Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Ab Klasse 1: Lernen will gelernt sein

von Ulrike Lindner



© stock.adobe.com / Africa Studio
Die Schultüten sind gepackt, der Schulweg geübt und Vorfreude macht sich breit. Wenn in wenigen Wochen die frisch gebackenen Erstklässler in die Schule kommen, beginnt für sie eines der größten Abenteuer ihres bisherigen Lebens. Damit aus Schullust nicht schnell Schulfrust wird, können Eltern ihre Kinder bei einer Sache von Anfang an unterstützen: beim Lernen.

Denn auch das Lernen will gelernt sein. Dass Kinder von Klasse 1 an motiviert und mit Freude lernen, ist nur zum Teil Charaktersache. Bildungsexperten und Psychologen haben her-ausgefunden, welche Fähigkeiten, Voraussetzungen und Einstellungen aus motivierten Erstklässlern auch langfristig erfolgreiche Schülerinnen und Schüler machen.

Ob Kinder schon vor der ersten Klasse lesen, schreiben oder rechnen können, hat jedenfalls wenig mit dem späteren Schulerfolg zu tun. Auch der Umgang mit Lernprogrammen am PC oder Tablet, der bei vielen Eltern beliebt ist, bringt wenig Vorteile für die spätere Motivation und den Lernerfolg. Wie gut das Lernen schon in der ersten Klasse funktioniert, hat vielmehr mit dem Gefühl von

  • Selbstwirksamkeit,
  • einem verlässlichen Rahmen,
  • Motivation und
  • Bestätigung
zu tun.

Ich kann das!

Ganz wichtig für die Freude am Lernen ist das Erleben der eigenen Kompetenz. Kinder haben von klein auf das Bedürfnis zu lernen, Dinge zu erforschen und die Welt zu verstehen. Darin können Eltern ihren Nachwuchs schon im Vorschulalter bestärken, indem sie ein Umfeld bieten, in dem dieses Bedürfnis ausgelebt werden kann. Das heißt nicht, schon Kindergartenkinder mit Lernangeboten und Frühförderung zu bombardieren. Vielmehr braucht jedes Kind die Gelegenheit, sich zu bewähren – bei alltäglichen Aufgaben, vom Schuhe anziehen, über Zimmer auf-räumen, beim Kochen helfen oder beim Klettern ohne stützende Hand. Aber Achtung: Bei aller Gelegenheit zum Selbermachen sollten Vorschulkinder nicht überfordert werden! Wer ständig Misserfolge erlebt, z.B. weil der schwierige Baukasten sich einfach nicht zusammensetzen lässt, verliert schnell die Lust und hat auch später kaum Interesse an einem zweiten Versuch.

Ein verlässlicher Rahmen

Um das Gefühl von „Ich kann das!“ zu erleben, brauchen Kinder Raum für eigene Entscheidungen –und einen verlässlichen Rahmen. Feste Strukturen und Regeln bilden Orientierungspunkte, die gerade für Schulanfänger wichtig sind. Schon in der ersten Klasse gehört dazu ein geeigneter Arbeitsplatz, der gut beleuchtet, aufgeräumt und störungsfrei sein sollte. Für Grundschulkinder darf dieser Platz auch am Esstisch oder im Wohnzimmer sein, solange Ungestörtheit und Ruhe gewährleistet sind. Um Schulanfängern dabei zu helfen, sich an die Arbeitsweise in der Schule zu gewöhnen, ist es in jedem Fall wichtig, zuhause eine gute Sitzposition einzunehmen, statt etwa auf dem Bett oder Sofa zu liegen. Als Gegengewicht zum vielen Stillsitzen empfiehlt sich ausreichend Bewegung außerhalb der Schulstunden, etwa durch Sportangebote oder Aktivitäten mit der Familie.

Ebenso wichtig wie der Arbeitsplatz sind feste Zeiten fürs Lernen und Hausaufgaben. Schon bevor die ersten Hausaufgaben anstehen, können Eltern regelmäßig Zeit einplanen, um mit ihren Kindern über den Schultag und das Gelernte zu sprechen. Später bewährt sich diese Lern-Routine ebenso.

Zusammen lernen viele besser

Ein Bedürfnis, das Kinder früh zu guten Lernern macht, ist ihr Wunsch nach sozialem Kontakt. Kinder lernen von anderen Kindern ebenso wie von Erwachsenen. In der Gemeinschaft schauen sich die Schulanfänger nicht nur Neues voneinander ab, sie trainieren auch viele unverzichtbare soziale Kompetenzen wie Kooperation mit anderen, warten können, sich absprechen und vieles mehr, das in Schule und später im Beruf zu den grundlegenden Fähigkeiten gehört.

Zuhause können Eltern ihr Kind unterstützen, indem sie den Stoff gemeinsam wiederholen, zumindest am Anfang, bis es sich an regelmäßige und feste Übungszeiten gewöhnt hat. Auch interessiertes Nachfragen nach dem in der Schule Gelernten hilft und wirkt motivierend. Aber bitte nicht ständig wie ein Wachhund danebensitzen.

Lerntechniken nutzen!

Ob Eselsbrücke, Mindmap, Karteikarten, Reime oder Liste – viele bewährte Lerntechniken erleichtern das Lernen. Was am besten hilft, ist vom eigenen (Lern-) Typ und selbstverständlich auch vom Fach abhängig:

  • Für Rechtschreibung (und später für Vokabeln) haben sich Lernkarteien als besonders effektiv erwiesen,
  • Zusammenhänge lassen sich mit Lernpostern und Mindmaps gut begreifen.
  • Auch lautes Lesen, Unterstreichen und Zusammenfassen sind verbreitete Lernmethoden.
Den besten Techniken ist gemeinsam, dass sie mehrere Sinne ansprechen und damit Informationen dauerhaft verankern.

Loben, aber richtig

Während bei den Jüngeren die Freude am Lernen noch eher aus eigenem Antrieb geschieht, wer-den mit steigendem Alter Motivationsfaktoren wie Belohnung, Lob oder das Beispiel Gleichaltriger immer wichtiger. Auf das Klassenklima haben Mütter und Väter in der Regel keinen Einfluss, dafür können sie zuhause für eine gute Lernatmosphäre sorgen und darauf achten, ihr Kind mit Lob und Anerkennung richtig zu begleiten.
Aber Achtung: Lob muss ernst gemeint sein und sollte nicht für Banalitäten ausgesprochen werden. Darum sollten Eltern auch die Ziele nicht zu hoch stecken, sondern genau schauen, ob sich ihr Kind anstrengt und es dann auch für kleine Erfolge loben (oder mit einer Kleinigkeit belohnen).

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