Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Kindliche Fantasie reichhaltig nutzen

von Jörg Sauer



© stock.adobe.com/Grinvalds, Kaspars
Kennen Sie noch das entspannte Liegen in Mitten einer frühsommerlichen Wiese? Die friedvolle Stille lässt unsere Gedanken kommen und gehen. Ab und an brummt der ein oder andere Käfer vorbei oder eine bedächtige Hummel landet geschickt auf einer Blüte. Fühlen Sie sich ganz entspannt und begeben sich mit diesem Beitrag in das Reich der kindlichen Fantasie und lassen sich inspirieren.

„Kindliche Fantasie“

Kindliche Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“, so formulierte es Albert Einstein. Gleich, ob man kindliche Fantasie oder Phantasie schreibt, die Bedeutung ist gleich. Sie geht auf das griechische „phantasia“ zurück. Wörtlich versteht man darunter: „…Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“, „Gespenst“… (2). Die kindliche Fantasie charakterisiert uns als Menschen, da wir uns mittels abgespeicherter Bilder im Gedächtnis u. a. Dinge, Tiere, Pflanzen, Zusammenhänge … vorstellen können. Helmut Zöpfl schreibt dazu, dass die kindliche Fantasie nicht nur ein „Grundvermögen“ sondern auch ein „Grundverlangen“ (3) ist.

Kindliche Fantasie und Alltag

Diese beiden Teile sollten sich möglichst ergänzen. Kindliche Fantasie führt häufig dazu, dem o. g. Grundverlangen eine Richtung oder eine Form zu geben. Diese kann so vielfältig, so einzigartig und farbenprächtig sein, wie jeder Einzelne von uns. Die Kraft der kindlichen Fantasie begleitet uns immer. Sie kann durch Hektik, Stress, lange to do Listen, Kummer oder Sorgen verkümmern. Ein Wechsel zwischen anstrengenden und Freude spendenden Tätigkeiten ist sehr hilfreich. Träumen und einfach gar nichts tun wirkt unterstützend. Sonst kann viel kindliches Fantasie-Potential verloren gehen. Was für uns „Großen“ gilt, trifft in besonderem Maße auf unsere Kinder zu. Lassen Sie zum Beispiel auch das „Tagträumen“ zu. Es ist schön und erholsam. So manche kreative Idee oder geniale Einfall kam ganz leicht, so scheinbar aus dem Nichts.

Kindliche Fantasie und Kreativität

werden heute mehr und mehr zu wichtigen Voraussetzungen für die Zukunft. In meiner Gedankenwelt stelle ich mir vor, wie etwas aussehen und/oder funktionieren könnte. (Zum Beispiel ein lustiger Wurzelzwerg auf einer Schaukel). Die entsprechenden Bilder werden im Gehirn gespeichert. Die Kreativität setzt nun mit der Umsetzung der Idee ein (zum Beispiel Material sammeln, basteln, verwerfen, weiter basteln, …). In der Umsetzung der Vorstellung kann es durch äußere und innere Anstöße zu spontanen Änderungen kommen. Kreative Menschen sind meist empfindsamer. Sie erspüren schneller äußere und innere Anstöße. Die Kreativität: „… ereignet sich in der rechten Hirnhälfte …, in der ganz nah dabei auch das Musische, das Emotionale, das Kommunikative und das Soziale liegen.“ (4)

