kekse backt. Wenn Mama und Papa immer dabei sind und alles besser und schneller können, verschwindet schnell der Reiz des „ich hab‘s geschafft“, der für die Selbstständigkeit so wichtig ist. Für Eltern heißt das: Lieber mal die Kinder machen lassen – auch wenn‘s schwer fällt, weil es länger dauert, nicht so schön wird wie von Mama oder die Küche danach aussieht wie ein Schlachtfeld.

Da sein

Selbstständigkeit ist immer eine Frage des Alters. Den Rahmen, in dem das Wachsen stattfindet, geben die Eltern vor. Deshalb heißt Erziehung zur Selbstständigkeit auf keinen Fall Raushalten, Wegsehen, Nicht-Da-Sein. Im Gegenteil: Begleiten Sie Ihre Kinder aufmerksam und respektvoll, hören Sie mit ehrlichem Interesse zu und loben Sie Fortschritte – indem Sie verlässliche Zuwendung, Geborgenheit und Schutz vermitteln, geben Sie Ihren Kindern den Raum für echte Selbstständigkeit.

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