Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Langeweile im Winter ? – Keinesfalls!

von Jörg Sauer



© Vasyl - Fotolia.com
Der Geruch von frisch gefallenem Schnee liegt in der Luft. Die besondere Stille lädt zum Tummeln in der weißen Pracht ein. Natürlich hat die kalte Jahreszeit oftmals ein ganz anderes Gesicht. Dennoch hat jeder uns geschenkte Tag so viel Gutes in sich schlummern. Das gilt es entdecken und für uns zu nutzen. Dazu bietet der nachfolgende Beitrag einige Anregungen für draußen und drinnen.

Der Winter im Jahreskreis

Die Jahreszeit zwischen Herbst und Frühling zeichnet sich häufig durch eine geheimnisvolle Ruhe aus. In dieser Zeit scheint in der Natur alles still zu stehen. Verstärkt wird dieser Eindruck, wenn die Landschaft tief verschneit ist. Das Wort „Winter“ ist althochdeutsch. Dort heißt es „wintar ….“ und bedeutet so viel, wie „… feucht, eigentlich feuchte Jahreszeit.“ (1)
Die Zuordnung der winterlichen Monate hängt von der Betrachtungsweise ab. Meteorologen ordnen stets gesamte Monate der jeweiligen Jahreszeit zu. Nach der Einteilung erstreckt sich der Winter vom 1. Dezember bis zum 28./29. Februar. Geht man astronomisch heran, so beginnt die kalte Jahreszeit am Tag der Wintersonnenwende (21./22. Dezember). Auf der Nordhalbkugel ist dies der kürzeste Tag mit der längsten Nacht. Auf der südlichen Halbkugel ist dies umgekehrt. Am Tag der Tag– und Nachgleiche löst der Frühling ihn ab. Das ist 2019 am 20. März. Phänologisch ist der Winter von Gegend zu Gegend oftmals völlig unterschiedlich. Man verknüpft an die Jahreszeit die Vorstellungen von Eis und Schnee.

Ich richte mich in der monatlichen Kurzvisite der Monate nach der meteorologischen Einteilung. Der Dezember nahm im römischen Kalender den zehnten Platz ein. Daher ist sein Namen von dem lateinischen Wort „decem“ (zehn) abgeleitet. Das germanische Fest der Wintersonnenwende, das Julfest, war der Namensgeber für einen alten deutschen Namen, der „Julmond“. Ein weiterer ist der „Christmonat“.
Der Januar erhielt seinen Namen nach dem römischen Gott „Janus“. Diesem sind: „… alle Anfänge heilig.“ (2) Von den Römern wurde er: „… als der eigenständigste und beliebteste Schutz- Gott“ (3) verehrt. In Österreich, Südtirol und der Schweiz trägt er den Namen „Jänner“. Karl der Große (747 bis 814) nannte ihn „Schneemonat“. „Hartung“ oder „Eismonat“ sind alte deutsche Namen.
Der Name des Februars „(lateinisch: februare = reinigen)“ (4) geht auf das römische Reinigungsfest „Februa“ zurück, welches dieser Zeit gefeiert wurde. Es: „…kommt … vom gleichnamigen Beinamen von Juno.“ (5) Diese Göttin steht für: „… Geburt, Ehe und Fürsorge.“ (6) Der Brauch, Schalttage anzuhängen, geht auf Zeit der Nutzung des römischen Kalenders zurück. Zu jener Zeit wurde das Jahr mit dem Februar beendet. Er: …hatte 23 oder 24 Tage.“ (7) Alte deutsche Namen sind u. a. Hornung, Schmelz- oder Taumonat.

