Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Brettspiele – eine bunte kreative Welt

von Jörg Sauer



© stock.adobe.com/shintartanya
Erinnern Sie sich noch an heimelige Spielabende im vertrauten Kreis, an denen viel gelacht wurde? So manche scheinbar feste Regel erfand man spontan neu, probierte sie aus, verwarf sie, entwickelte sie weiter oder übernahm sie. Althergebrachte Brettspiele sahen plötzlich ganz anders aus und wir in unserem Innersten gleich mit. Lassen Sie sich inspirieren.

Brettspiele in ihrer Vielfalt

Sie sind in ihrer unnachahmlichen Weise auch in unserer digital geprägten Zeit für das gesellige Miteinander nutzbar. Ob nun zwei oder mehrere Personen Brettspiele miteinander spielen, die Stunden können wie im Fluge vergehen. Langeweile bleibt hierbei ein Fremdwort. Ein Brettspiel wird durch einen Spielplan charakterisiert. Auf diesem bewegen die Spieler Steinchen, Klötze oder die unterschiedlich geformten Figuren nach vorher festgelegten Regeln. Die Spielfläche kann aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen, wie zum Beispiel Papier, Pappe, Holz. Auch gezeichnete Spielfelder auf steinigem Untergrund oder i Sand sind nicht neu. Das Spiel an sich ist ein: „… dem Menschen innewohnendes Prinzip.“ (1) In ganz besonderer Weise gilt das für unsere Kinder. Sie beleben und bereichern mit ihrer reichhaltigen Fantasie jedes Spiel. Unsere Kinder müssen auch „lernen“, dass es auch bei Brettspielen Gewinner und Verlierer gibt. Das gilt besonders im Umgang mit Niederlagen.

Brettspiele im Wandel der Zeit

In allen geschichtlichen Epochen wurden in vielfältiger Weise Brettspiele gespielt. Den Antrieb zum Spielen charakterisierte Friedrich Schiller sinngemäß so: „ „Der Mensch ist nur dort wirklich Mensch, wo er spielt“. (2)
  • Das „Königliche Spiel von Ur“ gilt als eines der ältesten Spiele. Seine Ursprünge liegen etwa 2.600 v.Chr.
  • „Senet“ ist ein altägyptisches Brettspiel. Dessen Ursprünge sind: „…seit mindestens 3000 v. Chr. belegt.“ (3) Es hat eine Ähnlichkeit mit dem heutigen „Mensch ärgere nicht“ Spiel.
  • Zur Entstehung des heute so genannten „Königlichen Spieles – dem „Schach“, gibt es unterschiedliche Meinungen. Indien, Persien aber auch China gelten als Ursprungsländer. Die zeitliche Einordnung ist etwa zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert. Zahlreiche Legenden ranken sich um die Entstehung des Brettspiels. Eine der bekanntesten ist die „Legende vom Weizenkorn“. Das Schachspiel hatte einige Vorläufer, wie zum Beispiel: „ Xiangqis, Sh?gis oder Makruks.“ (4)
  • Weitere ausgewählte historische Brettspiele sind: Dame, Mühle, Backgammon, Go, Pachisi oder Alquerque.
  • Im Jahre 1904 entwickelte Elizabeth “Lizzie” Magie Phillips im US Bundesstaat Pennsylvania das Brettspiel „The Landlord’s Game“. Sie hatte es als ein sozial kritisches „Vermieterspiel“ gedacht, in dem:“. das Übel der Geldvermehrung auf Kosten anderer …“(5) praktisch dargestellt wird. „The Landlord’s Game“ enthielt die wesentlichen Bestandteile des sich daraus entwickelten „Monopoly“. Es entwickelte sich zu einem überaus erfolgreichen Brettspiel.
  • Joseph Friedrich Schmidt erschuf in einer kleinen Münchner Werkstatt 1907 das bis heute äußerst beliebte Brettspiel „Mensch ärgere dich nicht“. Er nutzte dazu u.a. antike Vorläufer, darunter das aus Indien stammende „Pachisi“. Er gründete den nach ihm benannten Verlag und begann 1914 das Spiel in Serie herzustellen.
  • Weitere neuere beliebte Brettspiele sind u. a.: Halma, Scrabble, Trivial Pursuit, Scottland Yard, Das verrückte Labyrinth.
  • Der Verein „Spiel des Jahres e.V.“ ermittelt seit 1979 jedes Jahr den Preis: „Spiel des Jahres“ für das beste deutschsprachige Brett- bzw. Kartenspiel. Er gilt als die weltweit bedeutendste Auszeichnung für Spiele jenseits der Elektronik.
  • Zahlreiche der beliebtesten Brettspiele sind als Computerspiele oder als Apps erhältlich. Als ein bedeutender Vorreiter auf dem elektronischen Gebiet der Brettspiele gilt der Schachcomputer.

