Über den Autor/die Autorin

Alexandra von Plüskow - Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski arbeitet als Lehrerin an der Grundschule Deutsch Evern und als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis. Sie war mehrere Jahre als Fachberaterin für die Landesschulbehörde Lüneburg tätig und verfasst Texte zu pädagogischen Themen für verschiedene Magazine und Verlage.

Mehr Gelassenheit als Mutter

von Alexandra von Plüskow - Kaminski



© Julia Dibbern
Die aktuelle Studie „UK Household Longitudinal Survey“ benennt, was berufstätige Mütter Tag für Tag erleben. Ihr Stresslevel ist bis zu 40 % höher als der von nicht berufstätigen Müttern sowie Berufstätigen ohne Kinder. Welche Möglichkeiten gibt es, um eine Work-Life-Balance zu erreichen? Oder einfach, ein Mehr an Gelassenheit im Alltag?

Working Mums

Der Spagat zwischen Kindern, Haushalt und Beruf ist für moderne Mütter eine große Herausforderung. Damit dieser nicht zu einer dauerhaften Erschöpfung führt, ist es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Doch eines vorweg - eine allgemeine Lösung gibt es hierfür nicht. Das Arbeiten in Teilzeit verschafft - nach der oben genannten Studie - oftmals etwas Luft, doch ist sie nicht immer möglich. Können Elternpaare über eine solche Lösung nachdenken, so muss auch über die finanziellen Nachteile gesprochen werden, die möglicherweise einem Elternteil durch die Teilzeit entstehen - und eine tragfähige Lösung hierzu fixiert werden. In manchen Partnerschaften ist es möglich, dass beide Partner in Teilzeit arbeiten und sich die Belastungen von Familienarbeit und Erwerbsarbeit besser aufteilen können.

Stressfaktoren identifizieren

Darüber hinaus ist es wichtig, die Stressfaktoren herauszufinden, die als besonders belastend empfunden werden. Mütter können hierzu eine Art Mind Map anfertigen oder sich hierfür Unterstützung beispielsweise durch ein Gespräch mit einer Freundin oder einem Coach holen. Was stresst besonders? Was davon ist wirklich wichtig - was wiederum kann auch einfach hingenommen werden?

Ist es etwas wirklich wichtig, dass die Kinderzimmer stets aufgeräumt sind? Oder kann man hier Abstriche machen und die Verantwortung bei den Kindern lassen?

Stress bei den Hausaufgaben kann auch vorgebeugt werden, wenn das Kind beispielsweise diese im Kontext eines Besuches einer Ganztagsschule erledigt oder - falls vorhanden - mit Oma oder Opa. Sie leiden unter der ständigen Erreichbarkeit durch Smartphone und Co? Dann könnten Sie beispielsweise mit Ihrem Arbeitgeber feste Sprechzeiten vereinbaren - und außerhalb dieser Zeiten das Handy weglegen. Auch im privaten Bereich ist diese Handy-Abstinenz gewinnbringend, um selbst zur Ruhe zu kommen.

Gemeinsam tätig werden

Planen Sie Aktivitäten im Haushalt gemeinsam mit Partner und Kindern. Eine Verteilung der Aufgaben ist sinnvoll - und schafft Klarheit. Diese festgelegten, für die Kinder altersgerechten Gemeinschaftsaufgaben (Spülmaschine ein- oder ausräumen, Müll herausbringen, Treppe fegen, Tisch decken …) sind nicht verhandelbar und müssen erledigt werden. Im Gegenzug sollten sie aber auch Verantwortung abgeben und beispielsweise Ihrem Kind es überlassen, wenn es das eigene Zimmer nicht so aufräumt, wie Sie es selbst gern hätten.

Überlegen Sie, welche Dinge Ihnen Entlastung schaffen könnten - wie etwa das Vorkochen von Mahlzeiten für die Woche.

Rituale schaffen

Eine klare Unterteilung zwischen Arbeitszeit und Familienzeit ist wichtig. Rituale wie das gemeinsame Familienessen am Abend, Spielzeiten oder auch ein Fernsehabend sind für alle Familienmitglieder wichtig, um Kraft zu tanken. Während dieser fest eingeplanten Auszeiten haben Arbeitsinhalte, Hausarbeiten oder Smartphone und Co nichts zu suchen.

