Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

Wie Kinder Rückschläge verarbeiten und lernen, selbstbewusst zu sein

von Ulrike Lindner



© stock.adobe.com/S.Kobold
„Nobody is perfect“, diese Binsenweisheit ist jedem vertraut. Dennoch sind Misserfolge nicht leicht zu verkraften, weshalb Rückschläge verarbeiten gelernt sein will – auch wenn niemand perfekt ist, wünschen es sich doch die meisten Menschen. Das liegt nicht zuletzt an unserer Gesellschaft: Erfolg zählt, über Misserfolge spricht man lieber nicht. Dass Rückschläge verarbeitet werden und eine Chance sein können und der Wert eines Menschen sich nicht an der Zahl seiner Erfolge messen lässt, müssen Kinder jedoch erst lernen. Eltern können bei der Verarbeitung von Rückschlägen die Rolle eines Begleiters und Coachs einnehmen.

Rückschläge verarbeiten, denn sie gehören zum Leben

Eine schlechte Note, ein verpasster Sieg in der gewählten Sportart oder die ausgebliebene Einladung zur Party, all das sind alltägliche Misserfolge im Leben eines Kindes. Wie Tochter oder Sohn damit umgehen, Rückschläge zu verarbeiten, hängt zunächst vom individuellen Charakter ab. Während die einen ein (oft auch nur gefühltes) Scheitern als Ansporn betrachten und sich danach mit umso mehr Eifer engagieren, lassen sich andere durch Rückschläge entmutigen. Das kann leicht zum Teufelskreis werden: Ich habe versagt, also bin ich nichts wert - eine solche Erkenntnis drückt aufs Selbstbewusstsein und führt fast zwangsläufig zum nächsten Misserfolg. Daher ist es umso wichtiger, Kindern zu helfen, Rückschläge zu verarbeiten.

Rückschläge verarbeiten: Erfolg oder Misserfolg ist eine Frage der Interpretation

Aber wie lernen Kinder und Jugendliche, dass Rückschläge verarbeitet werden müssen und zum Leben dazu gehören? Was befähigt sie, dran zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen? Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Selbstbewusstsein zu. Aus der Resilienzforschung ist bekannt, dass selbstbewusste Persönlichkeiten Misserfolge anders interpretieren als weniger selbstbewusste Menschen und Rückschläge zu verarbeiten ihnen demnach leichter fällt. Wer an die eigenen Fähigkeiten glaubt, schreibt ein Scheitern eher den äußeren Umständen zu als dem eigenen Können. Weniger Selbstbewusste verarbeiten Rückschläge hingehen deutlich schlechter und beziehen jeden auf sich selbst, sodass sie sich beim nächsten Versuch noch weniger zutrauen. Auch kommen Selbstbewusste besser mit negativer Kritik klar, während die Zweifler dazu tendieren, Situationen und oder den Kontakt mit Menschen, die sie kritisieren könnten, zu meiden.

Rückschläge verarbeiten und aus ihnen lernen

Wer sein Kind dabei unterstützen möchte, Rückschläge zu verarbeiten und sich nicht von ihnen entmutigen zu lassen, muss verstehen, was dabei konkret geschieht. Ein Scheitern ist zunächst ein Schock. Je größer die Niederlage und je einschneidender die Folgen, desto tiefer sitzt der Frust und desto mehr muss der Rückschlag verarbeitet werden. Lassen Sie sich also nicht von gespielter Nonchalance täuschen: Niemand, auch coole Teenager nicht, scheitert gern. Wer ein Ziel nicht erreicht, die soziale Anerkennung nicht erhält oder einsehen muss, einer Herausforderung nicht gewachsen zu sein, ist geschockt. Danach folgt meist eine Phase der Trauer: Wer scheitert, fühlt sich schlecht, auch wenn das nicht immer auf Anhieb sichtbar ist.

Rückschläge verarbeiten und als Chance sehen - wichtig für Eltern

Beim konstruktiven Umgang und bei der Verarbeitung von Rückschlägen helfen Sie Ihrem Kind, wenn Sie die folgenden Hinweise beachten:

Sie sind Vorbild!
Auch wenn die Verarbeitung von Rückschlägen stark vom Charakter Ihres Kindes abhängt, wird Selbstbewusstsein auch gelernt. Eltern sind in diesem Fall Vorbilder. Überdenken Sie daher Ihren eigenen Umgang mit Rückschlägen und wie Sie Rückschläge verarbeiten. Mehr als alle Worte zählt Ihr Verhalten: Wenn Sie gelassen mit Rückschlägen umgehen, helfen Sie Ihrem Kind, das ebenfalls zu tun.

Du bist wertvoll!
Wer eigene oder äußere Erwartungen nicht erfüllt, kann leicht das Gefühl erhalten, nichts wert zu sein. Dann fällt das Selbstbewusstsein in den Keller. Zeigen Sie Ihrem Kind deshalb immer wieder, wie sehr Sie es schätzen und mögen, ganz unabhängig von tollen Noten, super Leistungen oder einem riesigen Freundeskreis. Wenn Kinder erfahren, dass sie Fehler machen dürfen und trotzdem geliebt werden, stärkt das ihr Selbstbewusstsein und sie lernen, Rückschläge besser zu verarbeiten.

Nicht alles abnehmen!
Rückschläge verarbeiten und aus ihnen lernen gelingt nur, wenn wir auch Rückschläge erleben. Packen Sie Ihr Kind deshalb nicht in Watte und nehmen ihm alles ab. Nur so lassen sich Selbstbewusstsein und Widerstandsfähigkeit trainieren, die für ein gutes Leben unabdingbar sind. Denn selbstbewusste Menschen gehen eine Herausforderung erneut an, auch wenn sie einmal daran gescheitert sind, da sie wissen, wie Rückschläge verarbeitet werden können.

Ermutigen!
Misserfolge tun weh - trösten Sie Ihr Kind, wenn es scheitert, helfen Sie dabei, neue Perspektiven zu entwickeln und beraten Sie über den Weg zum Ziel. Alles andere muss Ihr Kind selbst schaffen, um künftig Rückschläge nachhaltig zu verarbeiten. Wenn es dann Erfolg hat, loben Sie es - für das gute Ergebnis, aber auch für den Mut wieder aufzustehen und es erneut zu versuchen.

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