Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks

Hildegard Dierks hat ihr Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Pädagogik für die Sekundarstufen I und II absolviert und an der Universität Bielefeld das Magisterstudium mit dem Schwerpunkt Computerlinguistik abgeschlossen. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen. Seit einigen Jahren ist sie begeisterte Anhängerin des sog. E-Learnings einer internetgestützten, zeitlich flexiblen Form des Studiums und der beruflichen Weiterbildung. Neben Lehrheften lernt man beim E-Learning auch in betreuten Chats und Webinaren. Frau Dierks lebt mit ihrer Familie in Ostwestfalen. In ihrer Freizeit hört sie gern Hörbücher und spielt Akkordeon.

Schülercoach

von Hildegard Dierks



© Nestor - Fotolia.com
Coaching spielt in unserer modernen Welt zunehmend eine Rolle, z.B. im Sport oder in unserem beruflichen Leben. Coaching gibt es inzwischen auch für Schülerinnen und Schüler. Was ist der Grundgedanke des Coachings in der Schule? Welche Grenzen und Probleme sind in diesem Zusammenhang denkbar?

Was ist Coaching ? - Allgemeine Aspekte

Beim Coaching kommt mit einem Coach eine Art neutraler Berater oder Impulsgeber in eine problematische, herausfordernde Situation. Der Coach hat keine fertigen Problemlösungen im Gepäck, sondern er schafft Situationen, die die Beteiligten dazu befähigen, Probleme zu überwinden. So ist der Grundgedanke. Ein Coach versteht sich als Begleiter, der beispielweise
  • Anregungen zur Selbstreflexion gibt,
  • Bei einer konstruktiven Gesprächsführung hilft,
  • Fähigkeiten der Beteiligten herausarbeitet,
  • Hilfe zur Selbsthilfe gibt,
  • Eine vertrauensvolle Atmosphäre schafft,
  • Ziele klärt.
Das sind die wichtigsten Aspekte, die bei Wikipedia unter dem Stichwort „Coaching“ aufgeführt sind. Man merkt gleich, dass Elemente des Coachings mit Unterricht, Schule und Lernen zusammen passen.

Schülercoaching: Wenn es nicht ganz rund läuft in der Schule

Die Eltern vieler Schülerinnen und Schüler geben jahrelang Geld für Nachhilfeunterricht aus, weil die Zensuren nicht gut sind und Schulprobleme unangenehm dominieren. Sich davon zu befreien, wäre wunderbar. Das denken viele Eltern.

Geht es um erfolgreiches Lernen, lohnt es sich zu überlegen, ob grundsätzliche Probleme das Lernen und die Schulsituation erschweren.

Warum sind Schüler/-innen mit gleicher Intelligenz unterschiedlich erfolgreich? Was kann man unabhängig vom Elternhaus tun, um Lernen zu optimieren?

Es geht in der Schule nicht nur um Probleme, die mit dem Verstehen des Lerninhalts verbunden sind, z.B. im Fach Mathematik. Sondern emotionale, soziale Probleme sowie persönliches Erleben können Lernen erschweren. Sind die eigenen Ziele nicht klar oder fehlt es an Ideen diese umzusetzen, bleiben Ergebnisse unzureichend.

Ein Schülercoach kann bei dieser Problematik vielleicht mehr helfen als ein/e Nachhilfelehrer/-in. Er kann sich je nach Problemlage um einen einzelnen Schüler kümmern, aber auch um eine Klassengemeinschaft.

Ein Schülercoach wird Vertrauen zu einer Klassengemeinschaft aufbauen und durch gezielte Gesprächsführung Erkenntnisprozesse anstoßen. Auch beim Schülercoaching ist es so, dass die Lösungen von den Schülerinnen und Schüler zur Verbesserung ihrer Lern- und Unterrichtssituation selbst gefunden werden sollen. Der Grundgedanke beim Schülercoaching ist der, dass Veränderungen zum Positiven dann am besten möglich sind, wenn die Schüler/-innen sich diese Veränderung wünschen und sie selbst auf Lösungen kommen.