Als Mutter Auszeiten suchen

Was tut Ihnen gut? Für manche Mütter sind es die kleinen Auszeiten vom Alltag wie etwa eine in Ruhe genossene Tasse Tee oder Tasse Kaffee, ein Telefonat mit einer Freundin, Sport oder kurze Meditationen beispielsweise mithilfe einer Meditations-App (7Mind zum Beispiel). Sorgen Sie auch gut für sich. Im Haushalt beispielsweise können Fünfe gut gerade gelassen werden.

Wie das ihrer Meinung nach gehen kann, nennt die Autorin Julia Dibbern im kurzen Interview mit Alexandra v. Plüskow-Kaminski.

Julia Dibbern hat gemeinsam mit Nicola Schmidt das Buch „slow family“ geschrieben, in dem die beiden Autorinnen und Mütter „sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ vorstellen.

1.Liebe Frau Dibbern, das Buch slow family nennt „sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern.“ Welche ist Ihrer Meinung die wichtigste Zutat für mehr Gelassenheit im Familienalltag?

Vertrauen. Und zwar Vertrauen sowohl in die guten Intentionen des Kindes als auch in die eigenen Fähigkeiten als Eltern. Familienleben wird dann schwierig, wenn man "Fehlverhalten" des Kindes nicht als das sieht, was es ist - je nach Situation Überlastung, Hunger, Müdigkeit, Nähebedürfnis oder was auch immer - sondern als Angriff auf die eigene Erziehungskompetenz versteht. Und das passiert leichter, als man denkt, vor allem, weil wir als Gesellschaft so darauf trainiert sind, bestimmte voraussagbare Ergebnisse zu erwarten.
Wenn ich als Mutter/Vater diese oder jene Handlung durchführe, bekomme ich dies oder jenes Wohlverhalten - das funktioniert einfach nicht. Aber wenn man als Eltern bewusst auf die guten Absichten des Kindes achtet und sich darüber klar ist, dass man (in aller Regel) bisher keinen ganz schlechten Job als Eltern gemacht hat, kann das enrom entlasten.

2. Viele Frauen stehen heute unter dem Stress des andauernden Spagats zwischen Familienleben und Beruf. Welche Tipps haben Sie für kurze Auszeiten?

Diese Auszeiten kann man im Familienalltag gezielt einplanen. Heute Kinderturnen, morgen Musikschule - übermorgen dann eben gemütlicher Waldtag. Oder Spieltag im Wohnzimmer. Oder Schlafanzugtag. Oder ein gezielt unverplanter Tag.
Aber auch Auszeiten für Mütter sind extrem wichtig, denn Menschen sind biologisch nicht dafür gemacht, dass eine Mutter (oder ein Vater) isoliert mit kleinen Kindern lebt. Unsere Gesellschaft ist so strukturiert, aber von Natur aus würden wir unsere Kinder eigentlich kollektiv aufziehen. Deswegen ist es so wichtig, dass Mütter Atempausen bekommen und sich diese auch zugestehen. Zeiten, in denen sie nur mit Erwachsenen sprechen zum Beispiel. Und auch über "erwachsene" Themen. Damit meine ich nicht das Meeting im Büro oder das Kundengespräch im Laden, sondern "erwachsene" Freizeit. Chor, Sport, Yoga - was auch immer. Irgendetwas, das Freude macht und nur der Selbstfürsorge dient.

3. In slow family geht es auch darum, Nachhaltigkeit zu leben? Welche Familienmomente erleben Sie selbst als besonders nachhaltig - und was braucht es hierfür?

Nachhaltigkeit ist ein großes Wort. Nachhaltigkeit besteht aus mehreren Aspekten, ökologisch, ökonomisch, sozial und kulturell. "Besonders nachhaltig" kann demzufolge sehr vieles sein. In Slow Family geht es aber bei diesem Begriff vor allem darum, auch unseren Enkeln noch einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Ich finde es schwierig, da einzelne Momente herauszupicken, aber das Schöne an "Nachhaltigkeit" ist ja, dass weniger in der Regel mehr ist. Ein Spaziergang im Park mit einem kleinen Kind kann Naturliebe inspirieren, bewusstes Einkaufen kann Kindern einfach im Alltag ohne erhobenen Zeigefinger sinnvolles Konsumverhalten nahebringen und so weiter. Und letztlich ist es natürlich nachhaltig, Kinder zu liebens- und empathiefähigen Erwachsenen heranwachsen zu lassen.

Liebe Frau Dibbern, vielen Dank für das Interview.

Mehr von Julia Dibbern lesen Sie hier:

https://www.juliadibbern.de

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