Über den Autor/die Autorin

Christine  Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

Klimastreik – worum geht es?

von Christine Kammerer



© nito - Fotolia.com
Eine ganze Schüler-Generation streikt. Die jungen Aktivisten von #FridaysforFuture gehen Freitag für Freitag auf die Straße statt zur Schule. Sie wollen den Klimawandel nicht mehr stillschweigend hinnehmen und sie prangern die Passivität und Ignoranz der Erwachsenen angesichts seiner verheerenden Folgen an. Wer sind die Initiatoren dieser Streiks? Warum streiken sie und was konkret werfen sie den vorausgehenden Generationen vor? Welche Forderungen verbinden sie mit ihren Protesten und wie realistisch sind diese? Dieser Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Klimastreiks und zieht ein vorläufiges Fazit.

Welchen Hintergrund haben die „Fridays For Future“?

Die Klimastreiks gehen zurück auf eine Initiative der damals 15-jährigen schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Sie verweigerte den Schulbesuch ab dem 20. August 2018 und saß zunächst drei Wochen lang täglich während der Unterrichtszeit vor dem schwedischen Reichstagsgebäude in Stockholm, um für das Klima zu streiken.

Thunberg insistierte darauf, den Streik jeden Freitag fortzusetzen und zwar so lange, bis die Klimapolitik Schwedens den Grundsätzen des Pariser Klimaabkommens entspreche. Sie verwendete den Hashtag #FridaysForFuture“, der von den Klima-Aktivisten übernommen wurde, die inzwischen weltweit demonstrieren und streiken.

Welche Argumente legitimieren das Schule schwänzen?

Da etliche Schüler in Deutschland seit Dezember regelmäßig an jedem Freitag während der Schulzeit demonstrierten, hagelte es von vielen Seiten Kritik: Warum müssen die Streiks während der Schulzeit stattfinden? Warum können oder wollen die Aktivisten nicht auf schulfreie Zeit ausweichen?

Die Antwort: Schüler-Demos in der Freizeit erregen kein Aufsehen und genau darum geht es den Protestierenden ja. Auch Arbeitnehmer-Streiks, die niemanden empfindlich treffen, wie beispielsweise durch Störungen des Flugplans, würden wirkungslos verpuffen. Natürlich werden immer auch Schüler an den Klimastreiks teilnehmen, die nur am „Schwänzen“ interessiert sind. Das kann jedoch die Aktionen der Protestierenden nicht entwerten. Und man muss auch zugestehen, dass sie die gewünschte Aufmerksamkeit tatsächlich erlangt haben.

Wer sind die Aktivisten und gegen was richten sich die Klimastreiks?

Die Initiatoren der Klimastreiks sind hauptsächlich Jugendliche im Teenager-Alter. Die Schüler, die an den Fridays for Future auf die Straße gehen, nennen sich auch „die neue Generation“.

Im Gegensatz zu den älteren Generationen. Sie machen ihnen konkret den Vorwurf, mit ihrem verantwortungslosen Verhalten ihre Zukunft leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Sie beklagen, dass das Handeln der Älteren nicht generationengerecht sei. Sie üben Kritik an einem Wirtschafts-System, das sich einzig an dem Kriterium „Wachstum“ orientiert, das sie als pathologisch empfinden, weil es Armut und soziale Ungleichheit erzeugt und weil darin die Reichen ihren Wohlstand auf dem Rücken der anderen erwirtschaften.

Die konkreten Forderungen

Die Aktivisten wurden aufgefordert, ihre Ziele zu konkretisieren. Diese hatte Greta Thunberg zwar bereits in groben Zügen vorgegeben, nämlich die Einhaltung des Übereinkommens von Paris. Dies wurde jedoch von vielen Kritikern als zu vage empfunden. Also legten die Aktivisten von Fridays for Future Deutschland (FFFD) Anfang April nach und konkretisierten die Forderungen:

Bis Ende 2019:
  • Abschaffung der Subventionen für fossile Energien.
  • Abschaltung von einem Viertel aller Kohlekraftwerke.
  • Einführung einer CO2-Steuer auf alle Treibhausgasemissionen.
Bis 2030 soll außerdem der Kohleausstieg umgesetzt und bis 2035 eine Senkung der Treibhausgasemissionen in Deutschland auf netto null verwirklicht werden. Die Energieversorgung soll zu diesem Zeitpunkt zu 100 % auf erneuerbaren Energien beruhen.

