Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Ist Glück lernbar?

von Jörg Sauer



Bei dieser Frage werden Sie vielleicht zunächst stutzen und sich dann fragen: Wie soll das möglich sein? Glück ist das erstrebenswerte Ziel in unserem Leben. Doch schaffen wir es? Nicht umsonst nimmt es in einer Vielzahl von Liedern und Gedichten einen breiten Raum ein. Der nachfolgende Beitrag möchte Ihnen einige Anregungen geben, wie Sie Ihre Kinder auf dem Weg zum Glück unterstützen können.

Rund um das Glück

Es stammt vom mittelhochdeutschen Wort: „ gelücke“ (1) ab. Dieses bedeutet so viel, wie: „Schicksal(smacht); Zufall.“ (2) Die „ mittelniederdeutsche … Herkunft“ von „(ge)lucke …“ist „ungeklärt“ (3). Es beinhaltet inhaltlich, dass ein bestimmtes Ereignis zu einem guten Ende führt. Aus dieser Sicht muss der einzelne Mensch mit seinen eigenen Anlagen und Talenten wenig zum Gelingen beitragen. Hingegen drückt die wohl seit dem dritten Jahrhundert v. Chr. gebräuchliche Redewendung: „Jeder ist seines Glückes Schmied“ aus, dass das Erreichen eines glücklichen Zustandes vom eignen Tun abhängt. An dieser Stelle zeigt sich die mehrschichtige Bedeutung des Begriffes „Glück“. Zum einen bedeutet es das augenblickliche oder lang anhaltende glückliche Gefühl. Dieses kann auch euphorisch sein. Zum anderen kann es eine Reaktion auf ein individuell bedeutsames, wichtiges äußeres Ereignis sein. Glück ist ein sehr persönlich empfundenes Gefühl, dass in engem Zusammenhang mit dem Sinn des Lebens steht. „Vergessen Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit“- schrieb passend dazu Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926). Zum Glück gehört das Gegenstück, das Pech. Jeder von uns hat in seinem Leben schon zahlreiche unglückliche Momente erlebt. Mit diesen Momenten muss man auch lernen klar zu kommen. Gleichzeitig schätzt jeder das Glück in besonderer Weise. Die moderne Forschung hat in diesem Zusammenhang herausgefunden, dass glückliches Empfinden trainierbar ist. „Glücksgefühle sind kein Zufall, sondern der richtigen Gedanken und Handlungen.“ (4) Weitere interessante Ausführungen rund um das Glück finden Sie in dem sehr lesenswerten Beitrag „Psychologie des Glücks“ von Dr. Rolf Merkle. Klicken Sie dazu den ersten Link an.

Diesen neuen Erkenntnissen und der Tatsache, dass viele Kinder in der Schule weniger glücklich sind, folgend starte Dr. Ernst Fritz Schubert mit seinem Team an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg 2007 ein ganz besonders spannendes Projekt,

Das Schulfach Glück.

In einem Beitrag für die Zeitschrift: „Erwachsenenbildung“ schreibt er unter anderem dazu: „Ein glücklicher Mensch ist ein wirksamer Gestalter seines Lebens, der für sich Sinn gefunden hat und achtsam mit sich, seinen Mitmenschen und der Natur umgeht.“ (5) Ist das nicht ganz genau unser aller Ziel, der Eltern, Großeltern und Lehrer in einer immer komplizierteren Welt eint? In den zurückliegenden Jahren folgten immer mehr Schulen in Deutschland und Österreich diesem Ansatz. So wird u. a. im laufenden Schuljahr an drei Schulen das Schulfach „Glück“ unterrichtet.

Weiterführende Informationen finden Sie in dem unten angegebenen dritten Linktipp.

In der Schule kann ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Entwicklung von Glücksgefühlen geleistet werden. Nicht nur nebenbei wird die eigene Persönlichkeit in ihrer Einzigartigkeit gestärkt. Dennoch ist m. E. das familiäre Umfeld entscheidend.

Glücklich machende Tipps

Stöbert man in Buchläden aller Art so findet man eine riesige Auswahl an Ratgebern für fast jede Lebenslage. So auch zum Thema: „Glück“, wie zum Beispiel: „ Glücklich sein“, „Was die Seele glücklich macht“ oder „Einfach glücklich sein“.

Dazu kommen noch „Anleitungen“ auf den verschiedensten Webseiten. Die Titel klingen toll und vermitteln den Eindruck, man könnte mit Hilfe einfacher „Rezepte“ zum Erfolg kommen. Nicht alle Tipps treffen auf jeden zu und sind hilfreich. Bewahren Sie stets eine gewisse Skepsis und lassen Sie Ihren Menschenverstand und Ihr „Bauchgefühl“ sprechen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, dazu sollen die nachfolgenden Gedanken anregen. Die Reihenfolge stellt keine Wertigkeit dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Machen Sie ihrem Kind in besonders geeigneten Situationen klar, dass es genau so richtig ist, wie es ist. Welche das individuell sind, wissen oder spüren Sie am besten selbst.

Sagen Sie zum Beispiel:
  • „Du bist toll“ oder
  • „Du bist etwas ganz Besonderes“ oder
  • „Ich/ wir glaube(n) an dich.“ Oder
  • „Du erfüllst uns mit Stolz“….
Sie stärken so das Selbstwertgefühl Ihres Kindes und motivieren es.

Lassen Sie Ihr Kind altersgemäße Erfahrungen machen. Vermeiden Sie ein „Überbehüten“. Ein angemessenes Maß von Fordern und Fördern schaffen. Besondere Glücksmomente entstehen, wenn Ihr Kind mehr schafft, als gedacht. Binden Sie Ihr Kind in die regelmäßig anfallenden Aufgaben im Haushalt, entsprechend dem Alter, mit ein.