Kraftspender kindliche Fantasie

Können Sie sich noch an das Binden von Kränzen aus Gänseblümchen, das Suchen von wundersamen Holzstöcken oder das Auflesen von besonders herrlich glänzenden Steinen im Lieblingsbach erinnern? Wie in einer verzauberten Welt kamen wir uns vor. Wir fühlten uns frei und Langeweile war ein Fremdwort. Solche und viele ähnliche Erlebnisse sind für unsere Kinder wichtig und prägen sich im Gedächtnis dauerhaft ein. Unsere kindliche Fantasie erhielt freien Lauf. Nun ein paar konkrete Tipps:
  • Beginnen Sie an Anfang an mit dem Vorlesen von altersgerechten Büchern zum Fördern der kindlichen Fantasie. Besonders gut geeignet sind „Gute Nacht Geschichten“. Somit prägt sich ein festes Ritual ein, dass Ihr Kind schwer missen möchte. Das Vorlesen an sich kann als die Vorstufe zum eigenen Lesen sein. Wunderbare, eigene Bilder entstehen, die zum Nachdenken, darüber Reden oder gar eigenem Schreiben anregen können.
  • Versuchen Sie Denkanstöße der unterschiedlichsten Art für die kindliche Fantasie zu geben. Es können Unternehmungen, wie zum Beispiel: Wanderungen, sportliche Aktivitäten aller Art, Theaterbesuche,… sein. So manch eine Inspiration ergibt sich scheinbar im Vorübergehen (zum Beispiel tolle Wolkenbilder, ein farbenprächtiger Käfer oder besonders gewachsene Bäume,…).
  • Ermöglichen Sie Freiräume für Ihr Kind und dessen kindliche Fantasie. Diese sollten räumlichen und zeitlichen Charakters sein. Gemeinsam besprochene und dann festgelegte Regeln ermöglichen den leichteren Umgang mit den Freiräumen für alle Seiten.
  • Förden Sie den Forschergeist Ihres Kindes. Dieser sollte auf dem Verlangen basieren, Neues ausprobieren zu wollen, …, gerichtet sein. Diese Form der Entdeckerlust löst Glücksgefühle aus: „ Hurra, ich habe entdeckt, dass …“ Oft sehr überschwänglich wird das Ergebnis präsentiert. Ein Lob Ihrerseits krönt den Forscherdrang und spornt die kindliche Fantasie weiter an. Bedenken Sie, dass Ihr Kind Platz benötigt, um zu „forschen“ und die Ergebnisse aufzubewahren.
  • Lassen Sie es zu, dass Ihr Kind eigene Wege probiert. Dabei kann es zu Um- und Irrwegen kommen. Auch ein gewisses kreatives Chaos kann entstehen. Geben Sie Ihrem Kind dabei Zeit und halten Sie sich als Berater oder stiller Beobachter im Hintergrund.
  • Das Spiel, gleich welcher Art, ist unser Leben und das unserer Kinder von großer Bedeutung. Versuchen Sie sich an der schwierigen Aufgabe, die Menge an „fertigen“, ja teilweise perfekten Spielsachen zu begrenzen, und die kindliche Fantasie zu fördern. Besonders bedeutsam sind Brett- oder Gesellschaftsspiele bzw. solche, die zu eigener Aktivität und kindlicher Fantasie anregen (u. a. Baukästen, Konstruktionskästen,…). Auch das „freie“ Spielen mit und ohne gleichaltrige Freunde im Hof, auf der Wiese, im Wald,… ist wichtig.
  • Haben Sie mit Ihrem Kind schon einmal philosophiert? Eine lohnenswerte und für beide Seiten spannende Sache. Gerade Heranwachsende stellen sich oft die Frage nach dem Sinn des Lebens. Stellen Sie die Einzigartigkeit Ihres Kindes in den Mittelpunkt. Beleuchten Sie sein Leben, seine Stärken aus verschiedenen Perspektiven.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind Begegnungen mit Gleichaltrigen beim Spielen, im Sportverein, in einer Arbeitsgemeinschaft, der Jugendfeuerwehr, um die kindliche Fantasie zu steigern. Manchmal braucht das ein oder andere Kind eine kleine Ermunterung. Wenn Sie das spüren, dann tun Sie das. Es entstehen reale Freundschaften, die für das eigene Leben und Wohlbefinden so wichtig sind. Gerade durch den Umgang mit Gleichaltrigen an einem gemeinsamen Spiel oder Projekt erhält Ihr Kind Impulse, die nicht nur die kindliche Fantasie anregen.

Literaturtipps zur kindlichen Fantasie

Jostein Gaarder, Maya oder Das Wunder des Lebens, Hanser

Helmut Zöpfl, Das Gute im Leben, Turmschreiber Verlag

Linktipp zur kindlichen Fantasie

https://www.familienhandbuch.de/babys-kinder/bildungsbereiche/musik/erziehungszielkreativitaetsfoerderung.php
Quellen
(1) https://www.zitate-online.de/sprueche/wissenschaftler/1577/phantasie-ist-wichtiger-als-wissen-denn.html
(2) https://www.zitate-online.de/sprueche/wissenschaftler/1577/phantasie-ist-wichtiger-als-wissen-denn.html
(3) Helmut Zöpfl, Das Gute im Leben, Turmschreiber Verlag, Pfaffenhofen, 2001, Seite 136
(4) Peter Struck, Das Erziehungsbuch, primusverlag, 2005

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