Wie realistisch sind die Forderungen des FFFD?

Es gibt im Hinblick auf die formulierten Forderungen einen großen Schwachpunkt – ebenso übrigens, wie hinsichtlich des Pariser Übereinkommens zur Klimapolitik. Er besteht darin, dass die Initiatoren nicht sagen (können), wie die erklärten Ziele denn überhaupt unter den Gegebenheiten einer globalen und stark vernetzten Gesellschaft und dem bestehenden Wirtschaftssystem ganz praktisch realpolitisch umgesetzt werden sollen. Die FFFD-Aktivisten konstatieren lediglich, dass dies Aufgabe von Politik und Wissenschaft sei.

Aber macht auch die Wissenschaft hier wenig Hoffnung auf konkrete Umsetzung: Klima-Forscher wie beispielsweise der Leiter des Süddeutschen Klimabüros am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Hans Schipper, sagen zwar, wenn man das 2-Grad-Ziel überhaupt noch erreichen wolle, dann sei die sofortige Umsetzung der Ziele unumgänglich. Sie räumen aber auch ein, dass die Forderungen sehr ambitioniert seien und machen nicht wirklich konkrete Aussagen dazu, wie diese Ziele denn nun erreicht werden könnten. Ein radikaler Wandel wirtschaftlicher Grundsätze weg vom Wachstum hin zum Klimaschutz ist also keineswegs in Sicht. Doch es wäre zu kurz gegriffen, nur der Politik die Schuld zuzuweisen, weil die Möglichkeiten der Einflussnahme nationaler Staaten im globalen System marginal sind.

Fazit: Kleine Schritte und Übernahme von Verantwortung – jetzt!

Fakt ist: Wir müssen dringend etwas unternehmen, um die heute schon sichtbaren und dramatischen globalen Folgen des Klimawandels aufzufangen und abzumildern. Es ist aber nicht getan mit (teilweise) utopischen Forderungen an die große Politik. Denn damit solche Veränderungen wirklich greifen können, muss jeder einzelne Mensch seinen Beitrag leisten. Hier und heute. Das bedeutet ganz konkret, dass jeder sein eigenes Verhalten prüft und gegebenenfalls ändert. Jetzt.

Denn natürlich führen nicht nur ältere Menschen einen Lebensstil, der auf Kosten der Umwelt geht. Auch die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland genießen in vielerlei Hinsicht die Vorzüge der Überfluss- und Konsumgesellschaft. Das betrifft zum Beispiel Schüler, die sich mit dem Eltern-Taxi zur Schule chauffieren lassen, anstatt mit Bus oder Fahrrad zu fahren. Es betrifft jene, die ihren Coffee-to-Go immer noch cool finden, regelmäßig Fast Food aus Einweg-Geschirr konsumieren und schicke Klamotten im Stile der angesagtesten Influencer shoppen. Nach ihrer Klima-Bilanz fragen lassen müssen sich auch alle jene Menschen, die heute so selbstverständlich um die Welt fliegen, ebenso wie exzessive Nutzer elektrischer und elektronischer Geräte, die den Stromverbrauch in die Höhe treiben.

Nur wenn jeder einzelne im Rahmen seiner Möglichkeiten konsequent verantwortlich handelt, können wir andere glaubwürdig zu einer Verhaltensänderung motivieren.

Links

Pariser Übereinkommen zur Klimapolitik

Unsere Forderungen an die Politik

"Fridays for Future" stellt ambitionierte Forderungen - und die Wissenschaft stimmt zu

„Wir Profis sagen, die junge Generation hat recht“

Klimastreik: Wir sind sauer auf unsere Eltern: Generation Y - Ein Gastbeitrag von Franziska Heinisch

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