Über den Autor/die Autorin

Alexandra von Plüskow - Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski ist Grundschullehrerin. Sie arbeitet in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis. Sie verfasst Beiträge zu vorschulischen und schulischen Themen und ist als Lehrbeauftragte in der Lehrkräfteausbildung tätig. Derzeit absolviert sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur systemischen Coachin und Prozessbegleiterin.

Autismus bei Kindergarten- und Grundschulkindern - Was Eltern und Fachkräfte hierzu wissen sollten

von Alexandra von Plüskow - Kaminski



© dubova - Fotolia.de
Seit einiger Zeit begegnen Eltern und Fachkräfte einem Thema vermehrt in den Medien: Autismus. Dargestellt wird es in vielen Fällen plakativ und übermäßig. Doch - was steckt hinter dem Begriff "Autismus", welche Symptome gilt es zu beachten und was können Eltern, Lehrkräfte und Erzieherinnen sowie Erzieher unternehmen, wenn sie Autismus bei den Ihnen anvertrauten Kindern vermuten? Der folgende Beitrag vermittelt erste Ansätze.

Autismus

Die Weltgesundheitsorganisation zählt Autismus zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Zu unterscheiden sind einerseits der so genannte frühkindliche Autismus und das Asperger-Syndrom. Beim frühkindlichen Autismus liegt häufig eine Sprachentwicklungsverzögerung vor. Die Sprachentwicklung verläuft beim Asperger-Syndrom in der Regel normal. Ein frühkindlicher Autismus entwickelt sich von Geburt an bis etwa zum dritten Lebensjahr. Die betroffenen Kinder zeigen in vielen Fällen Schwierigkeiten in der Kommunikation und hinsichtlich ihrer sozialen Interaktion. Betroffen sind etwa sechs bis sieben pro eintausend Kinder.
Eine weitere Form ist der so genannte atypische Autismus. Hier sind nicht alle diagnostischen Gesichtspunkte erfüllt und auch das Erkrankungsalter ist oftmals untypisch.

Symptome

Erst in den letzten Jahren werden Eltern und Fachkräfte hinsichtlich des Autismus sensibilisiert. Dies ist von besonderer Bedeutung, denn in vielen Fällen wird Autismus zu spät festgestellt. Aufmerksam werden sollten Eltern und Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher zum Beispiel, wenn:
  • kleine Kinder in ihrer Sprachentwicklung eingeschränkt sind
  • Kinder stets Blickkontakt meiden
  • sie stereotype Handlungen durchführen (Dinge ordnen)
  • sie sich intensiv mit einer Thematik beschäftigen (Zahlen, Autos, etc.)
  • sie keinen Kontakt mit anderen Personen aufnehmen und allein spielen
  • sie nicht fantasievoll spielen
  • Dinge lange in den Mund nehmen
Dies sind nur einige Symptome des Autismus'. Auch andere Symptome können auf einen Autismus hinweisen. Grundsätzlich gilt, dass Eltern und Fachkräfte mit offenen Augen handeln sollten und tätig werden sollten, sobald sie einen Autismus vermuten.

Handlungsmöglichkeiten

Kathrin Guttmann, stellvertretende therapeutische Leiterin des Hamburger Autismus Instituts, rät, frühzeitig tätig zu werden.
Das heißt: Eltern sollten Kontakt zu einem Kinder- und Jugendpsychiater aufnehmen, der das Kind hinsichtlich eines Autismus' testen kann. Ist die Diagnose gestellt, so sollte ein Antragsverfahren in die Wege geleitet werden. Hilfe erfahren Eltern in der Regel nicht vonseiten der Krankenkassen, sondern bei dem zuständigen Sozial- oder Jugendamt. Bis eine Therapie stattfinden kann, so dauert es häufig bis zu einem halben Jahr, manchmal sogar länger.

Therapie

Eine geeignete Therapie bietet vielseitige Ansätze, die optimal auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes zugeschnitten sind. In Hamburg sind neben Psychologen und Psychologinnen auch Therapeutinnen und Therapeuten aus dem sozialpädagogischen Bereich, aus den Bereichen der Kunst- und Musiktherapie sowie besonders geschultes Reha-Personal tätig.
Behandelt wird sowohl in Einzelsitzungen - aber auch in der Gruppe. In den Gruppenstunden geht es vorrangig darum, soziale Kompetenzen zu üben. In Einzelsitzungen wird exemplarisch trainiert, Kontakt und Blickkontakt zu anderen Personen aufzunehmen und zu halten.

Auch Eltern erhalten hier Unterstützung. Etwa durch Beratungsgespräche, aber auch in Form von Weiterbildungen und anderen Veranstaltungen zum Thema Autismus. Wichtig ist ebenso der Austausch mit anderen Eltern - dieser wird im Hamburger Autismus Institut großgeschrieben, schließlich geht dieses zurück auf eine Elterninitiative.

Einbezug von Kindertagesstätte und Grundschule

Elementar sind auch die Kommunikation und der Kontakt zu den betreuenden Einrichtungen. Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Instituten besuchen diese beispielsweise, nehmen am Kindergarten- oder Schulalltag teil und besprechen dann mit den Erzieherinnen und Erziehern sowie mit den Lehrkräften, wie das Kind hier optimal gefördert werden kann.
Welche Übungen können hier ebenso durchgeführt werden? Was braucht das Kind in der Einrichtung? In welcher Form ist eine Schulbegleitung möglich und sinnvoll? Wie ist der Raum eingerichtet? Kinder mit Autismus nehmen beispielsweise gerne Rückzugsmöglichkeiten in Anspruch.

Autismus heilen kann man nicht. Kathrin Guttmann betont: "Wenn damit geworben wird - 'Wir heilen Autismus', so handelt es sich dabei wahrscheinlich nicht um ein seriöses Angebot. Bei Autismus handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die ein Leben lang anhält." Eine gezielte Autismus-Therapie kann hier aber - frühzeitig eingesetzt - sehr deutlich helfen, Betroffenen das Leben zu erleichtern, indem sie Strategien erlernen, um den Alltag zu bewältigen. Tag für Tag.

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