Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks

Hildegard Dierks hat ihr Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Pädagogik für die Sekundarstufen I und II absolviert und an der Universität Bielefeld das Magisterstudium mit dem Schwerpunkt Computerlinguistik abgeschlossen. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen. Seit einigen Jahren ist sie begeisterte Anhängerin des sog. E-Learnings einer internetgestützten, zeitlich flexiblen Form des Studiums und der beruflichen Weiterbildung. Neben Lehrheften lernt man beim E-Learning auch in betreuten Chats und Webinaren. Frau Dierks lebt mit ihrer Familie in Ostwestfalen. In ihrer Freizeit hört sie gern Hörbücher und spielt Akkordeon.

Erzählkompetenz stärken

von Hildegard Dierks



© stock.adobe.com/deagreez
Erzähl doch mal. Wie war‘s denn in der Schule? Kinder reagieren auf diese Frage manchmal unwirsch und wortkarg. Hört man „Erzähl mir keine Märchen“ , geht es um Lüge oder Wahrheit. Wird eine ganze Geschichte erzählt, hat sie einen Anfang, ein Ende, vielleicht eine spannende Handlung mit Protagonisten. Geschichten erzählen von Helden, von Gut und Böse, davon, dass am Ende alles gut werden kann. In unserer digitalen Zeit erzählen wir immer weniger frei. Erzählkompetenz stärken ist deshalb eine wichtige Aufgabe.

Erzählkompetenz stärken - Im Erzählkreis früh beginnen

Um Erzählkompetenzen von Kindern zu stärken, ist der Erzählkreis ein gutes Mittel der Wahl.
Grundschulkinder müssen lesen und schreiben erst lernen. Das Bedürfnis, sich mitzuteilen ist aber bei vielen Kindern groß. Das ist eine gute Voraussetzung, ihre Erzählkompetenzen zu stärken. Im Erzählkreis können Kinder ihre Sprache mündlich frei nutzen.

Erzählkompetenz stärken im Erzählkreis heißt
  • Die mündliche Sprachkompetenz fördern
  • Vertrauen und Gemeinschaft fördern
  • Über sich sprechen fördern.
Rituale sowie Gesprächsregeln helfen dabei Erzählkompetenz zu stärken und diese zu erwerben. Wie lange darf einer/eine erzählen und wann? Was kann es bedeuten, wenn jemand sagt „Erzähl das nicht weiter.“

In Erzählkreisen geht es nicht primär um professionelle Erzählkompetenz. Wichtig ist, dass alle Kinder erzählen können und dürfen. Kinder aus Familien, die nicht jedes Wochenende einen Ausflug mit den Eltern machen, könnten zu diesem Thema nicht gut erzählen. Eine sinnvolle Vorgabe kann es sein, dass Kinder sich Geschichten ausdenken dürfen, um so eine ganzheitliche Erzählkompetenzstärkung zu gewährleisten.

Manche Eltern empfinden regelmäßige Erzählkreise als problematisch. Sie befürchten, dass Kinder dort „ausgehorcht“ werden. Es ist Aufgabe von Lehrer/-innen sowie Eltern sensibel darauf zu achten, Kinder nicht zu belasten. Nur so kann ihre Erzählkompetenz gestärkt werden.

Erzählkompetenz stärken – Erzählkunst und Erzähltheater

Märchen, Bibelgeschichten, Heldengeschichten, Horrorgeschichten oder Abenteuergeschichten können ganz einfach und undramatisch erzählt werden. Aber auch etwas aufwändiger, um gleichzeitig die Erzählkompetenzen zu stärken.

