Über den Autor/die Autorin

Alexandra von Plüskow - Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski arbeitet als Lehrerin an der Grundschule Deutsch Evern und als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis. Sie war mehrere Jahre als Fachberaterin für die Landesschulbehörde Lüneburg tätig und verfasst Texte zu pädagogischen Themen für verschiedene Magazine und Verlage.

Mobbing und Bullying in Kita und Grundschule

von Alexandra von Plüskow - Kaminski



© Christian Schwier - Fotolia.com
Mobbing bzw. Bullying unter Kindern in Schulen ist seit geraumer Zeit ein Thema, das vonseiten der Medien, aber auch von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften sowie von Eltern diskutiert wird. Doch gibt es Formen von Bullying auch schon in der Kita und in der Grundschule? Was sollten Eltern und die Pädagoginnen und Pädagogen in den Einrichtungen unternehmen, um Mobbing unter Kindern entgegenzutreten - und diesem vorzubeugen? Unsere Autorin Alexandra v. Plüskow-Kaminski hat erste Ansätze zusammen getragen.

Mobbing - Bullying - eine Definition

Der Begriff des Mobbing wurde in den Sechzigerjahren durch den Verhaltensforscher Konrad Lorenz geprägt. Der Begriff „to mob“ stammt aus dem Englischen und heißt übersetzt „jemanden angreifen, jemanden schikanieren, jemanden bedrängen.“Er bedeutet, dass ein Täter bzw. eine Täterin - häufig gemeinsam mit weiteren (Mit-) Tätern und (Mit-) Täterinnen ein Opfer über einen längeren Zeitraum hinweg (ca. ein halbes Jahr) mindestens ein Mal pro Woche piesackt.
Im schulischen Kontext spricht man mit Blick auf Mobbing unter Kindern häufig inzwischen von „Bullying.“
Mobbing- bzw. Bullying-Handlungen können sowohl direkt sein (Auslachen, Hänseln, körperliche Attacken, etc.), aber auch indirekt wie etwa das Streuen von Gerüchten über das betroffene Kind. In späteren Kindheitsjahren und in der Jugend kommt dann auch das Cybermobbing - etwa über soziale Netzwerke - hinzu.

Gesundheitliche Auswirkungen

Die regelmäßigen Mobbing-Attacken zeigen sich in den meisten Fällen durch gesundheitliche Auswirkungen. Ist Ihr Kind schweigsamer und zurückgezogener als sonst? Erzählt es weniger aus dem Kindergarten bzw. aus der Schule? Leidet es in der letzten Zeit öfter unter körperlichen Symptomen wie etwa Bauch- oder Kopfschmerzen? Hat es Angst, in die Kita oder Schule zu gehen? Ist sein Selbstbewusstsein deutlich angeschlagen?

Den Dialog suchen

Wenn Sie solche Veränderungen an Ihrem Kind bemerken, dann sollten Sie zunächst das Gespräch mit ihm suchen. Schildern Sie ihm, dass Sie das Gefühl haben, es wäre in der letzten Zeit bedrückt. Fragen Sie, ob und was es belasten könnte. Nehmen Sie Ihr Kind in all seinen Gefühlen ernst.
Suchen Sie darüber hinaus in jedem Fall das Gespräch mit den pädagogischen Fachkräften in der Kita und der Schule. Bitten Sie diese darum, ihre Wahrnehmungen zu schildern. Erläutern Sie, welche Beobachtungen Sie machen - und bitten Sie die pädagogische Fachkraft oder Lehrkraft um ihre Einschätzung.
Besprechen Sie darüber hinaus, wie Sie gemeinsam weiter vorgehen werden. Die pädagogische Fachkraft bzw. Lehrkraft muss in manchen Fällen die Situation beobachten, um sie einschätzen zu können. Dabei ist sie nun aber sensibilisiert für mögliche Attacken innerhalb der von ihr zu betreuenden Gruppe und sollte klar gegen diese vorgehen. Sie sollte alle anderen pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie im besten Fall die Leitung der Einrichtung informieren, damit geschlossen gegen ein mögliches Mobbing vorgegangen werden kann.

