Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Lernmotivation schaffen – aber wie?

von Jörg Sauer



© leszekglasner - Fotolia.com
Sicherlich kennen Sie auch das Phänomen, dass die Lernfreude vieler Kinder im Laufe der Schulzeit stark abnimmt. Dabei kommen die meisten Mädchen und Jungen mit Elan und Entdeckerfreude in die Schule. Wo liegen mögliche Ursachen liegen und was können Sie tun? Darauf versucht der nachfolgende Beitrag Antworten zu geben.

Interessante Hintergründe

Das Wort „Motiv“ geht auf die lateinischen Begriffe: „… motivum bzw. motivus zurück …“ Sie heißen übersetzt so viel, wie„… bewegend oder antreibend.“ (1) Es hat eine vielschichtige Bedeutung. Für uns ist die psychologische Betrachtungsweise wichtig. So versteht man unter dieser den: „…Antriebshintergrund des Handelns, der oftmals von bestimmten Zielvorstellungen geprägt ist.“ (2)

Motivation umfasst alle Motive. Es beinhaltet die Beweggründe oder Antriebe, die zum Handeln führen. Es ist das Streben des Menschen zu seinen individuellen Zielen. Der Begriff der Motivation lässt sich: „… auf das lateinische Verb movere (bewegen, antreiben) zurückführen.“ (3)

Die Lernmotivation umfasst zahlreiche emotionale und kognitive Faktoren. Des Weiteren spielt der soziale Aspekt eine wichtige Rolle. Denken Sie nur daran, welch enge Beziehung gerade Grundschulkinder zu ihrer Lehrerin oder ihrem Lehrer häufig aufbauen. Jeder Mensch hat seine eigenen individuellen Antriebe um etwas zu lernen. Diese hängen häufig von den Inhalten, den zu erwerbenden Fähigkeiten, den eigenen Erfahrungen und Interessen ab. Ist ein Mensch für das Lernen motiviert, so: „…liegt eine Bereitschaft vor, sich freiwillig und zeitlich begrenzt mit bestimmten Aufgaben auseinanderzusetzen.“ (4) Von großer Bedeutung sind vor allem diese vier Aspekte:
  • Erwartungen an die Leistung,
  • eigene Interessen,
  • Lernen aus Freude an der Sache (intrinsische Motivation),
  • Lernen hat einen Zweck, um ein Ziel zu erreichen, zum Beispiel gute Benotung (extrinsische Motivation).
Idealerweise ist es, wenn insbesondere die beiden zuletzt genannten Aspekte sich ergänzen.

Es lässt sich darauf schließen, dass gute Ergebnisse auf einer hohen Lernmotivation basieren.

Mögliche Ursachen für den Verlust an Lernmotivation

Die Motivation eines Kindes hängt grundsätzlich davon ab, welche Erfahrungen es machte. Darüber sollten Sie sich stets bewusst sein. Viele Ereignisse werden im Gedächtnis „gesammelt“, so dass dann scheinbar plötzlich ein Einbruch passiert. Dies trifft nicht nur auf Kinder zu. So sind die Ursachen, die zum Verlust der Lernmotivation führten, oftmals sehr komplex. Diese gilt es zu ergründen.
  • Überforderung ist ein großes Problem. Diese kann auftreten, wenn von außen dem Kind zu viel verlangt wird. Das können die Eltern oder Lehrkräfte sein. In Wahrheit kann das Kind, die Forderungen nicht erfüllen. Der Druck wächst und muss sich auf die ein oder andere Weise entladen, die für niemanden gut ist. Überforderung kann auch von selbst kommen, wenn der persönliche Ehrgeiz zu groß ist.
  • Viele Lerninhalte werden in der Schule recht abstrakt vermittelt. Das nimmt im Laufe der Zeit noch zu. Kinder benötigen Bezüge zur Umwelt oder ihrer eigenen Realität. Nur wenn das Gehirn Bezüge herstellen kann, dann bleiben Informationen dauerhaft erhalten. Äußerst positiv wirkt sich das Kopf – Herz – Hand – Prinzip aus.
  • Die Lehrkräfte müssen die Lehrpläne erfüllen. Obwohl der Freiraum durchaus zugenommen hat, bleibt für eine individuelle Förderung nicht genügend Platz. Aktuelle Probleme, wie Lehrermangel und nicht genügende Ausstattung spielt hier ebenfalls mit hinein.
  • Aus diesen Fakten kommt Ihnen als Eltern zwangsläufig eine zentrale Rolle bei der Erhaltung der Lernmotivation zu.
Erkennen Sie, dass Ihr Kind keine Lust am Lernen allgemein oder einem Fach im besonderen, so sollten Sie rechtzeitig das Gespräch mit den Lehrkräften suchen.

