Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

Gruppenarbeit in der Schule

von Ulrike Lindner



© Christian Schwier - Fotolia.com
Der eine liebt sie, der andere leidet - Gruppenarbeit in der Schule ist keine Wunderwaffe, wird aber im Unterricht und für den besseren Lernerfolg gern und oft angewendet. Auch wenn sie nicht automatisch besser oder effizienter ist als Einzel- oder Partnerarbeit, hat Gruppenarbeit in der Schule doch viele Vorteile - sofern sie gut angeleitet wird und zur Lernsituation und zum Thema passt. Ist das gegeben, kann die Methode ihr ganzes Potenzial entfalten.

Vorteile von Gruppenarbeit in der Schule

  • Der wichtigste Vorteil dieser Arbeitsform stellt die Motivation der Teilnehmenden dar. Wohl jeder, der bereits in einer Gruppenarbeit in der Schule oder in anderen Organisationen war, kennt den Effekt, dass gemeinsam bessere und ganz andere Ergebnisse entstehen, als bei der Einzelarbeit. Wer sich als Teamplayer statt als Einzelkämpfer erlebt, ist oft deutlich motivierter, zum gemeinsamen Ergebnis beizutragen.
  • Die Gruppenmitglieder bringen unterschiedliche Kenntnisse und Kompetenzen mit. Im Idealfall ergänzen sie sich, sodass das Ergebnis der Gruppenarbeit mehr als die Summe der Einzelteile beträgt. Das funktioniert besonders gut, wenn arbeitsteilig gearbeitet wird.
  • Gruppenarbeit in der Schule bringt oft nicht nur bessere Lern- und Arbeitsergebnisse, sie fördert auch soziale und kommunikative Kompetenzen und macht die Teilnehmenden fit für den Umgang mit Konflikten.
  • Die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Gruppenmitglieder begünstigen den kreativen Prozess. So können in der Gruppenarbeit in der Schule überraschende Lösungen und neue Ergebnisse entstehen, mit denen zuvor niemand gerechnet hätte.
  • Techniken wie Argumentieren, Diskutieren, aber auch das Zuhören werden in der Gruppenarbeit in der Schule benötigt und trainiert.
  • Die Gruppenmitglieder erarbeiten sich eigenständig neues Wissen und lernen dabei, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
  • Wenn jedes Gruppenmitglied seine speziellen Fähigkeiten einbringt und die Gruppe arbeitsteilig vorgeht– der eine schreibt gern, eine andere zeichnet, ein Dritter fertigt die Beispielrechnung an – kann das für alle arbeitsentlastend sein.

Voraussetzungen für Gruppenarbeit in der Schule

Damit diese Vorteile von Gruppenarbeit zum Tragen kommen, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein. Vor allem müssen die Gruppenmitglieder nicht nur gern, sondern auch effizient zusammenarbeiten. Sie benötigen dafür eine klare Struktur mit guten Vorgaben und müssen vom Sinn der Gruppenarbeit in der Schule überzeugt sein. Außerdem wichtig zu beachten:
  • Gruppenarbeit in der Schule funktioniert in der Regel nicht „von Null auf Hundert“, sondern benötigt eine gewisse Anlaufzeit, in der sich die Gruppenmitglieder orientieren und beschnuppern.
  • Die Gruppengröße bei Gruppenarbeiten in der Schule ist wichtig für den Erfolg und sollte nicht mehr als fünf Personen betragen, weil Gruppen sonst leicht in Untergruppen zerfallen.
  • Rahmenbedingungen wie ausreichend Platz, Versorgung mit dem notwendigen Arbeitsmaterial und eine klar definierte Arbeitszeit sind sinnvoll.
  • Es muss klar sein, ob die Aufgabenstellung themengleich (für alle Gruppen identisch) oder themendifferenziert (jede Gruppe bearbeitet einen eigenen Auftrag) gestellt wird.
  • Geeignete Materialien für die Gruppenarbeit in der Schule müssen vorliegen und evt. erstellt werden.
  • Eine gute Lerngruppe ist immer heterogen, d.h. sie besteht je nach Ausgangssituation aus stärkeren und schwächeren Schülerinnen und Schüler, Mädchen und Jungen, ist unterkulturell und verschieden in Bezug auf Vorkenntnisse und wenn möglich auch auf das Alter.
  • Vor Beginn der Gruppenarbeit in der Schule sollten Regeln, Abläufe und Verantwortlichkeiten besprochen werden.

