Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

Weniger Plastikmüll

von Ulrike Lindner



© Sonja - Fotolia.com
Deutschland ist mal wieder Spitze - allerdings diesmal nicht im Fußball oder als Exportweltmeister, sondern in Sachen Müll. Nirgendwo in Europa werden so viele Verpackungen weggeworfen und landen im Hausmüll, wie hierzulande. Etwa 220 Kilo Verpackungen pro Kopf, so das Umweltbundesamt, schlagen Jahr für Jahr zu Buche, davon etwa ein Viertel – 55 Kilo – aus Plastik. Das meiste davon stammt aus dem Lebensmittelbereich. Jeder, der heute einen Supermarkt betritt, kann sich selbst ein Bild davon machen, wie allgegenwärtig die Kunststoffverpackung hier ist. Keine Wurstscheibe, kein Salat, keine Süßigkeiten, die nicht in praktisches, quietschebuntes und Jahrzehnte lang haltbares Plastik gehüllt wäre.

Jahr für Jahr mehr Verpackungsmüll

Obwohl das Abfallaufkommen in Deutschland in absoluten Zahlen weniger wird, steigt die Menge des Verpackungsmülls seit Jahren kontinuierlich an. Ein Grund dafür ist nach Ansicht von Experten die steigende Anzahl von Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten. Kleinere Haushalte kaufen kleinere Mengen, die jeweils einzeln verpackt werden.

Weitere Gründe für immer mehr Verpackungen, viele davon aus Kunststoff sind:
  • ein Trend zu Produkten, die aus Bequemlichkeitsgründen portionsweise angeboten und entsprechend verpackt sind,
  • die wachsende Lust an Fast Food, Fertiggerichten und To-go-Mahlzeiten, die ebenfalls für mehr Verpackungen sorgen,
  • Steigende Beliebtheit von Säften und Limonaden
  • Ein Anstieg des Versandhandels, bei dem bereits verpackte Einheiten ein weiteres Mal für den Versand verpackt werden.

Was lässt sich tun?

Verpackungsmüll vermeiden ist daher das Gebot der Stunde - und lässt sich auch für den einzelnen durchaus umsetzen.

Maßnahme 1
Wasser trinken oder auf Mehrweg setzen


Leitungswasser in Deutschland kommt - trotz der aktuellen Trinkwasserdebatte - in aller Regel in sehr guter Qualität aus dem Hahn. Statt stilles Wasser in Flaschen zu kaufen, kann allein das Trinken von Wasser aus der Leitung den persönlichen Verpackungsmüll bereits reduzieren. Wenn dennoch verpackte Getränke gekauft werden, können Mehrwegverpackungen den Anfall von Abfällen stark reduzieren. Dabei gilt: Lieber regional produzierte Getränke in Mehrwegflaschen kaufen, weil dadurch auch die transportbedingten Umweltbelastungen verringert werden.

Nicht nur, um das Pfand zurück zu bekommen, sollten PET-Flaschen dringend recycelt werden und nicht einfach im Wald entsorgt werden: Sie benötigen dort 500 Jahre, um sich auf natürlichem Weg zu zersetzen.

Maßnahme 2
Plastiktüten vermeiden


Plastiktüten, in denen wir unsere Einkäufe nach Hause tragen oder die drei Äpfel im Supermarkt fürs Abwiegen an der Kasse verpacken, sind besonders sinnlose Verpackungskünstler. Ihr Hauptproblem ist, dass sie sehr oft nur einmal verwendet und dann weggeworfen oder allenfalls noch als Müllbeutel gebraucht werden – bei einem Produkt, das wie die dünnen Beutel für Obst oder Gemüse etwa 20 Jahre lang intakt bleibt, wenn es bei Wind und Wetter im Wald liegt, eine dramatische Fehlbesetzung. Ein Vermeiden unnötiger Tüten verringert daher den persönlichen Plastikmüll und schont die Umwelt. Das geht ganz einfach durch die Mitnahme von Tüten, Taschen oder Körben zum Einkaufen.

Übrigens verpflichtet eine Änderung der EU-Verpackungsrichtlinie die Mitgliedstaaten, den Verbrauch von Plastiktüten bis Ende 2019 auf maximal 90 Stück pro Kopf und Jahr und bis Ende 2025 auf 40 Stück pro Kopf und Jahr zu reduzieren. Deutschland hat deshalb schon 2016 ein Entgelt für Kunststofftragetaschen eingeführt, das bereits zu einem Rückgang der Tüten geführt hat. Zum Vergleich: 2015 fielen pro Kopf noch 45 Tragetaschen an (insgesamt 5,6 Milliarden Stück), 2017 waren es nur noch 29 Stück pro Kopf. Allerdings sind Plastiktüten, die in den Selbstbedienungszonen für Obst und Gemüse abgegeben werden, von der Regelung ausgeschlossen.

Maßnahme 3
Lieber Markt als Supermarkt


Ein Blick auf die Marktstände zeigt es - auf dem Markt gibts Kartoffel, Apfel und andere Lebensmittel ohne Plastik drumrum. Wer Kunststoffverpackungen reduzieren will, geht daher für den Wocheneinkauf am besten auf den Markt, ausgerüstet mit ein paar Beuteln und evtl. Boxen, in denen sich auch Käse oder Wurstwaren ganz ohne Plastik nach Hause tragen lassen.

Maßnahme 4
Auf Mehrfachnutzung setzen


Seit die Verpackungsdebatte in vollem Gang ist, denkt auch die Industrie ein Stück weit um. Durch den Gebrauch von wieder auffüllbaren Plastikverpackungen kann jeder einzelne diesen Trend unterstützen. So bieten einige Firmen an, gebrauchte Shampoo oder Duschgel-Flaschen erneut zu befüllen. Auch wenn die aktuelle Lieblingsmarke diesen Service nicht anbietet, kann jeder mit der leeren Duschgel-Flasche in einen der immer mehr „Unverpackt“-Läden gehen und sie dort neu befüllen lassen.

Maßnahme 5
To go ist ein No go


Einmalbecher für Kaffee oder Latte sind außen aus Pappe, innen aber mit einer dünnen Plastikschicht versieglt. Ein Verzicht auf diese Wegwerfprodukte verringert ebenfalls die persönliche Müll- und Plastikmenge. Statt Einmalbecher setzen schon viele Kommunen auf Mehrfachnutzung und bieten entsprechende wiederverwendbare Becher an. Noch einfacher gehts, wenn jeder seinen eigenen Thermobecher mitnimmt und sich am Verkaufspunkt befüllen lässt.

Maßnahme 6
Selbst kochen


Ein Verzicht auf Convenience-Produkte führt automatisch zu weniger Plastikmüll. Wer öfter selbst den Kochlöffel schwingt, statt die Plastikfolie von der Fertigpizza zu pulen, tut der eigenen Gesundheit etwas Gutes und schont die Umwelt. Besonders groß ist der Effekt, wenn dabei auf plastikverpackte Produkte verzichtet wird.

Links:

Aktuelle Zahlen und Erkenntnisse zum Thema gibts beim Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de

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