Welche Fragen stellen sich beispielweise bezogen auf eine Klassengemeinschaft? Ist das Lernniveau oder die Lernatmosphäre in einer Klasse weniger gut weil,
  • beispielsweise Mobbing vorliegt,
  • das Gemeinschaftsgefühl zu wünschen übrig lässt,
  • die Schülerinnen und Schüler einen hohen Stresspegel haben,
  • die Konzentrationsfähigkeit nicht ausreicht,
  • keine Ruhezonen in der Schule vorhanden sind,
  • Pausen nicht förderlich genutzt werden,
  • die kurzfristigen und langfristigen Ziele unklar sind,
  • respektlos gestritten statt konstruktiv diskutiert wird,
  • in der Klasse viele Kinder sind, die eher auditiv als visuell Lernen?

Fortbildung zum Schülercoach

Zum Schülercoach bildet beispielsweise das „Netzwerk Osnabrücker Schülercoach“ aus. Die Ausbildung dieser Einrichtung richtet sich unter anderem an Lehrer/-innen, pädagogische Fachkräfte oder Personen, die sich beruflich als Coach entwickeln möchten, aber auch an Eltern.

Wegen des steigenden Lehrermangels gibt es an Schulen immer mehr Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, deren pädagogische Qualifikation nicht immer geregelt ist, die aber im Schulalltag bestehen wollen und müssen.

Im Mittelpunkt der Ausbildung beim „Netzwerk Osnabrücker Schülercoach“ steht neben dem schulischen Umfeld vor allem das familiäre und soziale Umfeld des Kindes, um zu intervenieren. Ein Schülercoach lernt in dieser Ausbildung unter besonderer Berücksichtigung der emotionalen Seite Methoden kennen, Kinder idealerweise zu befähigen, ihre Ziele zu finden und zu verfolgen, Ängste abzubauen, eigene Stärken und Ressourcen zu erkennen und damit zu arbeiten.

Eigene Ziele und Stärken zu finden, ist in der heutigen Zeit eine viel größere Herausforderung für Schülerinnen und Schüler als in der Vergangenheit. Heute haben wir die Qual der Wahl. Wir können uns nicht nur entscheiden, wir müssen es. Ohne Hilfe stellt das für viele Kinder und Heranwachsende oft eine Überforderung da. Schülercoaching setzt an diesem Punkt an.

Ein Coaching soll eine kurzfristige Intervention sein und keine Psychotherapie ersetzen.

Das „Netzwerk Osnabrücker Schülercoach“ bildet nicht nur aus zum Schülercoach, sondern vermittelt auch einen Schülercoach.

Alternativ zu einer Fortbildung vor Ort kann man sich beispielweise bei Fernakademien im modernen Distant-E-Learning Verfahren kombiniert mit Präsenzveranstaltungen zum Lerncoach fortbilden.

Möglichkeiten und Grenzen eines Schülercoachings

Wie wirksam Coaching tatsächlich ist, ist nicht genau belegt. Ein Coach legt auch keine Prüfung vor der IHK oder gar ein Staatsexamen ab.

Coaching ist allerdings, insbesondere bei jungen Menschen, positiv besetzt. Das kann bei Schülerinnen und Schülern ein Anfangsinteresse wecken. Von einem Coach angesprochen zu werden, kann sie anregen, wieder einmal oder überhaupt zum ersten Mal selbst über die eigene Situation in der Schule nachzudenken. Dieses Anfangsinteresse könnte insbesondere bei Schülerinnen und Schülern ab der Pubertät sowie bei Kindern aus eher bildungsfernen Familien genutzt werden, um Schulprobleme grundsätzlich anzugehen.

Trotzdem bleibt es etwas nebulös, wo genau das Aufgabengebiet eines Schülercoaches in Abgrenzung zum Schulsozialarbeiter, der Schulpsychologin oder zum Lehrer/zur Lehrerin wirklich ist? Idealerweise arbeiten alle zusammen zum Wohle der Schülerinnen und Schüler. Es sollte nur nicht so sein, dass eine Fachkraft die Probleme auf die andere schiebt.