Winterliches Aktivsein

Von der ruhenden Natur sollten wir uns nicht ständig anstecken lassen, sondern die Auseinandersetzung mit ihr suchen. So kann es gelingen, die die vielen Schönheiten zu entdecken. Ein täglicher Aufenthalt im Freien wirkt sich positiv auf unseren Körper und unsere Seele aus. Dies sollten unsere Kinder von klein auf selbst erleben und erspüren. Unser Vorbild ist von großer Bedeutung. Kinder probieren gern alles aus, denn das entspricht ihrer natürlichen Neugier. Oftmals müssen wir nicht viel tun, als ihnen nur das Vertrauen zu schenken und sie „machen lassen“. Selbstverständlich im Rahmen gewisser Regeln. Versuchen Sie diese gemeinsam mit Ihren Kindern „festzulegen“.
Diese positiven Einflüsse auf die Entwicklung der Kinder durch die aktive Auseinandersetzung mit der Natur haben zahlreiche Untersuchungen bestätigt. Dazu zählen u. a.
- die Stärkung der Fähigkeit, Lösungen für Probleme zu finden, zum Beispiel:
  • Wie bauen wir einen haltbaren Schneemann, welche Materialien brauchen wir, wo bekommen wir sie her?
  • Wie bauen wir eine stabile Schneehöhle?
  • Wir möchten eine Kugelbahn aus Schnee bauen, aber wie?
- das Interesse an Zusammenhängen in der Natur wird geweckt und entwickelt, zum Beispiel:
  • Schneiden von geeigneten Zweigen zum Barbaratag (4.12.), Beobachten der Entwicklung der Blüten und Blätter, Bezug zur Legende der heiligen Barbara
  • Wann darf man überhaupt Eisflächen betreten?
  • Betrachten der vielfältigen Formen von Schneeflocken, ggf. abmalen, nachbasteln,….
  • besondere Wetterphänomene des Winters: Wolken und Kälte im Tal, Sonne und wärmer auf den Bergen
- die körperliche Stärkung durch Spielen und Toben, gleichzeitig wird die eigene Immunabwehr verbessert.

Scheinbar nebenbei erhalten die Kinder ihre notwendige Menge an dem wichtigen Vitamin D durch den Aufenthalt im Freien.

Outdoor Tipps

Einige Vorschläge finden Sie bereits im vorigen Abschnitt.

- Eis und Frost schaffen bizarre Formen
  • Der Raureif schafft besonders Figuren. Auch zugefrorene Pfützen können zu wahren Kunstwerken werden. Sicher haben Sie auch schon bizarren Formen von Blättern, Zweigen, Ästen, Bäumen in zugefrorenen Teichen, Seen, manchmal auch Flüssen bewundert. All dies regt unsere Fantasie an, in besonderer Weise die unserer Kinder.
  • Erfinden Sie dazu gemeinsam Namen. Fotografieren Sie oder Ihre Kinder.
  • Die Bilder können zum Beispiel zu Collagen verwendet werden. Auch eine malerische Verfremdung ist denkbar.
  • Regen Sie Ihre Kinder an, den „Rest“ machen sie alleine.
- Sport bei bzw. mit Eis und Schnee
  • Lassen Sie Ihr Kind nach Möglichkeit und Interesse verschiedene Sportarten ausprobieren. So manches Kind entdeckte so ein neues Hobby. Ganz besonders bietet sich dafür ein gemeinsamer Urlaub an. Vielleicht werden auch Sie inspiriert, wie zum Beispiel durch: Rodeln, Schlittschuhe laufen (in immer mehr Ortschaften gibt es angelegte Eisbahnen. Gehen Sie doch gemeinsam mit Ihren Kindern zu einer solchen.), Ski– oder Snow Board fahren, Winterwandern (besonders in Skigebieten sollten Sie nur die dafür vorbereiteten Wege nutzen und Loipen oder Pisten meiden. Diese sind gut ausgeschildert.)
  • Zahlreiche sportliche Aktivitäten lassen sich organisiert in Vereinen betreiben.
- Besuchen von besonderen Veranstaltungen
  • Weihnachts- und/oder Nikolausmärkte
  • Karnevalsumzüge
  • „Funkenfeuer“. Dieser alte Brauch ist im süddeutschen Raum, Liechtenstein, der Schweiz und Teilen von Österreich feste Tradition. Der „Funkensonntag“ findet am ersten Sonntag nach Aschermittwoch statt und kann daher auch schon im März liegen. Mit diesem Fest wird das Ende des Winters gefeiert bzw. dieser vertrieben. Über die genaue Herkunft gibt es unterschiedliche Erklärungen.
- Beobachtungen des Wetters
  • tägliche Aufzeichnungen zu Temperatur, Bewölkung, Niederschlag evtl. der Menge des Niederschlags, ggf. Luftdruck
  • Vergleich mit einer Wetter App
- Hilfe beim „Winterdienst“
  • Schnee weg schieben
  • Gehwege und kleine Zufahrten streuen