Eine eher künstlerische Art zu erzählen ist das sog. Erzähltheater oder Kamishibai, eine Erzählkunst, die in Japan ihren Ursprung hat.
Worum geht es? Entlang schön gestalteter Bildkarten erzählt der/die Geschichtenerzähler/-in eine Geschichte. Das geschieht auf einer Theaterbühne oder irgendwo, wo gerade Platz ist.
Die Bildkarten helfen eine besondere Stimmung zu erzeugen. Der Erzählende kann sich beim Erzählen an den Bildkarten orientieren. Bei dieser Form des Erzählens werden Handlung und Stimmung einer Geschichte darüber hinaus durch ein Spiel mit Stimme, Mimik sowie Gestik und Bewegung des/der Erzählers/-Erzählerin unterstützt. Zuhörerinnen und Zuhörer werden eingeladen mitzumachen. Diese Form des Erzählens ist generationenübergreifend beliebt. Manchmal werden Zuhörer/-innen zu Erzählern/-innen und umgekehrt. Erzählkompetenz auf diese Weise zu stärken heißt u.a.
  • Reihenfolge der Bildkarten für die Erzählung festzulegen,
  • zu üben wie Mimik, Gestik, kleine Handlungen und die Stimme eingebaut werden können,
  • nicht zuletzt nachzudenken, wie Kinder, die zuhören, einbezogen werden können.
Die Bildkarten sind für bekannte Märchen oder Bibelgeschichten im Handel erhältlich. Sie können auch selbst erstellt werden.
Erzählkompetenz stärken mithilfe von Kamishibai-Bildkarten kann in Schulungen gelernt werden. Mehr zu erfahren ist auf der Website www.mein-kamishibai.de

Erzählkompetenz stärken - Zeitzeugen und Betroffene erzeugen Aufmerksamkeit und Mitgefühl

Erzählkompetenz stärken macht uns unabhängiger von Technik.
Kinder von heute sind die Urgroßeltern der Zukunft. Können sie kompetent erzählen, können sie es überall und immer tun, denn die Geschichten ihres Lebens haben sie immer dabei.
Alte Menschen können also von der Vergangenheit (z.B. dem Mauerfall, Krieg) erzählen. Erkenntnisse früherer Zeiten, altes Wissen sowie Werte können so bewahrt, wiederbelebt und weitergegeben werden. Persönliche Geschichten sollten dabei Anlass für weitere sachliche Auseinandersetzung sein.

Manchmal haben Schülerinnen und Schüler mit Problemen zu kämpfen. Es hilft davon zu erzählen. Sich eigene Geschichten von der Seele zu reden, kann Verständnis erzeugen oder andere vorwarnen. Wie hat es sich angefühlt, neu in eine Klasse zu kommen? Wie war es als Mama an Krebs erkrankte? Was hat geholfen? Erzählt z.B. ein geflüchteter Jugendlicher seine Fluchtgeschichte, schauen wir in sein Gesicht. Wir lassen uns von seinen Worten, Gesten sowie Mimik beeindrucken und „berühren“. Menschen, die gut von Angesicht zu Angesicht erzählen können und möchten, helfen die Welt mit den Augen Betroffener sehen zu können. Das kann Vorurteile abbauen.

Fazit: Erzählkompetenz stärken – Zeit schafft Rahmenbedingungen

Die besten Geschichten schreibt unser Leben selbst. Sich Zeit nehmen, die Geschichten unseres eigenen Lebens wahrzunehmen, hilft unsere Erzählkompetenz zu stärken und zu nutzen.
Kinder erzählen, wenn ihnen danach ist, nicht, wenn Erwachsene ausnahmsweise Zeit haben. Gemeinsame Zeit schafft auch für Erwachsene Gelegenheit, ihre Geschichten zu erzählen. So können Familiengeschichten und -identität tradiert und erzeugt werden. Die Stärkung der Erzählkompetenz geschieht automatisch in Familien, die gern und viel erzählen.
Um wiederum künstlerisch im Erzähltheater zu erzählen, nutzen wir Mimik, Gestik, eine veränderte Stimme, angedeutete Handlungen oder Bildkarten besonders intensiv. Das ist die hohe Schule der Erzählkompetenzstärkung.
Erzählen Kinder etwas Trauriges, sind Erwachsene immer aufgefordert sensible zu klären, ob sie helfen müssen. Etwas Erzählen ist das Gegenteil von etwas Verschweigen und Nicht-Vorkommen. Entsprechend tragen die Zuhörer/-innen der erzählten Geschichten Mitverantwortung.

Linktipps zum Thema „Erzählkompetenz stärken“:

www.mein-kamishibai.de

Beispiel-Video: Die Autorin Susanne Brandt des Don Bosco Verlages präsentiert die Arbeit mit Kamishibai-Karten

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