Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Rechenschwäche: Mein Kind kann nicht rechnen – was tun?

von Jörg Sauer



© stock.adobe.com/S.Kobold
Probleme beim Rechnen sind nicht von Natur aus für das ein oder andere Kind vorgegeben. Auftretende Schwierigkeiten können bei gezielter Förderung deutlich behoben werden. Es ist wichtig, die möglichen Symptome einer Rechenschwäche frühzeitig zu erkennen. Dazu möchte dieser Beitrag Tipps geben und Sie dafür zu sensibilisieren.

Rechenschwäche – was steckt dahinter?

Vorschnell betrachtet könnte man zum Schluss kommen, dass das jeweilige Kind ein gesundheitliches Problem hat. Dem ist nicht so, denn es ist nicht krank. Zahlreiche Aspekte können der Grund dafür sein, dass das Kind Schwierigkeiten beim Lernen des Rechnens hat. Eine „Rechenschwäche" ist auf der Ebene des kindlichen Denkens ein klar beschreibbarer Zusammenhang von Fehlvorstellungen, fehlerhaften Denkweisen und letztlich nicht zielführenden Lösungsmustern zu den ‚einfachsten‘ mathematischen Grundlagen.“ (1) Diese, oft komplex auftretenden Probleme, gilt es zu erkennen, um dem Kind bei einer Rechenschwäche helfen zu können.

Dem Kind und seiner Rechenschwäche

will sich die scheinbar übermächtige Welt der Zahlen, Zeichen und Symbole nicht erschließen. Es findet keinen Zugang zu dem logischen Aufbau mathematischer Strukturen. Das Kind mit Rechenschwäche kann die Zusammenhänge nicht begreifen. Ihm verbleibt aus seiner Lage nur das pure „Auswendiglernen“. Häufig wird dieser Prozess seitens der Familie verstärkt. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem diese Methode erschöpft ist. Die Folge ist Resignation des Kindes. Es kann dazu führen, dass es an sich und seinen Fähigkeiten zweifelt. Ein ehemals fröhliches und aufgewecktes Kind kann so entweder immer stiller oder übermäßig laut werden.

Merkmale einer Rechenschwäche

Hier können nur die am meisten auftretenden Erscheinungen genannt werden. Daher besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Die Reihenfolge stellt keine Wertigkeit dar. Bitte beachten Sie, dass bei einer möglichen Rechenschwäche die einzelnen Aspekte nicht immer klar und eindeutig auftreten. Häufig sind sie miteinander kombiniert.

Schwierigkeiten beim Zählen
  • besonders beim Rückwärtszählen
  • beim Zählen von einer belieben Stelle aus (zum Beispiel: Zähle von der 47 vorwärts.... von der 91 zurück ...)
Drehen von Einer und Zehner
  • Das kann beim Lesen, Schreiben, Rechnen auftreten.
  • Die Zahl wird so geschrieben, wie sie gehört wird. (zum Beispiel: Die Ziffernfolge 63 wird als 36 notiert.)
  • Die nachfolgende Aufgabe lautet: Ergänze bis zum nächsten Zehner sieht bei dem Kind so aus: 36 + 4 = 40 statt 63 + 7 =70.
Bekannte Aufgaben werden kaum erkannt
  • Die Aufgabe 3 + 3 wird beherrscht- allerdings wird diese zum Beispiel in 53 + 3 kaum erkannt.
Vergleiche von Zahlen gelingen kaum
  • Typische Beispiele dafür sind: 45 = 54, weil die gleichen Zahlen vorhanden sind.
Geringe Orientierung im Zahlenraum
  • Eine beliebige Zahl wird irgendwo gesucht, zum Beispiel die 69 bei der 90, weil die 9 als größte Zahl darin ist.
Schwierigkeiten beim Zehnerübergang
  • Das schrittweise Zerlegen gelingt kaum. Auch beim Zählen kommt es rasch zu Fehlern oder Zehner wird nicht beachtet. (zum Beispiel: 25 + 6 = 21)
Weiterhin können Sie bei einer Rechenschwäche häufig feststellen, dass das Kind große Schwierigkeiten beim Bündeln/ Entbündeln hat. Bei einer Rechenschwäche fehlt ihm die Mengenvorstellung.