Gruppenarbeit in der Schule: Beispielhafte Methoden von Gruppenarbeit

Für die Gruppenarbeit in der Schule gibt es ein großes Repertoire an Möglichkeiten, die sich für unterschiedliche Anforderungen und Altersstufen eignen. Im Folgenden stelle ich zwei davon vor: Die Gruppen-Experten-Rallye (auch Gruppenpuzzle) und das World Café (auch Graffiti Steps).

Gruppenarbeit 1: Gruppen-Experten-Rallye

Bei der schulischen Gruppenarbeit "Gruppen-Experten-Rallye" sind die Schülerinnen und Schüler nicht nur Lernende, sondern gleichzeitig auch Lehrende.

So funktioniert die Gruppenarbeit:
  • Die Klasse (oder Gruppe) wird in mehrere Kleingruppen (Stammgruppen) aufgeteilt, abhängig von der Zahl der Teilnehmer und Teilthemen.
  • Jede dieser Stammgruppen erhält unterschiedliche Materialien, die sich thematisch ergänzen.
  • Die Stammgruppen verteilen eigenständig die Arbeit auf die Gruppenmitglieder. Nun machen sich alle in einer kurzen Arbeitsphase mit ihren Texten vertraut und eigenen sich das entsprechende Wissen an.
  • Anschließend lösen sich die Stammgruppen wieder auf und Schülerinnen und Schüler mit gleichen Texten finden sich in einer „Expertengruppe“ zusammen, um gemeinsam ihr Thema weiter zu bearbeiten.
  • In der letzten Phase kehren die Mitglieder der Expertengruppen in ihre vormaligen Stammgruppen zurück, die nun einen Mix aus verschiedenen Experten darstellen. Jeder Experte erläutert den übrigen sein Thema. Alle erarbeiten sich so ein gemeinsames Wissen, zu dem jeder einen wichtigen Beitrag leistet. Wesentlich an der Methode ist es, dass jeder Lerner aktiv, das heißt in einer Phase auch zum Lehrer wird.
  • Abschließend werden die Gruppen-Ergebnisse im Plenum präsentiert. Idealerweise geschieht das nicht nur als Vortrag, sondern mithilfe von Plakaten, PowerPoint oder Prezi-Präsentation, Rollenspiel, Wandzeitung, Portfolio, Expertenbefragung etc.

Gruppenarbeit 2: World Cafe

Das World Café eignet sich für große Gruppenarbeiten in der Schule, kann jedoch in dieser etwas modifizierten Form genauso gut im Klassenverband eingesetzt werden. Die Methode zeichnet sich durch große inhaltliche Offenheit aus und ermuntert die Teilnehmenden, viele Facetten eines Themas zu beleuchten.

So funktioniert die Gruppenarbeit:
  • Auf bis zu fünf Tische werden große Papierbögen gelegt, auf denen in der Mitte eine Frage bzw. ein Aspekt eines übergreifenden Themas steht.
  • An jedem Tisch kommt eine Kleingruppe zusammen. Jedes Mitglied schreibt seine Ideen und Gedanken zu dem vorgegebenen Thema oder der Frage kreuz und quer auf den Papierbogen.
  • Nach 5 bis 10 Minuten wechselt die Gruppe zum nächsten Tisch, um dort zum nächsten Thema zu „brainstormen“. Dabei können nun die Bemerkungen der vorangehenden Gruppe mit einbezogen, kommentiert und ergänzt werden. Der Prozess wird fortgesetzt, bis jede Gruppe wieder an ihrem Ausgangs-Tisch zurück ist.
  • Dort angekommen gehen die Gruppenmitglieder gemeinsam die auf dem Bogen stehenden Kommentare durch. Sie fassen diese zu Themenbündeln zusammen und präsentieren sie anschließend dem Rest der Klasse.

Links

https://www.meinunterricht.de/blog/gruppenarbeit-methoden-unterricht/

https://wb-web.de/wissen/methoden/gruppenarbeit.html

At work Magazin - Nobody is an island. Zusammenarbeit und kooperative Aufgaben Heft 28 / 2018-2019

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