Tipps

Lernen sollte man nicht nur auf die Schule begrenzt sehen. Es findet nicht nur dort statt. Lernen beginnt am ersten Tag des Lebens und endet am letzten. Sie können Ihr Kind grundsätzlich in der Motivation für das Lernen unterstützen u. a. durch:
  • gezieltes Lob,
  • Betonen und Fördern der Stärken, der Interessen, der Hobbys,
  • konstruktive Kritik - vom gut Gelungenen ausgehen und Auswege oder Alternativen aufzeigen,
  • das Zulassen von Fehlern,
  • das Vertrauen in die individuellen Fähigkeiten Ihres Kindes, Mut machen (zum Beispiel: „Das schaffst du.“)
Ihr Kind benötigt idealerweise einen eigenen Platz zum Lernen, Arbeiten, den es allein nutzt. Ein Schreibtisch ist am besten geeignet. Für die Gestaltung und das Aufräumen ist Ihr Kind verantwortlich.

Versuchen Sie, die Schule nicht zum alles bestimmenden Thema zu machen. Besonders dann, wenn Ihr Kind nach Hause kommt, braucht es erst einmal eine Ablenkung.
  • Die so häufig gestellte Frage: „Wie war es in der Schule?“ bringt so gut wie nichts. So oft heißt die Antwort: „schön“. Sie kennen Ihr Kind genau und wissen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um Fragen zu stellen.
  • Vermeiden Sie es, viele Fragen zur Kontrolle zu stellen.
  • Formulieren Sie diese meist so, dass Ihr Kind nicht mit ja oder nein antworten kann. Hier ein Beispiel: Hast du deine Tasche für morgen gepackt? – ja – Lieber so: Welche Dinge hast du alles in deine Tasche für morgen getan? …
Übernehmen Sie möglichst nicht die Rolle des Hauslehrers. Dies kann zu unguten Szenen im Leben der Familie führen. Die Alternative sind zum Beispiel: Versuche, Experimente, spielerisches Lernen…

Denken Sie daran, Ihrem Kind Freiraum einzuräumen. Es sollte sich mit Freunden treffen oder Hobbys nachgehen können.

Jeder hat seine persönlichen Vorlieben, zu welcher Zeit er am besten lernt. Das trifft auch auf unsere Kinder zu. Eine ungünstige Zeit ist die nach dem Mittagessen. Es gibt auch Kinder, die am besten im Garten sitzend ihre Aufgaben erfüllen. Das sollten Sie ruhig zulassen.

Motiviertes lernen und sportliche Aktivität steht im Zusammenhang. Wer sich körperlich betätigt, der wird anschließend den Kopf für geistige Aufgaben frei haben. Die Art der sportlichen Aktivität ist an sich egal, Hauptsache es findet sie überhaupt statt. Das kommt dem natürlichen Bewegungsdrang besonders von Grundschulkindern entgegen.

Motivieren heißt nicht Verwöhnen. Selbstverständlich spricht nichts gegen angemessene Anerkennungen für besondere Ergebnisse. Das sollte unter Berücksichtigung des Alters geschehen.

Verzichten Sie auf Vergleiche mit anderen gleichaltrigen Kindern. Jedes Kind ist einzigartig und entwickelt sich auch ebenso. Ansonsten erzeugen Sie unnötigen Druck.

Lesen Sie nicht zu viele Ratgeber o. ä. Nicht immer sind die Tipps zielführend für Kind. Vertrauen Sie Ihrem Kind und sich selbst bei Entscheidungen.

Links

https://www.mit-kindern-lernen.ch/lernen-kinder/motivieren/104-lernmotivation-10-kurztipps
https://www.familienhandbuch.de/kita/lernen/wiekoennenwirdielernmotivationvonkindernfoerdern.php
https://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/lernmotivation-von-natur-aus-neugierig/3845346.html
https://magazin.sofatutor.com/eltern/2017/06/14/lernmotivation-schuetzen-was-alle-eltern-ueber-das-lernen-wissen-muessen/

Quellen

(1) https://www.duden.de/rechtschreibung/Motiv
(2) Bertelsmann Universal Lexikon, Band 12, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, Gütersloh, 1993, Seite 168
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Motivation
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Lernmotivation

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