Brettspiele – Ideen und Anregungen

Von großem Wert sind regelmäßig stattfindende Spielstunden, Spielnachmittage oder Abende. Entsprechend dem Alter Ihres Kindes sollten genauer Zeitpunkt und Dauer festgelegt sein. Ein so entstandenes Ritual prägt sich fest ein. Später werden solche Erfahrungen häufig an die eigenen Kinder weitergegeben. Es ist zweitrangig, um welches Spiel es sich handelt. Das gemeinsame gemütliche gesellige Zusammensein ist das Wichtigste. Eine Regel sollte gelten: Spielezeit ist handyfreie Zeit.

Brettspiele selbst weiter entwickeln
Neue Regeln für ein bekanntes Spiel. Beispiel: „Mensch ärgere dich nicht":
  • Nur zwei Figuren, die jeweils zwei Runden gehen,
  • Bei der Augenzahl 1 darf ich raussetzten,
  • Schlagen der Figuren ist nicht erlaubt…
  • Figuren bewegen sich in die andere Richtung…
Brettspiele selbst bauen
  • Spielfelder zeichnen (möglichst großes Papier oder Pappe) und gestalten (malen, aufkleben passender Bildchen,…)
  • Spielplan/Spielregeln ausdenken, aufschreiben, ausprobieren und ggf. ändern oder ergänzen
  • Spielfiguren auswählen oder selbst basteln aus Papier, Pappe, Knete oder Nutzen von Naturmaterialien, wie Früchte des Waldes oder Muscheln….
Virtueller Museumsbesuch
  • Unterschiedliche Brettspiele ansehen, ausdenken, aufschreiben und ausprobieren
  • Recherchearbeiten, zum Beispiel: Wie entstand unser Lieblingsspiel?
  • Anregungen für das Nachmachen, Nachbauen holen
  • Wenn es die aktuellen äußeren Umstände zulassen, kann ein Museumsbesuch gemeinsam durchgeführt werden.
Brettspiele und Wartezeiten
  • Diese können durch kleine transportable Spiele gut überbrückt werden. Es muss nicht nur das virtuelle Spiel sein, sondern das mit „echten“ Figuren. Im Handel sind sie oftmals als Steck- oder Magnetspiel erhältlich.
Brettspiele draußen erfinden
  • Spielfelder im Sand, auf Wegen einritzen oder die Begrenzungen mit Zweigen legen
  • Spielplan/Spielregeln ausdenken, die möglichst einfach und präzise sind, aufschreiben, ausprobieren und ggf. ändern oder ergänzen
  • Spielfiguren auswählen, die im Umkreis gefunden werden, wie zum Beispiel Steinchen, Früchte des Waldes, Muscheln, besonders geformte Zweige….
Nutzen Sie die Kreativität ihres Kindes. Sie werden das ein oder andere Mal erstaunt sein, was in ihm steckt.

Literaturtipps zu Brettspielen

Helmut Zöpfl, Gut gelaunt erziehen, rosenheimer, 2002
Jörn Morisse, Felix Gebhard, Zeit für Brettspiele, Ventil Verlag

Linktipps zu Brettspielen

https://www.deutsches-spielemuseum.eu/
https://www.stadtmuseum.de/objekte-und-geschichten/alte-brettspiele
https://de.wikihow.com/Ein-Brettspiel-selbst-machen
https://www.diewuselmaeuse.de/

Quellen

(1) Helmut Zöpfl, Gut gelaunt erziehen, rosenheimer, 2002, Seite 46
(2) ebd. Seite 46
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Senet
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Schach
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/The_Landlord%E2%80%99s_Game

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