Hilfe bei Rechenschwäche

„Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass mich es tun und ich verstehe.“ (2) Diese weisen Gedankengänge sollten Sie bei einem Kind mit einer Rechenschwäche berücksichtigen.

Eltern und Familie

Beobachtung ist neben dem „Ruhe bewahren“ eine der wichtigsten Maßnahmen bei einer Rechenschwäche. Stärken Sie Ihr Kind, in dem Sie seine Talente, Begabungen oder Fähigkeiten betonen. Vergleichen Sie es möglichst wenig mit Gleichaltrigen.

Wenn Ihnen etwas auffällt, das auf eine Rechenschwäche hinweisen könnte, dann sollten Sie das vertrauensvolle Gespräch mit der Lehrkraft Ihres Kindes suchen.

Bezogen auf die o. g. Merkmale, die auf eine Rechenschwäche hindeuten, spricht man von „Stolpersteinen“.

Steinchen Zählen, Zahlbegriff
  • Bei einer Rechenschwäche werden die Zahlen kaum als Menge (Anzahl) verstanden. Des Weiteren gibt es Probleme beim Erfassen der Relationen „gleich“, „mehr als“ oder/und „weniger als“.
  • Mögliche Abhilfe: Mengen vergleichen unter Nutzung unterschiedlicher Dinge (zum Beispiel: Kieselsteinchen, Eicheln, Zapfen,...) Versuchen Sie Ihr Kind vom „zählenden“ Vergleichen Stück für Stück wegzuführen. Eine schöne Übung ist der s. g. „Blitzblick“, der Erfassen einer Menge auf einen Blick.
Steinchen Zehner und Einer
  • Das Zehnersystem wird in seiner Struktur bei einer Rechenschwäche nicht verstanden.
  • Mögliche Abhilfe: Bündelung und Entbündelungsübungen mit Materialien durchführen (zum Beispiel Steckwürfel)
Steinchen Zehnerübergang
  • Mögliche Abhilfe: Versuchen Sie, Ihrem Kind keinen Weg vorzugeben. Regen Sie es an: „Finde selbst einen Weg“. Lassen Sie es sich erklären.
Sie werden oftmals feststellen, dass die Probleme einer Rechenschwäche auf die grundlegenden mathematischen Zusammenhänge zurückgehen. Denken Sie stets daran, dass Ihr Kind nicht weniger intelligent ist als andere. Es benötigt Ihre Zuwendung und Hilfe, denn von sich aus kann es sich bei einer Rechenschwäche nicht helfen. Auch „Auswendiglernen“ ist nicht zielführend. Es gibt keinen „Königsweg“, um bestehende Probleme bezüglich der Rechenschwäche zu lösen. Daher sollten Sie sich auch nicht scheuen, die Hilfe von

Fachleuten

zu nutzen. Sie haben das nötige Fachwissen und die Erfahrung beim Thema Rechenschwäche, damit Ihrem Kind gezielt geholfen werden kann. Des Weiteren schauen Sie von „Außen“ auf die Problematik. Der erste Weg sollte dabei zum Fach- bzw. Klassenleiter führen. Dieser wird Sie in einem vertraulichen Gespräch beraten, Ihnen Tipps geben und Sie ggf. an Beratungslehrer oder Schulpsychologen vermitteln.

Weiterhin gibt es verschiedene Institute zur Förderung bei Rechenschwäche. Bitte beachten Sie, dass die Qualität der Fördereinrichtung sehr unterschiedlich sein kann.

Wenn möglich, sollte eine Verbindung zwischen Förderlehrer, Lehrer in der Schule und den Eltern geschaffen werden.

Linktipps bei Rechenschwäche

http://www.recheninstitut.at/

https://phzh.ch/MAP_DataStore/119356/publications/Lernschwierigkeiten.pdf

http://www.zahlen-raum.at/index.php?p=1_4_Mathematische-Lernschwierigkeiten

Quellen

(1) Michael Gaidoschik, Rechenschwäche- Dyskalkulie, Persen, 2003, Auflage 2017, Seite 13
(2) Nach Konfuzius (551-479 v. Chr.)

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