Mit den Kindern arbeiten

Innerhalb der Kindergruppe sollte einem Mobbing klar entgegen getreten werden. Dabei ist es wichtig, dass die Pädagoginnen und Pädagogen Mobbinghandlungen sofort unterbinden. Hierfür sollten im Team strikte Regeln aufgestellt werden. Auch sollte ein Maßnahmenkatalog erstellt werden, der greift, wenn die Mobbing-Täter und -Täterinnen nicht aufhören. Diese Maßnahmen sollten allen Kindern transparent gemacht werden.
In manchen Fällen ist es ratsam, Expertinnen bzw. Experten von außen hinzuzuziehen wie etwa den Schulpsychologischen Dienst, ein so genannte Mobbing-Interventions-Team (oftmals vonseiten des Landes angeboten) oder die Erziehungsberatungsstellen, die in vielen Kommunen als Ansprechpartner vorhanden sind.

Prävention

Sehr wirksam ist es, frühzeitig mit Präventionsmaßnahmen dem Entstehen eines Mobbings vorzubeugen. Wichtig sind hierbei klare Regeln innerhalb der Kindergruppe. Die Kinder sollten dafür sensibilisiert werden, Dinge, die ihnen unangenehm sind, zu benennen und diesen entgegen zu treten. Hierfür sollte es eindeutige Signale geben, die für alle gelten. So etwa ist sofort aufzuhören, wenn ein Kind durch das Sagen von „Stopp!“ dem Geschehen Einhalt gebietet. Übertreten andere Kinder diese Grenzen, so ist es wichtig, dass die pädagogischen Fachkräfte oder Lehrkräfte als Ansprechpersonen auf Augenhöhe bereit sind, damit sie das Kind unterstützen können.
Sowohl für die Kita als auch für die Grundschule gibt es Präventionsangebote, die schon mit jüngeren Kindern geübt werden können. Solche Programme sind etwa: Sicher-Stark und Faustlos. Ältere Kinder können sich in Grundschulen darüber hinaus zu Konfliktlotsen ausbilden lassen. Ein weiteres niedrigschwelliges Angebot ist das Programm Seniorpartner in School (SIS- www.seniorpartnerinschool.de ). Seniorinnen und Senioren bieten in Schulen innerhalb fester Sprechstunden ehrenamtliche Mediation an.
Wichtig ist immer die Zusammenarbeit von Elternhaus und Einrichtung. Laden Sie externe Expertinnen und Experten zu Informationsveranstaltungen ein. Entwickeln Sie im erweiterten Team oder in der Strategiegruppe der Einrichtung gemeinsam eine Strategie gegen Mobbing in der Einrichtung - etwa unter Moderation eines Experten oder einer Expertin. Wichtig ist auch die eigene Achtsamkeit im Umgang mit möglichen Konflikten und auch bei Mobbing-Attacken.

Wichtig bleibt zweifellos, dass es wichtig ist, Kindern eine geschützte Atmosphäre sowohl im Elternhaus als auch in der Kita oder in der Schule zu bieten, damit es Raum findet und Vertrauen hat, sich mit seinen Sorgen und Nöten zu äußern. Es muss sich auf den absoluten Rückhalt seiner Vertrauenspersonen verlassen können. Nur so kann Mobbing vorgebeugt und ggf. Einhalt geboten werden.

PERLE in Walsrode und in der Vogelparkregion

Eine offene und dialogfähige Haltung ist das A und O, um Mobbing in Kita und Grundschule vorzubeugen oder diesem Einhalt zu gebieten.
Das Projekt PERLE in Walsrode und in der Vogelparkregion setzt in diesem Kontext seit nunmehr viereinhalb Jahren auf die Faktoren „Wahrnehmungs- und Dialogkompetenz.“ Mit Erfolg - ca. 50 pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte nehmen seither an dem Netzwerk teil. Erreicht werden damit rund 900 Kinder vor Ort. Alle Fachkräfte und Lehrkräfte arbeiten gezielt daran, den wichtigen Übergang von der Kita in die Grundschule für jedes Kind in der Region - nicht nur mit Blick auf mögliches Mobbing - umfassend und nachhaltig gelingend zu gestalten.
Um sich europäisch zu öffnen und internationale Impulse zu sammeln, hat das Projekt sich erfolgreich um eine Förderung der EU beworben und wird im Rahmen eines ERASMUS +-Projektes Impulse u.a. in Österreich sammeln (Gemeinsam stark werden - das Lebenskompetenzprogramm für die Volksschule) und in Polen (Ausbildung pädagogischer Fachkräfte und Lehrkräfte mit dem Schwerpunkt Inklusion „Kita und Grundschule unter einem Dach“).
Mehr Informationen zu PERLE

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