Elemente eines Schülercoachings finden zudem ohnehin in Unterricht und Familie statt, ohne dass sie als solche explizit benannt werden. Schülerinnen und Schüler coachen sich sogar intuitiv bei Lernschwierigkeiten untereinander. Beispielweise verabreden sie sich zum Lernen, wenn sie allein Lernblockaden haben.

Problematisch muss der Kostenfaktor, der mit Coaching verbunden ist, gesehen werden. Welche Kosten sind mit einer Ausbildung zum Coach oder der Inanspruchnahme eines Coaches verbunden? Ein flächendeckendes Schüler-Coaching-Angebot gibt es außerdem nicht.

Nicht alle Kinder sind aufgeschlossen für ein Coaching. Manche Schülerinnen und Schüler macht es aggressiv oder ratlos, wenn ein Coach für schwierige Lern- oder Klassensituationen kommt, sie dann aber selbst Lösungen für ihre Probleme finden sollen.

In unseren Schulen ist immer mehr pädagogisches Personal beschäftigt. Sie arbeiten in Teilzeit oder befristet, während Kinder über einen langen Zeitraum, täglich sehr viel Zeit in der Schule verbringen. Es ist nicht jedem Kind klar, in welcher Hinsicht all diese Menschen für sie zuverlässig ansprechbar sind. Es mangelt unseren Kindern an Beständigkeit, an Menschen, die über lange Zeit verantwortungsvolle Beziehungen mit ihnen eingehen möchten. Ein Coach erfüllt dieses wichtige Kriterium leider nicht.

Kommentar: Schülercoach – Ein Wort, das Interesse weckt

Viele Schülerinnen und Schüler haben Lernschwierigkeiten, die nicht auf mangelnde Intelligenz zurückzuführen sind. Insbesondere in der Pubertät ist das der Fall. Aber diese krisenhafte Phase birgt auch die Chance allmählich Eigenverantwortung für das eigene Lernen und den schulischen Erfolg zu übernehmen. „Coach“, „Coaching“! Da hören vielleicht Schülerinnen und Schüler wieder hin, die von dem Lehrer oder Mama und Papa gerade nicht so viel halten. Warum nicht einmal einen Schülercoach einladen, wenn eine Klassensituation schon lange problematisch ist und das Leistungsniveau zu wünschen übrig lässt? Manchmal hat ein Kollege/eine Kollegin eine entsprechende Zusatzqualifikation. Projekttage oder eine Projektwoche können für ein Schülercoaching genutzt werden.

Einige Eltern würden ihrerseits ihre Kinder punktuell gern effektiver bei Schulproblemen unterstützen. Sie wissen aber nicht wie. Eltern können sich selbst zum Schülercoach ausbilden lassen, wenn sie das entsprechende Geld investieren möchten oder können. Da wir heute alle herausgefordert sind ein Leben lang zu lernen, können Eltern vermutlich auch für sich selbst davon profitieren.

Es wäre vor allem wünschenswert, wenn mithilfe des Schülercoachings die Plage „Mobbing“ in einer Klassengemeinschaft besser bekämpft werden könnte. Denn, wenn eine Klassengemeinschaft nicht aus sich selbst heraus langfristig bereit ist, etwas gegen Mobbing zu tun, wird die Bekämpfung von Mobbing nicht möglich sein.

Linktipps:

Das „Netzwerk Osnabrücker Schülercoach“ bildet zum Schülercoach aus und vermittelt den Kontakt zu einem Schülercoach

Fortbildung zum Lerncoach bei der Fernakademie ILS (Hamburg)

Stichwort „Coaching“

Buchtipps:

Hardeland, Hanna Der Klassen-Coach: Lehrst du noch oder coachst du schon? Ein Praxisbuch für die Umsetzung von (Lern-)Coaching in Klassen und Gruppen – für Sekundarstufe I und II Schneider Hohengehren

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