Vermeiden Sie das Aufbauen und Mehren von Ängsten vor der Zukunft. Gehen Sie möglichst mit Zuversicht und Optimismus voran.

Negative Erlebnisse, Trauer,… gehören zum Leben dazu. Versuchen Sie auch bei solchen Erlebnissen aufbauend und motivierend zu wirken.

Regelmäßige sportliche Betätigung, am besten mit anderen Kindern gemeinsam, schafft glückliche Momente. Das betrifft auch andere sinnvolle Aktivitäten in der Freizeit, Hobbys ausprobieren, Jugendfeuerwehr,….

Ermöglichen Sie den Kontakt zu Freunden Ihres Kindes.

Unternehmen Sie möglichst viel mit Ihrem Kind oder/und schaffen Sie gemeinsame Rituale.

Nehmen Sie die Probleme und Sorgen Ihres Kindes ernst. Sprechen Sie möglichst in Ruhe an, wenn Sie Handlungsweisen nicht verstehen. Sagen Sie auch, wenn etwas nicht wissen: „Das muss ich nachschauen oder nachlesen.“

Geben Sie ihnen die Möglichkeit, dass sie ihren eigenen Rückzugsbereich haben. Lesen Sie keine Nachrichten Ihres Kindes im Handy oder Eintragungen im Tagebuch. Sie zerstören somit das Vertrauen.

„Vorfreude ist die schönste Freude“, heißt es in einem alten Sprichwort. Jeder von uns erinnert sicher noch daran, wie wir uns auf den nächsten Geburtstag freuten. In Gedanken malten wir uns aus, welche Geschenke wir bekämen, wen wir einladen …. Die Tage wurden gezählt, die Vorfreude steigerte sich fast in das Unermessliche. Ähnliches gilt auch für die Tage des Advents (vom lat. adventus = Ankunft). Der Adventskalender hilft dabei die Zeit des Wartens bis zum Heiligen Abend zu überbrücken.

Versuchen Sie möglichst eine gute Atmosphäre in der Familie zu schaffen. Diese heimatliche Geborgenheit schafft Momente des Glücks, die oft die Zeit des Lebens anhalten.

Förden Sie die Neugierde Ihres Kindes. Diese sollte auf dem Verlangen basieren, Neues entdecken zu wollen, es ausprobieren zu wollen,…, gerichtet sein. Diese Form der Neugier löst Glücksgefühle aus: „Hurra, ich habe entdeckt, dass …“ Oft sehr überschwänglich wird das Ergebnis präsentiert. Wie fast immer gibt es auch bei der Neugierde eine unschöne Kehrseite. Sie zeigt sich dann so, wenn die Initiative auf die Sensationslust gerichtet ist.

„Dankbarkeit ist der Schlüssel zum Glück….Dankbarkeit kann man üben.“ (6) Nichts ist selbstverständlich. Besonders deutlich merkt man den Verlust, wenn etwas im Normalfall immer funktionierendes nicht mehr intakt ist. Wir sollten dankbar sein für unser Leben, die Gesundheit, für unsere Freunde, unsere Fähigkeiten,… Ermuntern Sie Ihr Kind zum einmal mehr „Danke“ sagen. Beide Partner erleben in diesem Moment einen Augenblick spontanen Glücks.

Alte Weisheiten bieten zahlreichen Anregungen, um über das eigene Leben nachzudenken oder neue Inspirationen zu gelangen. Es sind Erkenntnisse, die auf langjährigen Lebenserfahrungen basieren, wie das deutsche Sprichwort: „Glücklich ist nur, wer glücklich macht.“ (7)

Fazit

Glück besteht aus unzähligen kleinen Momenten, in denen man spürt, dass die Welt und die Menschen um einen herum gerade mein Herz positiv berühren.

Literarische Tipps

Ich möchte Ihnen hier keine Empfehlungen hinsichtlich besonderer Ratgeber rund um das Glück geben. Stattdessen schlage ich Ihnen Bücher von Autoren vor, die ganz andere Herangehensweisen an die ganzheitliche Thematik wählten.

„Die Kunst des lässigen Anstands, 27 altmodische Tugenden für heute“, Alexander von Schönburg, Piper Verlag GmbH, München

„Unser Leben hat Sinn“, Prof. Dr. Helmut Zöpfl, rosenheimer, 1989

„Das kleine Glück“, Prof. Dr. Helmut Zöpfl, rosenheimer, 2013

„Zurückbleiben, bitte! Warum sich an unseren Schulen schnellstens etwas änder muss“, Prof. Dr. Helmut Zöpf, Matthias Petri, SüdOst Verlag, 2017

Linktipps

https://www.psychotipps.com/Glueck.html

https://www.emotion.de/de/persoenlichkeit/was-ist-glueck-6127

https://www.fritz-schubert-institut.de/

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2018/03/glueck-unterricht-jean-kraemer-schule-berlin.html

http://www.helmut-zoepfl.de/buecher/buecher.htm

Quellen

(1) https://www.duden.de/rechtschreibung/Glueck
(2) ebd.
(3) ebd.
(4) https://www.psychotipps.com/Glueck.html
(5)https://www.fritz-schubert-institut.de/home/schulfach-gl%C3%BCck/
(6) Alexander von Schönburg, Die Kunst des lässigen Anstands“, 27 altmodische Tugenden für heute, Piper Verlag GmbH, München, 2018, Seite 347
(7) https://www.sinndeslebens24.de/zitate-und-weisheiten-ueber-das-glueck

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