Indoor Tipps

- Sport in Räumen im weitesten Sinn
  • Tischtennis
  • „Denksport“ Schach
  • Viele der Aktivitäten lassen sich in regelmäßigen Abständen in Vereinen durchführen.
- Baden und Schwimmen

- Gärtnerische Arbeiten
  • Pflege der Blüh- und Grünpflanzen im Zimmer
  • Kontrolle der Gartengeräte, ggf. gründliches Säubern und reparieren
  • Vorüberlegungen für die kommende Gartensaison
- Phantasiebauten
  • Nutzung von selbst gesammelten oder nicht mehr benutzten (sauberen) Materialen (Äste, Steine, Muscheln, Früchte, Sand, …)
  • Landschaften, Gebäude, Fahrzeuge aller Art gestalten
- Lesezeit
  • Hier können sich die Kinder in ihre eigne Welt zurückziehen und Geschichten individuell erleben.
  • Günstig wirken sich Vorleserunden aus. Besonders schön ist es, wenn diese in einer gemütlichen Atmosphäre (ggf. bei Kerzenschein) stattfinden. Entsprechend dem Alter bietet es sich an, die Kinder mit einzubeziehen.
- Bastelarbeiten, z. B. Arbeiten nach Anleitungen: Gestecke für den Advent, Adventskranz , Papiersterne, Sterne aus Stoff oder Stroh sowie Bauen von Modellen mit dem Metallbaukasten.

- altes Handwerk wieder entdecken
  • Auf vielen Märkten gibt es immer mehr Plätze, auf denen sich zum Beispiel mittelalterliche Stände präsentieren. Sie sind magische Anziehungspunkte. Besonders dann, wenn alte Handwerkskunst vorgeführt wird. Vielleicht spricht es auch Sie oder Ihr Kind an?
  • Über die historischen Stände hinaus zeigen gern regionale Handwerker ihre Kunst, so zum Beispiel im Erzgebirge das Schnitzen, Drechseln oder Klöppeln.
  • Weiterführende Informationen finden Sie in dem unten angegebenen letzten fünf Linktipps.

Linktipps

https://www.allesistenergie.net/die-besondere-magie-des-winters-spirituelle-bedeutung-dieser-nostalgischen-jahreszeit/
https://impulsdialog.de/ueber_uns/blog/enwicklung-des-kindes-natur-freizeit-vorteile-im-freien-spielen-wanderung-positive-auswirkung-moral-kognitive-faehigkeiten-spass
https://www.helles-koepfchen.de/?suche=alte+handwerksberufe
https://vereinderfreunde.com/Altes-Handwerk/
https://www.altes-handwerk.ch/
https://kinderoutdoor.de/tag/schnitzen-anleitung/
http://www.kloeppelkids.de/lernenKid.html

Quellen
(1)https://www.wortbedeutung.info/Winter/
(2)https://www.die-goetter.de/roemischer-gott-janus
(3) ebd.
(4)https://de.wikipedia.org/wiki/Februar
(5)https://www.timeanddate.de/kalender/monate/februar
(6) ebd.
(7) ebd.

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